Die wahren Feinde der Demokratie
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verkündet der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, die liberale Demokratie habe sich weltweit als überlegene Staatsform durchgesetzt. Von diesem optimistisch erklärten „Ende der Geschichte“ ist wenig übriggeblieben. Weltweit erstarken autoritäre Regime, bilden sich antidemokratische Allianzen, wird der Westen marginalisiert.
Gravierender als außenpolitische Problemlagen sind jedoch Verwerfungen innerhalb demokratischer Gesellschaften, ist die rasche Verbreitung antiliberaler Ideen und die Rede von einem anbrechenden postliberalen Zeitalter.
Auch in Deutschland sind autoritäre Ideen populär. Verantwortlich sind Intellektuelle, Politiker und Aktivisten, die sich gleichermaßen auf der rechten wie der linken Seite des politischen Spektrums befinden, sowie islamistische Akteure, die sich an der Scharia orientieren. Die politischen Ränder erstarken, die Parteien der Mitte erscheinen mutlos, teilweise sogar intellektuell überfordert. Die Zeichen stehen auf Konfrontation. Die Gesellschaft ist nicht nur gespalten, sondern zerfällt zusehends in Paralleluniversen, die sich mit unsichtbaren Mauern umgeben. Wie konnte es so weit kommen?
Wer sich die Geschichte der Freiheitskämpfe seit Beginn der Aufklärung vor Augen führt, kann Formen politischer Unversöhnlichkeit erkennen, die noch heute von Bedeutung sind. Liberale waren die treibenden Kräfte für die wirtschaftliche und kulturelle Liberalisierung, doch ihnen mangelte es an Mitgefühl für die Armen und Ausgebeuteten. Sozialisten hatten unbestreitbare Verdienste für den Erfolg von Emanzipationsbewegungen und Formen des sozialen Ausgleichs, doch sie hatten stets einen Hang zum Totalitären, der bis zum blutigen Terror gegen Andersdenkende gehen konnte. Konservative hätten ein Korrektiv für allzu enthusiastische Modernisierungen sein können, wenn sie nicht allzu anfällig für nationalen Chauvinismus, Antisemitismus und letztendlich auch den Faschismus gewesen wären.
Die Widersprüche zwischen diesen Lagern spielen auch heute noch eine zentrale Rolle. Es waren demokratische Konservative, Liberale und Sozialdemokraten, die die Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und dem nationalsozialistischen Zivilisationsbruch zu einer wirtschaftlich erfolgreichen Demokratie machten, doch es waren außerparlamentarische Linke, die seit den 1960er-Jahren eine Kulturrevolution in Gang setzten, von der wir noch heute profitieren. Mittlerweile ist die Strahlkraft linker Gesellschaftsentwürfe jedoch an der Wirklichkeit zerschellt. Aus Kommunarden, Träumern und Blumenkindern wurden Politiker, Leiter staatlicher Einrichtungen und Manager von Nichtregierungsorganisationen, die ihre Ideen zunehmend mit Mitteln der Repression durchzusetzen versuchen. Eine von den Universitäten beigesteuerter Ideologie machte gegen die einheimische Bevölkerung mobil, die als strukturell rassistisch unter Generalverdacht gestellt wurde. Wer widersprach, wurde als Menschenfeind aussortiert. Gesellschaftliche Missstände wurden ausgeblendet, wenn sie nicht zur eigenen Weltsicht passten, eine umstrittene Politik wurde ausgerechnet durch eine Kanzlerin der CDU als alternativlos durchgepeitscht.
Die Repräsentationslücke, die große Teile der Bevölkerung deshalb empfanden, führte zur Gründung der Alternative für Deutschland (AfD) und damit auch zur Renaissance einer bis dahin marginalisierten politischen Rechten, die im Liberalismus ihren wichtigsten Feind sieht. Sie treibt das politische Establishment seitdem vor sich her und genießt das Vertrauen breiter Wählerschichten, nicht zuletzt, weil der Abwehrkampf gegen rechts mit illiberalen und antidemokratischen Mittel geführt wird.
Mit diesen Problemen steht Deutschland nicht allein. Vielmehr spiegelt die aktuelle Situation die Verwerfungen innerhalb demokratischer Gesellschaften wider, die sowohl in Europa als auch im gesamten Westen sichtbar werden. Welche Fehler wurden gemacht? Oder wichtiger noch: Was muss getan werden, um die liberale Demokratie zu retten?
(Text: Susanne Schröter auf Facebook)
Wie bewahren wir unsere freiheitliche Demokratie?
Um die Demokratie ist es schlecht bestellt. Nicht nur global, auch in Deutschland. Eine autoritär auftretende Linke verspielt die Errungenschaften, die sie selbst erkämpft hat; eine autoritäre Rechte möchte eine zweifelhafte Vergangenheit wiederaufleben lassen. Und beide Gruppierungen schließen Allianzen mit einem erstarkenden Islamismus, der von Parallelgesellschaften heraus in Schulen und Universitäten vordringt. Die innere Zerreißprobe unserer Gesellschaft findet vor dem Hintergrund sich dramatisch verschiebender globaler Machtverhältnisse statt, die uns in ungeahntem Maß herausfordern. Die wichtigste Frage der Gegenwart ist, wie sich Freiheit und Demokratie in dieser existenziellen Krise bewahren lassen. Das neue Buch von Susanne Schröter gibt Antworten.
Autorin
Susanne Schröter, Prof. Dr., geb. 1957, studierte Ethnologie, Soziologie, Politikwissenschaften und Pädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Sie lehrte und forschte u. a. an der University of Chicago, der Yale University und an der Universität Passau. 2008 wurde sie auf die Professur für »Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen« an die Goethe-Universität Frankfurt berufen. Dort war sie elf Jahre lang Principal Investigator im Exzellenzcluster »Herausbildung normativer Ordnungen« und leitete bis 2025 das »Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam«.

(Text und Bild: Herder)

Kommentare
Zur Abwechslung mal ein kleines Rätsel:
Wer ist XXX?
XXX "... teile die Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft in Kategorien ein, die sich als Gruppen feindlich gegenüberstehen."
XXX "... erkläre Konflikte als Folgen 'multikultureller Gesellschaften' und einer 'zunehmenden muslimischen Einwanderung'."
Tja und was hat dieses Rätsel mit dieser Buchwerbung auf RDF zu tun?
...
Nichts?
Sollte niemandem etwas einfallen, melde ich mich noch mal zu gegebener Zeit.
Antworten
Neuer Kommentar