Deutsch oder türkisch, das ist hier die Frage

Viele Deutschtürken sind unglücklich mit der Doppelpassregelung der Bundesregierung. Für sie kommt die Reform zu spät – und manche könnten eines Tages bereuen, sich für den falschen Pass entschieden zu haben.

Deutsch oder türkisch, das ist hier die Frage

Die kleinen Teegläser in Tulpenform sind das Einzige, das im Wohnzimmer von Familie Kasapoglu an die Türkei erinnert. Mit Tochter Sevde, ihren Eltern und der Großmutter sitzen drei Einwanderergenerationen in einem Raum. Die Großeltern kamen Anfang der siebziger Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland, Vater Erol wuchs in Hamburg auf, Mutter Kadriye zog als junge Frau hierher. Tochter Sevde kam im Juni 1995 während eines Türkei-Urlaubs zur Welt. Sie war nur wenige Wochen alt, als die Eltern mit ihr nach Hamburg zurückkehrten, seitdem hat sie nie wieder woanders gelebt. Ihr Geburtsland kennt sie nur aus den Ferien und hat dennoch nie einen anderen Pass besessen als den türkischen.

Als Sevde volljährig wurde, schickte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) der Schülerin einen Brief und lud sie im Rahmen seiner Einbürgerungsinitiative ein, Deutsche zu werden. Sevde legte den Brief damals beiseite. Um Deutsche zu werden, müsste sie ihre türkische Staatsbürgerschaft aufgeben, und das bringe sie nicht übers Herz, sagt sie. „Ich fühle mich nicht deutsch, sondern wie eine Türkin, die in Deutschland zu Hause ist. Das ist kein Widerspruch. Die Hauptsache ist doch, dass ich mich hier wohl fühle.“ Sevde spricht in besonnenem Tonfall über Pässe und Identitäten, obwohl diese Themen sie verwirren. Ihr Vater und ihre Schwester sind seit 2001 Deutsche, ihre Mutter Kadriye und sie sind Türken. Erst konnte die Mutter sich nicht entschließen, dann verpasste sie die nötigen Fristen. Nach dem Abitur will Sevde Maschinen- oder Schiffbau studieren. Sie hat sich Studiengänge ausgesucht, mit denen sie auch in der Türkei arbeiten könnte. Auch deshalb will sie auf den türkischen Pass nicht verzichten. Aber nicht alle in Sevdes Familie sind sich sicher, ob die Tochter die Tragweite ihrer Entscheidung schon versteht.

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