Das große Buch der Evolution
Richard Dawkins: Das große Buch der Evolution
(The Genetic Book of the Dead)
7. November 2025, Laeiszhalle (Hamburg, Germany)
Im Gespräch mit Daniela Wakonigg.
Richard Dawkins eröffnet uns einen neuen Blick auf die Evolution und das Leben. Jeder lebende Organismus kann wie ein Buch seiner Vergangenheit gelesen werden: Das Verhalten, die Erscheinung und die Genetik eines Lebewesens geben nicht nur Auskunft über dessen Vorfahren, sondern auch über die Welt, in der diese lebten. Die Tiere und Pflanzen um uns herum werden zum Fenster in längst vergangene Zeiten unseres Planeten. Mit unzähligen faszinierenden Beispielen aus dem Reich der Biologie lässt Dawkins uns wieder einmal staunen - über die Wunder des Lebens und der Wissenschaft, die all das zu entschlüsseln vermag. (Text: Hoffmann und Campe)
Die Richard Dawkins Foundation Deutschland bedankt sich beim Verlag Hoffmann und Campe für die die Unterstützung unserer Veranstaltung. Ein weiterer Dank geht an das Team der Laeiszhalle.
Ein besonderer Dank geht an Paul Friesen (http://pm-digital.net/) für die Videoaufnahmen und die Erstellung des Videos der Veranstaltung.
Copyright (2026): Richard Dawkins Foundation für Vernunft & Wissenschaft
Kommentare
min 12:10
Ja, sicherlich ist das bemerkenswert, dass man bis Mitte des 19. Jh. warten musste, bis jemand die – einfache (in deutsch sicherlich nicht „simple“) – Erklärung hatte.
Die Faktenlage war an sich lange bekannt. Man lese z. B. Alexander von Humboldt … und wundere sich, dass ein so intelligenter, vielfältigst interessierter, penibler und detailversessender, zu Analysen fähiger, aufmerksamer und hell wacher Beobachter nicht schon 50 Jahre früher die „einfache“ Erklärung fand. … Man wundert sich wirklich!
Es ist vielmehr das Denken, das sich erst ändern musste: Weg von Essentialismus hin zum Populationsdenken. Dawkins beschreibt das hier (leider) nicht weiter. Dazu lese man bei Ernst Mayr.
min 13:11
Nein, Darwins intellektuelle Errungenschaft ist keineswegs „simpler“ (jetzt übersetze ich das mal so) als die von Newton und Galilei. Diese beiden befanden sich zwar an der Peripherie, haben die Physik als Naturwissenschaft entwickelt. … Aber sie haben in keiner Weise es nötig gehabt am Essentialismus zu zweifeln und ihn durch ein Populationsdenken zu ersetzen. … Nebenbei: Das ist etwas, was heute (womöglich) der Physik sogar auf die Füße fällt. Physik befasst (zumindest in der klassischen Physik) sich mit derartig einfachen Systemen, dass man genau mit essentialistischem Denken idealisieren und vortrefflich mathematisieren konnte. … All das steht der Biologie, stand Darwin bei diesem Gegenstand (Lebewesen) aber keineswegs zur Verfügung. Essentialismus führt in Bezug auf Lebewesen lediglich zu Theorien, die immer die ein oder ander Form von Saltationen beinhalten (oder im Falle von Lamarck keineswegs die Entstehung der Arten erfassen kann), die per se ja eben NICHT zu erklären sind und deshalb mit einem Gottesglauben so gut zu verbinden waren (und in vielen Köpfen es auch heute noch sind!).
Dawkins übersieht, dass Newton, sobald es komplexer wurde, ebenfalls nichts mehr erklären konnte und sehr wohl einen Gott (eben diesen, der gerade zur Hand war) herangezogen hat, um das für ihn Unerklärliche eben doch noch zu „erklären“.
Nein, in dieser Hinsicht ist Darwins Errungenschaft nicht nur nicht „simpler“, sondern überflügelt die Errungenschaften der beiden genannten bei Weitem (und das sage ich, obwohl ich beruflich mit Physik zu tun habe und vor den Leistungen Galileis und Newtons nur bewundernd den Hut ziehe).
min 39:32
Nun, ich glaube nicht, dass „… the biggest thread against science of all …” von “links” kommt.
Aus zweierlei Gründen:
„The biggest?“
Es ist nicht nur Trump (Dawkins stellt das Problem zu losgelöst dar, es geht nicht um die Person Trumps!), es sind nicht nur religiöse Vereine (Kirchen, Glaubensgemeinschaften), die Wissenschaft gefährden.
Stimmt.
Diese Angriffe auf Wissenschaft haben allerdings eine sehr lange Tradition. So lang, dass es immer noch möglich ist Evolution (trotz der Tatsache, dass die Prozesse an sich „einfach“ sind, s. o.) von der breiten Bevölkerung eben NICHT verstanden wird. Sehr oft auch nicht von Menschen, die „mit Evolution keine Probleme“ haben und sie akzeptieren (aber eben ohne kapiert zu haben).
