50.000.000 Elvis Fans Can't Be Wrong

In Diskussionen um das Thema Religion wird regelmäßig das „Argument der Masse“ verwendet: „Milliarden Menschen, die an Gott glauben, können sich nicht irren oder haben eine Wahnvorstellung!“. Neben dem trivialen Umstand, dass etwas nicht objektiv wahrer wird, wenn nur genug Menschen daran glauben, ist dieses Argument auch sehr zynisch.

Es wird hier aus der Perspektive einer freien, demokratischen Gesellschaft gefolgert und ignoriert dabei, dass sehr viele Menschen gar keine Wahl haben, ob sie an einen Gott glauben oder nicht. Ein Grund könnte das Fehlen von Wahlmöglichkeiten durch mangelndes Wissen und Aufklärung sein. Kinder folgen der Religion ihrer Eltern, werden von klein auf in das religiöse System verankert. Auch finden wir in vielen Teilen der Welt Gesellschaften, in denen die Religion so stark präsent ist, dass eine Abkehr vom Glauben zwangsläufig einen Ausschluss aus der Familie, der Gemeinschaft und der Gesellschaft nach sich ziehen würde. Sogar eine Gefährdung der körperlichen Unversehrtheit bis hin zum Tode ist nicht selten zu befürchten.

Ich habe auch in unserem Land erlebt, dass Menschen davor zurückschrecken, ihren Angehörigen ihre Abkehr vom Glauben mitzuteilen, weil sie befürchten müssen, dann geschnitten zu werden. Daher ist dieser Schritt für viele nicht einfach, wie schwer ist es erst in nicht so aufgeklärten Ländern, wie wir es sind?

Daher könnte das Argument auch umformuliert werden: „Viele unter den Milliarden Menschen, die an Gott glauben, haben keine Wahl und können sich daher nicht von der Wahnvorstellung lösen“.

Kommentare

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    marstal08

    Die Musik von Elvis ist großenteils sehr schön, und seine Bewunderer beweisen guten Geschmack
    Sie sollten m.E. nicht durch Vergleiche mit Vertretern religiösen Schwachsinns in den Schmutz gezogen werden.

    marstal08

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      Wikipedian

      Antwort auf #3 von Garelump:
      > Den Titel "50.000.000 Elvis Fans Can't Be Wrong " gibt es übrigens tatsächlich, es ist der Name einer "Best of" Elvis Presley Platte.
      Die Antwort der Nicht-Fans war "50,000,000 flies can't be wrong – eat shit".

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        DB

        Das erinnert mich an den Vergleich, den Sam Harris gezogen hat, um in einer Diskussion mit einem Rabbi zu erklären, wie rationalen Menschen die Verteidigung seiner religiösen Einstellung vorkommt: „Man braucht nur ein wenig Glauben…“, „Das ist eine metaphysische Behauptung, sie braucht keine Beweise…“. Es könnte genauso gut von Elvis die Rede sein. (Skeptisketch hat diesen Dialog sehr nett veranschaulicht: http://youtu.be/UAFthVovWHU)

        So distanziert kann man über diese Dinge jedoch nie nachdenken, wenn man - da gebe ich Garelump absolut recht - in geistiger Unfreiheit aufgewachsen ist bzw. lebt.

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          Port0r

          Ich denke mal, das ist der Bandwagon- oder auch Mitläufereffekt in Aktion. Eine von vielen kognitiven Verzerrungen die einen schnell mal überrumpeln, wenn man nicht aufpasst und mal rational nachdenkt.

          Natürlich macht es evolutionsbiologisch Sinn, sich einer großen Gruppe anzuschließen die es schon lange gibt. In freier Wildbahn deutet das schließlich darauf hin, dass sie etwas richtig machen -- sonst wären sie nicht so alt geworden und nicht so viele geblieben. Auch wenn man nicht versteht warum sie machen was sie machen, fährt man gut damit es genau so zu machen.

          Entscheidend ist aber das gewünschte Ziel an dessen Annäherung man diesen Erfolg misst. Sie haben etwas richtig gemacht, aber in Bezug auf was? Im evolutionsbiologischen Beispiel war es in Bezug auf das eigene Überleben und die dazu notwendige Anpassung. Da sind Größe und Alter einer Gruppe offenbar gute Bewertungskriterien. Bei allen Spezies die heute existieren ist irgendetwas richtig gelaufen -- besser als bei anderen, ausgestorbenen -- wenn es ums Überleben geht.

