Scharia, Juden und Oliven

Das Todesurteil für die „jüdischen“ Olivenbäume der Türkei und die angebliche Vereinbarkeit der Scharia mit den Menschenrechten

Scharia, Juden und Oliven

Foto: pixabay.com

Nachdem die AKP-Islamofaschisten die Gewaltenteilung in der Türkei mit der Verfassungsänderung vom vergangenen April durch einseitige Berichterstattung in den von ihnen gesteuerten Medien sowie Medienzensur, massivste Einschüchterungen der Bevölkerung und systematischen Wahlbetrug beseitigen konnten, hat nun auch die letzte Stunde der türkischen Olivenbäume geschlagen. Die AKP-Bande hatte zuvor während Jahren versucht, insbesondere die Olivenhaine der Ägäis abzuholzen, was bis anhin durch Gerichtsentscheide teilweise verhindert werden konnte. Da in der heutigen Türkei Gerichte keine eigenständige Rolle mehr spielen und in faktischer Hinsicht genauso wie das türkische Parlament nur noch Akklamationsinstanzen des Diktators darstellen, gibt es leider nichts mehr, was die Islamofaschisten von diesem Vorhaben noch abhalten könnte.

Die insbesondere an der türkischen Ägäis-Küste seit Jahrhunderten wachsenden Olivenbäume sind der geldgierigen AKP-Clique und dem noch geldgierigeren Diktator, der dazu noch an einer Bau-Megalonomie leidet, schon lange ein Dorn im Auge, weil diese Bäume wertvollem Bauland Platz wegnehmen würden, so wie diese Leute es ausdrücken. Vor einigen Tagen konnte nun das entsprechende Gesetzespaket die vorberatende Industriekommission des türkischen Parlaments passieren und wird demnächst vom Parlament durchgewunken. Die Landwirtschaftskommission, die bei einem derart wichtigen landwirtschaftspolitischen Entscheid klar zuständig wäre, wurde nicht einmal angehört, geschweige denn irgendwelche Einwände aus der Opposition, aus dem betroffenen Industriezweig oder von der Bevölkerung. Die Olivenhaine, welche die Landschaft der Ägäis aber auch das Leben und die Kultur dieser Region seit Jahrhunderten prägen, dürften demnächst der Vergangenheit angehören.

Dass es jetzt so einfach und so schnell ging, sollte nicht davor hinwegtäuschen, dass die AKP-Islamofaschisten für dieses Ziel sehr lange gekämpft haben und dabei keine Mittel scheuten, um die Olivenbäume schlecht zu machen. Sie führten sogar eine regelrechte Hasskampagne gegen die Olive. Das ist durchaus keine Übertreibung. Im November 2014 ging dies so weit, dass sie den Hashtag #ZeytinAlmıyoruz auf Twitter verbreiteten, was so viel heißt wie „Wir kaufen keine Oliven!“. Dabei wurde von der AKP-Propaganda unter anderem auch behauptet, dass der Olivenbaum ein „jüdischer Baum“ sei und deshalb sämtliche Olivenbäume der Türkei abgeholzt werden müssten. Die nachfolgende antisemitische Darstellung mit Text, die damals in den sozialen Medien verbreitet wurde, gibt eine bemerkenswerte Begründung dafür ab, die ich nachfolgend übersetzen und anschließend kommentieren werde.

(Türkische antisemitsiche Karikatur mit Text aus dem Jahr 2014)

„Weshalb sollten Olivenbäume gefällt werden??

(In einer Zeit) in der Nähe des Jüngsten Tages wird es einen Krieg zwischen den Muslimen und den Juden geben. Die Muslime werden von diesem Krieg als Sieger hervorgehen. Es wird sich so verhalten, dass die Juden sich hinter den Bäumen und den Steinen verstecken werden; die Bäume und die Steine werden jedoch Nachricht darüber geben und sagen „Hey Muslim, was sich hinter mir befindet, ist ein Jude. Komm geschwind und töte ihn!”.

Aber nur der Olivenbaum wird keine Nachricht darüber geben, weil dieser ein Judenbaum ist. Heute ermutigt Israel alle Länder, dass diese Olivenbäume pflanzen. Sie wissen nämlich, dass diese Bäume die Juden beschützen werden.

