Kompendium der Religions- und Kirchenkritik

(hpd) Der Jurist und Publizist Gerhard Czermak präsentiert mit seinem Buch "Problemfall Religion. Ein Kompendium der Religions- und Kirchenkritik" mit einem breit angelegtem Anspruch und Inhalt eine Gesamtdarstellung zum Thema. Da der Autor informativ und kenntnisreich, sachlich und unpolemisch schreibt liegt mit dem reflexionswürdigen und systematischen Band eine gelungene Einführung und ein nützliches Nachschlagewerk vor.

Kompendium der Religions- und Kirchenkritik

In den letzten Jahren erschienen zahlreiche kirchen- und religionskritischen Bücher, die mal essayistisch oder wissenschaftlich, mal polemisch oder sachlich ausgerichtet waren. Dabei behandelten diese Publikationen meist nur gesonderte Aspekte. Wer demgegenüber nach einer Art Gesamtdarstellung sucht, der kann jetzt zu dem Band "Problemfall Religion. Ein Kompendium der Religions- und Kirchenkritik" von Gerhard Czermak greifen. Der promovierte Jurist ist durch seine Monographien "Christen gegen Juden" (1997) und "Religions- und Weltanschauungsrecht" (2008) auch einem breiteren Publikum bekannt geworden.

Sein neuestes Buch versteht sich entsprechend dem Untertitel als eine Art kritische Gesamtdarstellung zum Komplex Religion. Ausgangspunkt für die Betrachtung ist der bereits im Vorspruch betonte Unterschied von Glauben ohne empirische Belege in den Religionen und Glauben aus unsicheren Überzeugungen in den Wissenschaften. Auf diese Differenzierung legt der Autor durch das ganze Buch hindurch großen Wert.

Es gliedert sich in fünf unterschiedlich große Teile: Nach einem Einblick in die Grundfragen der Religions- und Kirchenkritik geht Czermak auf den Religionsbegriff und den Gottesglauben, jeweils im Kontext der Unterschiede zu Atheismus, Vernunft und Wissenschaft ein. Hier heißt es etwa: "Die Menschen bringen biologisch eine gewisse Disposition zu Religiosität mit. Da die konkreten Religionen jedoch wesentlich Produkte der kulturellen Evolution sind, die Kultur aber im naturwissenschaftlichen Wissen stark fortgeschritten ist, hat das skeptische Denken großen Auftrieb bekommen" (S. 30). Dem schließen sich Ausführungen zu den "Heiligen Schriften" und zu religiöser Ethik, aber auch zu dem jeweiligen Kontext von Extremismus, Gewalt und Fundamentalismus und Religion an. Erst danach geht es um die Geschichte des Christentums und der Fundamentalkritik daran, welche dann noch an ausgewählten Kapiteln zu Frauenbild, Heiligenverehrung, Judenfeindschaft, Papsttum oder Priesterzölibat zusätzlich erläutert wird.

Besondere Aufmerksamkeit verdient hierbei das Verhältnis der katholischen Kirche zu den modernen Diktaturen, das eben nicht durch Protest und Widerstand geprägt war. Czermak macht auf eine bedenkliche politische Kontinuität von der Unterstützung für autoritäre Regime wie dem Faschismus bis zur Rolle beim Völkermord in Ruanda aufmerksam. Darüber hinaus wirft er auch einen Blick auf empirische Untersuchungen zum moralischen Sozialverhalten von Gläubigen und Nichtgläubigen, wozu es heißt: "Nimmt man alles zusammen, so verhalten sich religiöse und nicht religiöse Menschen gegenüber ihren Mitmenschen grundsätzlich gleich gut und gleich schlecht. In mancher Hinsicht zeigen religiöse Menschen mehr Mängel" (S. 318).

Und schließlich widmet der Autor noch den wichtigsten nicht christlichen Religionen kurze Aufmerksamkeit. Bei aller Kritik ignoriert er aber auch nicht das Positive, wobei aus religionskritischer Sicht nicht überraschend, das Negative in der Gesamtschau in der Bewertung überwiegt.

Czermak kommt das Verdient zu, ein überaus informatives und kenntnisreiches Kompendium der Religions- und Kirchenkritik vorgelegt zu haben. Die gute Gliederung und komprimierte Präsentation machen den Band sowohl zu einer lehrreichen Einführung wie zu einem nützlichen Nachschlagewerk. Darin verzichtet der Autor auch auf einfache Polemik und präsentiert ein sachliches Werk. Man muss dabei nicht alle Einschätzungen teilen. Die Bemerkung "Der Name Richard Dawkins und die neue Bewegung 'The Brights' kann für alle heutigen Ungläubigen stehen" (S. 40) findet angesichts der Dawkins-Kritik auch von atheistischer Seite sicherlich keine ungeteilte Zustimmung. Solche Einwände mindern aber nicht die enorme intellektuelle Leistung, die Czermak mit seinem Kompendium erbracht hat. Die Literaturliste am Ende lädt zur weiteren Auseinandersetzung ein, hätte vielleicht auch noch kommentiert werden können. Aber auch unabhängig davon wird man sicherlich den Band häufig mit Erkenntnisgewinn zu gerade interessierenden Fragen in die Hand nehmen.

Armin Pfahl-Traughber

Gerhard Czermak, Problemfall Religion. Ein Kompendium der Religions- und Kirchenkritik, Marburg 2014 (Tectum-Verlag), 476 S., 24,95 Euro

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