          Wenn man allerdings Antworten sucht, Erklärungen und Wissen, wenn man ein ungelöstes Problem verstehen und lösen möchte, wenn man möglichst nah an die objektive Wahrheit herankommen möchte, dann ist das ein völlig anderes Ziel und es bedarf völlig anderer Bewertungskriterien. Welche Gruppe ist diesem Ziel am nächsten gekommen? Welche bringt die meisten und besten Ergebnisse in Bezug auf dieses Ziel hervor?

          Da gibt es viele die gar nichts hervorbringen, einige die sogar gezielt falsche Ergebnisse verbreiten, auch welche die einfach behaupten sie hätten die besten Ergebnisse, den Beweis aber schuldig bleiben. Und dann gibt es da noch die Wissenschaften, deren Errungenschaften so maßgeblich sind, dass selbst diejenigen der anderen Gruppen sie nutzen, die gleichzeitig den Erfolg der Wissenschaften zu leugnen versuchen.

          Wenn nur die Wissenschaften ihre Ansichten über wissenschaftsbasierte Medien verbreiten dürften, dann würden die anderen heute noch manuell Bücher drucken und auf Pferden durchs Land karren, während wissenschaftliche Theorien in Radio, TV und Internet um die ganze Welt gingen.

          Stattdessen machen auch sie Gebrauch von diesen Errungenschaften. Auch wenn man nicht versteht wie die Wissenschaften zu ihren Ergebnissen kommen, fährt man gut damit sie zu nutzen. Das bessere setzt sich eben durch, auch wenn es nicht von der größten Gruppe kommt.

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            Joseph Wolsing

            Die Masse der gläubigen berechtigt jedoch meiner Ansicht nach dazu die Frage zu stellen, ob der Mensch eventuell für religiöse Gedanken doch "hardwired" sein könnte. Wäre es eventuelle möglich, dass wir Strukturen in unserem Gehirn haben, die auf Religiosität ausgelegt sind? Wenn ja, wie kommt es, dass eine Minderheit in der Lage ist das zu "überschreiben" und sich trotzdem davon lösen kann, dieses Denken als zentral im Leben zu betrachten? Masse als Argument ist wohl gestorben, seit wir wiederentdeckt haben, dass die Erde doch keine Scheibe war (auch nicht zwischen durch!). Aber was die Frage der Kritisierbarkeit der Religion anbetrifft spielt Masse eine entscheidende Rolle!

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              SonnenKlar

              Jedes Mal, wenn mir jemand mit einem logischen Fehlschluss kommt und ich ihn erkenne, zitiere ich als Antwort einfach den Ratioblog.
              Das hier ist das Popularitätsargument: http://www.ratioblog.de/entry/fehlschluss-11-popularitaetsargument

              Da in nahezu allen Diskussionen, die ich mit abergläubigen Menschen habe von ihnen logische Fehlschlüsse auftreten, spare ich mit dem zitieren sehr viel Zeit. :)

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                Gast

                Den Titel "50.000.000 Elvis Fans Can't Be Wrong " gibt es übrigens tatsächlich, es ist der Name einer "Best of" Elvis Presley Platte.

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                  Bernd Kammermeier

                  Man könnte das Argument auch umdrehen: Wenn sich die Anzahl der Überzeugten proportional zur Wahrscheinlichkeit ihrer Überzeugung verhält, dann müsste im Umkehrschluss eine neue Entdeckung höchst unwahrscheinlich sein, da sie anfangs i.d.R. lediglich einem Entdecker oder seinem Team bekannt ist. Noch anders: Der muslimische Gott (Allah) ist unwahrscheinlicher, als der christliche Gott, weil es weltweit mehr Katholiken und Protestanten gibt.

                  Das ist natürlich Quatsch in jeder Beziehung. Genauso wie das in solchen Diskussionen häufig auftauchende Hilfsargument, diese oder jene Religion sei soundso viel tausend Jahre alt. Selbst das Christentum hat sich in seinen frühen Anfängen mit fremden, dem Judentum entliehenen Federn geschmückt und sich "Heilige" aus dem uralten jüdischen Sagenschatz einverleibt, teilweise sogar deren Reliquien geraubt.

                  Ich bin gespannt, wann Religionen anfangen, den Nobelpreis für die beste Religion einzufordern, um auch in dieser moderneren Sparte "Erfolge" vorweisen zu können...

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