(es folgt die krass antisemitische Darstellung eines Juden; „zeytin ağacı” bedeutet Olivenbaum)

Gestern hat Israel versucht, um das Fällen der Olivenbäume zu verhindern, den Bau des Wärmekraftwerks in Soma zu stoppen und hat dies mit der Unterstützung des Danıştay (Türkischer Staatsrat, sprich das höchste türkische Verwaltungsgericht) geschafft. Aber unsere Regierung hat trotz dieses Entscheids des Danıştay das Fällen der Bäume fortgesetzt und hat damit sämtliche Pläne Israels vereitelt.

Es ist geplant, dass sämtliche Olivenbäume in der Türkei innerhalb von drei Jahren gefällt werden; auf diese Art und Weise wird man Israel einen großen Schlag versetzen.

Aber es reicht nicht, nur die Bäume zu fällen. Unsere Nation sollte die ihr zukommende Pflicht erfüllen und von dieser Stunde an keine Oliven mehr gebrauchen und sollte sich damit nicht zu einem Werkzeug dieses Spiels machen lassen.

Werde nicht zum Spielball, o Ottomanensohn!

(der Begriff „Ottomanensohn” ist in ottomanischer Sprache wiedergegeben und nicht auf Türkisch, um dem Aufruf einen ottomanischen und damit patriotischen Touch zu geben)

#WirkaufenkeineOliven”

Die antisemitische Endzeitschilderung in diesem Text mit den Juden, die sich vergeblich hinter Bäumen und Steinen vor mordenden Muslimen verstecken würden, stammt aus der Hadith-Literatur. Sie kommt sowohl in Sahih Bukhari als auch in Sahih Muslim vor, sprich in den beiden wichtigsten und heiligsten Hadith-Texten des sunnitischen Islam, aber auch in vielen anderen Texten, die ihrerseits von diesen beiden „Hauptquellen” abgeleitet wurden. Mit anderen Worten handelt es sich hierbei um Mainstream-Islam und nicht um Extremismus, Islamismus oder Salafismus, um jene Begriffe der Islam-Appeaser zu verwenden, die aus welchen Gründen auch immer eine strikte Unterscheidung zwischen dem Islam und dem Islamismus fordern. In beiden Texten des sunnitischen Islam wird die Ermordung sämtlicher Juden durch Muslime als Voraussetzung für die Heilserfüllung in der islamischen Eschatologie bezeichnet. Sahih Muslim spricht anders als Sahih Bukhari auch darüber, um welche Art von Bäumen es sich hier handeln soll. Schauen wir uns doch an, ob dort tatsächlich von Ölbäumen die Rede ist.

„Abu Huraira reported Allah’s Messenger as saying:

The last hour would not come unless the Muslims will fight against the Jews and the Muslims would kill them until the Jews would hide themselves behind a stone or a tree and a stone or a tree would say: Muslim, or the servant of Allah, there is a Jew behind me; come and kill him; but the tree Gharqad would not say, for it is the tree of the Jews.”

Welcher Baum mit dem Gharqad-Baum gemeint ist, ist in der islamischen Theologie umstritten. Unumstritten ist lediglich, dass die Pflanze dornenreich und nutzlos sei, was den Ölbaum aufgrund dieser Beschreibung ganz sicher ausschließen dürfte. Darüber hinaus würde im Hadith-Text Ölbaum stehen, wenn Ölbaum gemeint wäre, zumal diese Pflanze bereits im Koran mehrfach erwähnt wird und damit in der Welt des Islam keine Unbekannte ist.  Ferner gibt außer den AKP-Islamofaschisten ohnehin niemand an, dass es sich Gharqad-Bäumen um Ölbäume handle. Nachfolgend möchte ich die vorhin erwähnten Koranstellen wiedergegeben, damit der Leser erfährt, was die wichtigste Quelle des Islam über die Olive erzählt.

Surah al-An’am; 6:99, 141

„Und Er ist es, Der vom Himmel Wasser herabkommen lässt. Damit bringen Wir den Wuchs aller Arten hervor; aus ihnen bringen Wir dann Grün hervor, aus dem Wir übereinandergeschichtete Körner hervorbringen – und aus den Palmen, aus ihren Blütenscheiden (entstehen) herabhängende Dattelbüschel –, und (auch) Gärten mit Rebstöcken und die Öl- und die Granatapfelbäume, die einander ähnlich und unähnlich sind. Schaut ihre Früchte an, wenn sie Früchte tragen, und (schaut) auf deren Reife! Seht, darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die glauben.”

