Sind Biologen frauenverachtende Rassisten?

Am 6. Oktober 2016 legte das Stadtarchiv Freiburg i. Br. nach vierjähriger Bearbeitungszeit einen Bericht zur Überprüfung der Straßennamen dieser beliebten süddeutschen Metropole vor.

Sind Biologen frauenverachtende Rassisten?

Zu diesem „Abschlussbericht der Kommission zur Überprüfung der Freiburger Straßennamen" äußerte sich Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD) wie folgt: „Unser Dank gilt der äußerst intensiven Arbeit der Mitglieder der Kommission." Welche geistigen Leistungen wurden hier gewürdigt?

Carl von Linné als Vordenker der Biologie

Die Universität Freiburg hat über Jahrzehnte hinweg eine international renommierte Fakultät für Biologie aufgebaut, welcher auch der Autor dieses Beitrags seine solide wissenschaftliche Ausbildung zu verdanken hat. Wir wollen uns nachfolgend bzgl. der Straßennamen-Empfehlungen dem Begründer der biologischen Systematik, Carl von Linné (1707-1778) zuwenden, der demnächst mit einem Ergänzungsschild gewürdigt werden soll.

Im Abschlussbericht der Freiburger Kommission wird dargelegt, dass 1966, ohne Begründung, der Name „Linné-Straße" eingeführt worden sei. Carolus Linnaeus, später in den Adelsstand erhobener schwedischer Naturforscher und Urvater der Bio-Systematik, publizierte 1735 die erste Auflage seines bahnbrechenden Werks „Systema Naturae".

Wie sein Königsberger Professoren-Kollege Immanuel Kant (1724-1804) unterteilte Linné damals die Menschen, nach ihrer geographischen Verbreitung, in die ethnischen Gruppen Europäer, Amerikaner, Asiaten und Afrikaner und schrieb diesen „Menschenrassen" typische Charaktereigenschaften zu. Die Linné-Kant'schen Thesen (publiziert 1735 bzw. 1775) basierten u. a. auf Reiseberichten und können nicht im Sinne eines heutigen, menschenverachtenden „Rassismus" interpretiert werden.

Feministisch-genderistische Fehldeutungen

Die Freiburger Kommission schlug das folgende Ergänzungsschild vor: „Carl von Linné (1707-1787), Schwedischer Naturforscher und Begründer der biologischen Systematik, Vordenker einer biologistisch begründeten Geschlechterhierarchie und Rassenlehre." Als Begründung wird von den Damen und Herren u. a. die bereits oben angesprochene Linné-Kant'sche Unterteilung der Menschen in vier ethnische Gruppen genannt.

Weiterhin lesen wir, Linné hätte mit seiner „Klassifizierung und auch Sexualisierung des Pflanzenreichs anhand der Morphologie in männliche und weibliche Pflanzen sowie durch die nicht zwingende Klassifikation von Tieren (Säugen als weibliche Grundfunktion und Wesensbestimmung) eine Denkweise und Gesellschaftsordnung, die die Unterordnung von Frauen unter Männer sowie die traditionelle geschlechtliche Arbeitsteilung als natürlich erklärt (und ‚bewiesen')."

Diese Ausführungen sind sachlich falsch und belegen, dass hier offensichtlich eine biowissenschaftlich unterbelichtete, mit John Moneys Gender-Ideologie infiltrierte Person am Werke war. Im Verlauf der Evolution der Organismen ist die sexuelle Fortpflanzung bei Pflanzen, ebenso wie auch im Tierreich, natürlicherweise entstanden.

Im Begründungstext wird aber sinngemäß argumentiert, Linné hätte geschlechtsneutrale Pflanzen durch seine Beschreibungen „sexualisiert" und somit über einen „Schöpfungs-Sprechakt" den Pflanzensex erfunden. Judith Butlers Hebammen-Mirakel lässt grüßen: Nach der Gender-Glaubenslehre sollen Babys, geschlechtsneutral geboren, durch Sprechakte des Pflegepersonals in die „künstlichen Kategorien männlich/weiblich" unterteilt werden.

Weiterhin hat Linné in der 10. Auflage der „Systema Naturae" (1758) die bisher als Quadrupedia (Vierfüßer) bezeichneten Land-Warmblüter, nach Aufnahme der Wale, als Säugetiere (Mammalia) gekennzeichnet. Diese Klassifikation ist absolut korrekt und zwingend. Sie wurde seit 1758 durch keine andere ersetzt - die Säugerkunde (Mammalogie) ist seit Linné 1758 eine blühende Naturwissenschaft, mit Konsequenzen für „das Menschsein".