Das liegt daran, dass es diese Gruppen – im Grunde seit Darwin – es geschafft haben, wirksamen Wissenschaftsunterricht maßgeblich zu unterbinden. Dies im Zusammenhang mit einer Überbetonung von Geistestwissenschaften, die in der Schulbildung einen überproportionalen Anteil haben; so dass man extra „MINT“-Werbung machen muss, so als ob Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (im Allgemeinen) etwa das Gleiche oder eine Einheit darstellten (das ist keineswegs der Fall, wird aber so suggeriert).
Diese Bedrohung scheint uns deshalb wohl nicht so groß zu sein, da wir diese schon kennen, uns daran gewöhnt haben und uns irgendwie arrangiert haben. Insofern könnte man es auch nur als „dumm“, „kurzsichtig“ oder „vorübergehend“ erachten, was Trump und Konsorten veranstalten.
Das ist nach meiner Meinung jedoch keineswegs gerechtertigt: Wir sehen wie schnell diktatorisch Wissenschaft nicht nur mit der Streichung von Geldern regelrecht unterbunden werden kann. Und wenn das umfassend der Fall ist, ist sie schlicht weg vom Fenster – es sei denn man wollte noch etwas Restwissenschaft betreiben, weil man damit ja Geld verdienen kann – also lediglich an finanzielle Zwecke gebundene Wissenschaft zulassen.
…
und
„links“
Der Terminus rührt her von einer Verwechslung zwischen links und woke. Mit links im eigentlichen Sinne hat das nichts zu tun. Dass das leider auch viele, die sich selbst als links bezeichnen, nicht verstehen, macht die Sache freilich komplizierter; macht die Bezeichnung aber keineswegs richtiger.
Die Verwechslung rührt daher, dass Woke und Linke die gleichen Ziele zu haben scheinen. Der Unterschied liegt aber im Weltbild, dass bei woken eben in die identitäre Richtung geht, was klassisch Linken vollkommen fehlt (da wäre es ein universalistisches Weltbild). Das macht woke von ihrer Denkweise her aber anschlussfähig an rechtsextremistische Weltbilder (weswegen beide Lager zu faschistoiden Haltungen neigen). Die Streits, denen wir gesellschaftlich ausgesetzt sind, verlaufen vornehmlich zwischen diesen beiden Lagern, wohl weil sich die Aussagen primar „verkaufen“ lassen (sind immer tolle, provokante Schlagzeilen).
BEIDEN sind (exakte) Wissenschaften aber ein Dorn im Auge! Das macht es nicht besser, sondern schlimmer!
Daher: Die Bedrohung von „links“ halte ich keineswegs für die größere, aber es ist eine, die genauso ernst genommen werden muss wie die von rechts/religiös.
Philosophisch stützt sich die woke Bewegung auf einen beliebigen Konstruktivismus (inkl. beliebigen Relativismus, der sich daraus nämlich ableiten lässt), weswegen sie alle (!) Aussagen, die absolut daher kommen, ablehnt, egal wie gut, exzellent diese begründet sind.
Das Glaubensbekenntnis ist: Alle wissenschaftlichen Aussagen haben politische Dimension und weil politisch oft Schaden verursacht wird, seien wissenschaftliche Aussagen eigentlich auch nur politische Aussagen (daher zumindest potentiell schädlich), die man aber dank der konstruktivistischen Weltsicht ja einfach nur durch die „richtige“ (politisch wünschenswerte) ersetzen müsse, damit kein Schaden entstehen kann. Zudem schreibt man gar noch z. B. „gender-studies“ drauf, wo aber keine wissenschaftlichen „studies“ drin sind um nun absolute Verwirrung zu stiften.
Dummerweise verursacht das häufig wieder Gegenreaktionen, die zum Beispiel so weit gehen, dass Vertreter der Wissenschaft sich tatsächlich so positionieren, dass die Vorwürfe von woke (ich sage jetzt nicht links) sogar noch zutreffen: Man übernimmt dann sogar das woke Narrativ und versucht sich dadurch durchzusetzen, dass man nur versucht „lauter zu brüllen“, anstatt ernsthafte Argumente vorzubringen. …
min 44:00
Das Lyssenko-Beispiel zeigt auf, was ideologische Einflussnahme ausmacht (in diesem Falle staatlich orchestriert). Deswegen ist das keine dritte Art von Bedrohung, sondern fasst die beiden oben genannten zusammen: Wenn solche wissenschaftsfeindlichen Gruppen gesamtgesellschaftlich Entscheidungen treffen oder forcieren können, geht’s Wissenschaft an den Kragen!
Deshalb kann man sich als Wissenschaftler auch nicht in eins der beiden Lager begeben! …
Und – bin ich jetzt Nestbeschmutzer? – ich habe bei einigen Beiträgen hier auf RDF den Eindruck, dass man dabei ist, sich in eins dieser Lager zu begeben (oder zumindest auf ohrenbetäubende Weise zum anderen dieser Lager fast schon aggressiv schweigt).
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