„Und Er ist es, Der Gärten mit Spalieren und ohne Spaliere entstehen lässt, sowie Palmen und (sonstige) Pflanzen mit unterschiedlichen Erntesorten und Öl- und Granatapfelbäume, die einander ähnlich und unähnlich sind. Eßt von ihren Früchten, wenn sie Früchte tragen, und entrichtet am Tag ihrer Ernte ihre(n) Pflicht(anteil, der darauf steht), doch seid nicht maßlos! – Er liebt nicht die Maßlosen.”

Surah Nahl; 16:11

„Er lässt euch damit Getreide wachsen, und Ölbäume, Palmen, Rebstöcke und von allen Früchten. Darin ist wahrlich ein Zeichen für Leute, die nachdenken.”

Surah Nur; 24:35

„Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Das Gleichnis seines Lichtes ist das einer Nische, in der eine Lampe ist. Die Lampe ist in einem Glas. Das Glas ist, als wäre es ein funkelnder Stern. Ihr Brennstoff kommt von einem gesegneten Baum, einem Ölbaum, weder östlich noch westlich, dessen Öl beinahe schon Helligkeit verbreitete, auch wenn das Feuer es nicht berührte. Licht über Licht. Allah führt zu Seinem Licht, wen Er will. Allah prägt den Menschen die Gleichnisse, und Allah weiß über alles Bescheid.”

Ferner wird die Olive in Surah at-Tin; 95:1 und in Surah Abasa; 80:29 erwähnt, wiederum in einem äußerst positiven Zusammenhang.

Wenn man bedenkt, dass nach islamischer Sicht der Koran die unmittelbare und damit direkte Rede Gottes enthält, sagt dieser Gott zusammengefasst nichts anderes als, dass die bloße Existenz der Olive als ein Zeichen seiner Existenz zu deuten sei. Mit anderen Worten ist die Olive ein Wunder und damit sogar ein Gottesbeweis. Gott befiehlt den Muslimen, Oliven zu essen, diese wunderbare Gabe zu schätzen und dabei nicht maßlos zu sein. Der Gott im Islam lobt ferner das Licht, das das Öl der Olive erzeugt und bezeichnet den Ölbaum als einen gesegneten Baum.

Aus theologischer Betrachtung dürfte das Vorgehen der AKP-Islamofaschisten gegen die Ölbäume somit eine schwere „Sünde” darstellen, sofern man an solche Dinge glaubt. Mit ihrer Hasskampagne gegen die Olivenbäume machen sie aus dem gesegneten Ölbaum, der im Koran aufgrund der vielseitigen Nutzung als Gottesgabe dargestellt, ja von diesem Gott selbst als Gottesbeweis aufgeführt wird, den in Sahih Muslim erwähnten, nutzlosen Gharqad-Baum, um sämtliche Olivenbäume der Türkei abzuholzen zu können, weil es sich dabei angeblich um „Judenbäume” handle. Mit anderen Worten bringen sie den gemäß Gott gesegneten Ölbaum in einen Zusammenhang mit den verhassten Juden, die gemäß den Lehren des Islam keineswegs gesegnet sind, weil sie nach islamischer Vorstellung den Zorn Gottes erregt hätten und daher als Verdammte betrachtet werden. Dabei berufen sich die AKP-Islamofaschisten auf eine der heiligsten Hadith-Quellen des sunnitischen Islam, die sie wohl bewusst falsch wiedergeben, um ihre pekuniären Ziele zu erreichen. Diese pekuniären Interessen stehen wiederum im Widerspruch zu dem, was der Koran über den gottgewollten Umgang der Menschen mit der Olive aussagt: Sie sollen nicht maßlos sein, weil Gott maßlose Menschen nicht liebe.