Das Problem, dass Männer - embryonal degenerierte Frauen und Vertreter des „zweiten Geschlechts" - über funktionslose Brustwarzen verfügen, hat Linné nicht angesprochen. Die Empfehlung der Freiburger Kommission ist ein sachlich unzutreffendes soziales Konstrukt - mit der traditionellen Arbeitsteilung Mann/Frau hat weder das Linné'sche Sexualsystem der Pflanzen noch seine Einführung der Klasse Mammalia irgendetwas zu tun.

Linnaeus als Vor-Darwin'scher Bio-Bösewicht

Der Freiburger Kulturbürgermeister spricht im Bericht von der „Arbeit der Mitglieder der Kommission". Der Zusatz „männlich bzw. weiblich" (Kurzform m/w) wäre angemessen gewesen, da die oben zitierten Moneyistischen Gender-Passagen eine weibliche Handschrift zeigen.

Die hier thematisierte Diffamierung aller Biologen (auch jene der Uni Freiburg) als „Geschlechterhierarchiker und Rassisten" à la Linné muss als Herabwürdigung der Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts zurückgewiesen werden. Sie scheint Teil einer von John Money initiierten radikal-feministischen Agenda zu sein, die das Ziel verfolgt, nicht nur Charles Darwin (1809-1882), sondern auch andere große Biologen zu diskreditieren.

Literatur:
Kutschera, U. (2016) Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen. LIT-Verlag, Berlin.

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Kommentare

  1. userpic
    Klaus Sonnefeld

    Die Tatsache, dass dieser Artikel von Professor U. Kutschera, anstatt mit hunderten, nur mit gerade mal 45 "Gefällt mir" versehen wurde, bezeichnet eindrucksvoll den Zustand und die Geisteshaltung unserer Gesellschaft. Die unheilvolle Allianz von linker Politik und Gender Mainstream Ideologie hat längst religiöse Züge angenommen und sich zur westlichen Leitkultur entwickelt. Sie findet sich in der kleinsten Zelle wieder und ist längst nicht einfach nur unlogisch, sondern sie ist antidemokratisch. Der Marsch durch die Instanzen war erfolgreicher, als es sich die damaligen Akteure der 68-er Bewegung je erträumt hätten.

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    1. userpic
      Joe Wolsing

      Es ist erstaunlich und für diese Seite beschämend, dass etwas derartiges publiziewrt wird. Ich habe relativ viel Zeit damit verbracht für diese Seite zu arbeiten. Wer die Seite jedoch heute aufruft, wird von Kutschera begrüßt, der ein derartig unerträgliches Statement vertritt, dass es bereits ans abstoßende grenzt.
      Allerdings ist es eben auch bezeichnend, dass jemand der in einem Fachbereich (Biologie) erfolgreich ist, sich anmaßt das blindlings auf andere Bereiche übertragen zu können. Fundamentale Fehler in den Grundgedanken sind so vorprogrammiert.
      Bezeichnend ist der Kurzschluss im Titel, wenn von Heterophobie seitens Homosexueller gesprochen wird, ebenso wie die ständige Verwendung des Begriffes Gender in diskreditierender Weise. Die Ablehnung von Gender Studies, bei der es lediglich um die Konstruktion von gesellschaftlichen Rollen geht und innerhalb der niemand ernst zu nehmendes heute mehr auf die Idee kommt, biologisches Geschlecht zu negieren, erinnert mich doch sehr stark an die Reaktion auf Critical Whitness Studies, die auch darin besteht, den Untersuchungsgegenstand zu diskreditieren. Wenn behauptet wird, Homosexuelle seine heterophob, wird die Tatsache, dass Homosexuelle Diskriminierung und Einschränkungen durch eine konservative rückwärtsgerichtete Mehrheitsgesellschaft erfahren schlicht umgekehrt. Es wird so getan, als ob das Erstreben von gleichen Rechten (z. B. Adoptionsrecht) eine Bedrohung des heterosexuellen Teils der Bevölkerung darstellt. Es ist letztlich ein genervt sein, es hören zu müssen! Sehr peinlich und es wäre im Grund nicht wert, sich näher damit zu befassen, wenn es nicht eine Rechtfertigung und Marginalisierung der fortgesetzten Diskriminierung Homosexueller wäre. Es erinnert doch sehr an die Reaktion der Frau des Bischofs von Canterburry auf das Erscheinen von Darwins 'Origin of Species': "Hoffentlich hat dieser Darwin nicht Recht und wenn doch, hoffen wir, dass es keiner merkt!"
      Das ist von Wissenschaft maximal weit entfernt und dieser Seite nicht würdig!

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