Was man aus den übrigen Ausführungen in diesem antisemitischen Text herauslesen kann, ist die Todfeindschaft gegenüber Israel und ein tiefer Judenhass, der so weit geht, dass man sämtliche Olivenbäume der Türkei fällen will (und damit bewusst eine Selbstschädigung in Kauf nimmt), damit sich die Juden nicht verstecken können, die man ermorden will, wenn gegen Israel der Endkrieg geführt wird, nach welchem kein einziger Jude überleben darf. Mit anderen Worten ist der Krieg gegen Israel aber auch die Ermordung sämtlicher Juden für diese Leute eine ausgemachte ja sogar unmittelbar bevorstehende Sache, weil das Fällen sämtlicher Olivenbäume der Türkei aus dieser Sicht Vorbereitungshandlungen für die bevorstehende Eschatologie darstellen. Wenn dem nicht so wäre, könnte man nämlich mit dem Fällen der Bäume zuwarten. Der Text wird fortgesetzt mit einer wirren Verschwörungstheorie, bei der dem höchsten Gericht der Türkei im Bereich des Verwaltungsrechts Unterstützung Israels unterstellt wird.  Gestützt wird diese Verschwörungstheorie von einer noch wirreren. Demnach soll Israel weltweit die Pflanzung von Olivenbäumen forcieren, damit sich die Juden im Endkrieg gegen die Muslime dahinter verstecken könnten. Anschließend wird das rechtswidrige Verhalten der Regierung, die sich um den Gerichtsentscheid des Danıştay foutierte und die Abholzung fortsetzte, ausdrücklich gelobt. Mit dem Fällen der türkischen Olivenbäume würde die AKP-Regierung nämlich Israel einen Schlag versetzen. Der Text schließt mit der abstrusesten Verschwörungstheorie. Die ottomanische Nation soll auf den Konsum von Oliven verzichten, dies obwohl Oliven fester Bestandteil eines traditionellen türkischen Frühstücks darstellen, weil dies Teil eines angeblichen (jüdischen) Spiels darstelle und wenn man Oliven konsumiere, mache sich die ottomanische Nation zum Spielball. Mit anderen Worten soll die angeblich durch Israel forcierte Nutzung und Konsum der Olive Teil einer breit angelegten Strategie darstellen, die der gläubige Ottomanensohn vereiteln muss, damit nach dem Endkrieg kein einziger Jude überlebt.

Das Beispiel der „jüdischen Olivenbäume” zeigt sehr schön, wie islamistische Politik funktioniert. Man begründet ein politisches Vorhaben mit dem Islam, den man instrumentalisiert, wobei es nicht einmal eine Rolle spielen muss, ob die politischen Forderungen den Lehren des Islam entsprechen. Das können Islamofaschisten so ohne weiteres tun, weil die Mehrheit der muslimischen Bevölkerung insbesondere auch in der Türkei – unabhängig davon ob sie die Scharia befolgt oder nicht – vom Islam ohnehin wenig bis überhaupt keine Ahnung hat. Sie bildet eine Manipuliermasse, der man alles erzählen kann.

 Keine „wahren” Muslime

Islamapologeten und Scharia-Appeaser könnten daher nun einwenden, dass das Vorgehen der AKP-Islamofaschisten mit dem „wahren” Islam nichts zu tun hätte, so wie Lamya Kaddor solche Dinge immer wieder über muslimische Attentäter behauptet und angibt, das seien keine „wahren” Muslime respektive überhaupt keine Muslime. Wenn man Leute wie Lamya Kaddor ernst nehmen würde, was man nicht sollte, wäre damit auch das Thema mit den jüdischen Olivenbäumen erledigt, weil die Hadith-Stelle nicht von Olivenbäumen spricht und auch der Koran nur Positives über die Oliven zu berichten weiß. Das wäre jedoch allzu einfach. Tatsache ist und bleibt nämlich, dass es die Hadith-Sammlungen Sahih Bukhari und Sahih Muslim schon gab, bevor der Begriff des Islamismus, den die Islamapologeten wie Lamya Kaddor gerne vom „wahren” Islam unterscheiden würden, existierte. Mit anderen Worten sind diese antisemitischen Aussagen, die Mord- und Genozidaufforderung ein unstrittiger Teil des Islam und nicht etwa bloß des Islamismus. Ob der Hadith von Olivenbäumen spricht oder von einem anderen Baum, spielt also nicht wirklich eine Rolle. Auch ist es irrelevant, ob der Hadith etwas über das Abholzen solcher Bäume sagt, was er offensichtlich nicht tut. Wichtig ist allein der darin enthaltene islamische Antisemitismus und der Aufruf, sämtliche Juden zu ermorden.

Man könnte nun einwenden, dass man den Islam ja auch unabhängig von den Hadithen erleben könne. Das gibt es durchaus, etwa bei den Aleviten, die nicht nach der Scharia leben und deshalb solche Inhalte keine Rolle spielen. Abgesehen davon ist aber ein solcher Einwand insofern naiv und unbehelflich, weil ohne Hadithe ein wesentlicher Teil des Korans nicht verständlich wäre, weil Hadithe wie jene in den Hadith-Sammlungen Sahih Bukhari und Sahih Muslim den Zusammenhang der angeblichen „Offenbarung” von Suren wiedergeben, ohne den viele Koranstellen nicht verständlich wären. Hinzu kommt ein weitaus größeres Problem. Es sind insbesondere die Hadithe und die von ihnen abgeleitete Sira (fromme, kanonische Prophetenbiographie), welche die Person des Propheten Mohammed zeichnen, den die Muslime zu kopieren und dessen Befehle sie zu befolgen haben. Mit anderen Worten würde es die Person Mohammed, die über die Hadith-Quellen überhaupt Gestalt annimmt, ohne Anwendung dieser Quellen nicht geben, weil der Koran nahezu keine Anhaltspunkte über seine Person enthält, die unabhängig von Hadith-Quellen verständlich wären. Das bedeutet also, dass es ohne solche Quellen wie Sahih Bukhari und Sahih Muslim den Propheten des Islam nicht geben würde.

Das Beispiel dieser beiden nahezu gleichlautenden Hadithstellen sollte – so hoffe ich – dem Leser aufgezeigt haben, dass der Scharia-Islam eine rassistische Ideologie ist, wobei sich dieser Rassismus nicht gegen Ethnien sondern gegen Nichtmuslime richtet, d.h. gegen die Juden wie in unserem Beispiel, aber auch gegen die Christen, gegen die Feueranbeter (wie die Anhänger der Zarathustra-Religion im Islam bezeichnet werden), gegen die Bahai, gegen Polytheisten, gegen Atheisten aber sogar auch gegen Muslime, die nicht den gleichen Islam befolgen. Die Scharia ist eine Ideologie, die Hass und Zwietracht zwischen die Menschen sät, über Wert und Unwert menschlichen Lebens entscheidet und zu Mord und Genozid gegenüber Andersgläubigen aufruft und sie tut dies in ihren heiligsten Quellen. Wie unser Beispiel aus der Türkei dies verdeutlicht, sind diese Aufforderungen keineswegs bloss in einem historischen Kontext zu verstehen, wie dies für viele gläubige Christen oder Juden beim Alten Testament der Fall ist. Sie betreffen das Hier und Jetzt respektive die unmittelbar bevorstehende Zukunft.

Nach meinen Ausführungen kann sich der Leser vermutlich gut vorstellen, was in mir vorgeht, wenn ich in den Medien Dinge lese wie, dass nach Angaben von angeblichen und selbsternannten „liberalen” Muslimen die Scharia und Menschenrechte kein Gegensatz seien, so wie dies neulich auf der Islam-Apologeten-Seite Qantara zu lesen war. Gemäß Bericht sehe der Liberal-Islamische Bund (LIB) die Menschenrechte und das islamische Recht, die Scharia, als durchaus vereinbar an. Es gebe keinen Widerspruch zwischen universalen Menschenrechten und der Scharia, „verstanden als individueller ethischer und gleichzeitig am Gemeinwohl orientierter Leitfaden”, so die LIB-Vorsitzende Nushin Atmaca. Zugleich sei die Scharia offen für „historische Gegebenheiten und Menschheitserfahrungen beziehungsweise Erkenntnisfortschritte”. Insofern seien die Menschenrechte nicht als etwas „Externes” anzusehen, sondern als ein Bestandteil der Scharia.

Ich denke, dass nach meinen Ausführungen im vorliegenden Blog-Artikel keine Zweifel bestehen sollten, dass die Scharia eine rassistische Ideologie ist, die alles Nichtmuslimische nicht toleriert und damit geradezu das Gegenteil davon bedeutet, was die universellen Menschenrechte ausdrücken wollen. Sie kann für eine moderne Gesellschaft niemals ein Leitfaden sein, so wie die Schariaanhänger vom LIB, die sich hinter der Bezeichnung „liberal” verstecken, die aber keineswegs liberal sind, fordern. Selbstredend ist damit auch die Behauptung dieser fragwürdigen Organisation, wonach die universellen Menschenrechte sogar einen Bestandteil dieser menschenverachtenden, rassistischen und totalitären Ideologie bilden sollen, an Absurdität kaum zu übertreffen.

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