Mehr als 31.000 Tweets, 2,8 Millionen Follower. Richard Dawkins nutzt Twitter mit viel Elan.
Hier präsentieren wir regelmäßig einige seiner interessanten, und auch teilweise provokanten, Tweets, da nicht alle seine Twitter Aktivitäten verfolgen. Die deutsche Übersetzung liefern wir gleich dazu.
The real reason children no longer enjoy reading.” Mary Wakefield has a theory in the latest Spectator. Instead of screen addiction, she blames school curricula which teach “to the test” rather than reading for enjoyment. Children are so busy analysing brief extracts, they can’t enjoy the book as a whole.
I read incessantly as a child, including illicitly when I was supposed to be sleeping. Not “great literature”, it was Dr Dolittle, Biggles, Bulldog Drummond, Just William, Arthur Ransome, Percy F Westerman. It would certainly have included Harry Potter if he’d been around then. I don’t believe I ever had my “comprehension” tested. I just loved reading.
Is Mary Wakefield right?
„Der wahre Grund, warum Kinder keine Freude mehr am Lesen haben.“ Mary Wakefield stellt in der aktuellen Ausgabe des „Spectator“ eine Theorie auf. Anstelle der Internetsucht macht sie die Lehrpläne der Schulen dafür verantwortlich, die eher auf „Prüfungsvorbereitung“ ausgerichtet sind, als auf dem Spaß am Lesen. Die Kinder sind so sehr damit beschäftigt, kurze Auszüge zu analysieren, dass sie das Buch als Ganzes nicht genießen können.
Als Kind habe ich ununterbrochen gelesen, sogar heimlich, wenn ich eigentlich hätte schlafen sollen. Keine „große Literatur“, sondern Dr. Dolittle, Biggles, Bulldog Drummond, Just William, Arthur Ransome, Percy F. Westerman. Harry Potter hätte sicherlich auch dazugehört, wenn es ihn damals schon gegeben hätte. Ich glaube nicht, dass mein „Leseverständnis“ jemals geprüft wurde. Ich habe einfach nur das Lesen geliebt.
Hat Mary Wakefield recht?
Richard Dawkins (@RichardDawkins), 21. September 2026
Richard Dawkins bezieht sich auf den Artikel The real reason children no longer enjoy reading von Mary Wakefield. Sie ist eine britische Journalistin und Redakteurin für den Spectator.
Kommentare
wie ungeheuer tiefsinnig –
ich kann es kaum erwarten, noch mehr Geheimnisse von Guru Dawkins zu erfahren!
Antworten
... Als ob es in früheren Zeiten irrelevant für irgendwelche Prüfungen gewesen wäre.
Im Sprachunterricht war des Lesen einer Literatur IMMER prüfungsrelevant!
Es stellt sich vielmehr die Frage, warum Kinder in früheren Zeiten (eher!) OHNE Zwang dies und jenes (UND auch die prüfungsrelevanten Texte, so dass sie auch geprüft werden konnten) gelesen haben und heute (eben) nicht.
Und - puff - schon ist die schöne, bequeme, ins "Computerzeitalter" passende "Theorie" in Rauch aufgegangen!
Nein, zum Aufstellen einer Theorie benötigt man sehr wohl eine umfängliche Analyse der Situation, Wunschdenken hilft da nicht.
Wenn z. B. Tiktok-Videos im Durchschnitt drei oder vier Sekunde "betrachtet" werden, dann ist klar, dass man sich dadurch selbst eine Aufmerksamkeitsspanne von eben dieser Zeit antrainiert. In drei oder vier Sekunden liest man aber selten einen ganzen Satz. Schon gar nicht, wenn darin ein oder - oh Schreck - mehrere Kommas (oder wie hier sogar Gedankenstriche oder Klammern) vorkommen. ...
Wenn man am Satzende vergessen hat, was am Satzanfang stand, versteht man den Satz und damit die Aussage nicht - und ja - Lesen und Verstehen sind DANN wirklich anstrengend, weil man sich DANN dazu immer wieder motivieren muss (oder von außen angestupst werden muss) eben diesen Satz noch einmal zu lesen.
Dass das dann "keinen Spaß" (wie vordergründig soll dieser "Spaß" denn bitte sein?) macht, dürfte klar sein. Und die Spaßabwesenheit dürfte die Hürde zum nochmaligen Lesen noch gewaltig erhöhen. Wer vordergründigen Spaß erwartet, ist sowieso geleimt. Der eigentliche Spaß entsteht, wenn man sich zuvor selbst in die Lage versetzt hat, das, was man gelesen hat auch zu verstehen!
Ein sich selbst verstärkender Abwärtsstrudel!
Wer will, dass Kindern und Jugendlichen Lesen Spaß macht (im eigentlichen Sinne und nicht nur vordergründig), wird ihnen als Kind etwas vorlesen und geeignete Literatur zum Selbstlesen anbieten; wird damit die eigene Phantasie anregen helfen. Den Text zu "analysieren" ist DANN in der Tat ein Kinderspiel und macht sogar auch noch Spaß!
Wer das NICHT will, gibt den Kindern und Jugendlichen ein Handy und schickt sie möglichst unbeobachtet in die ach so schöne digitale Welt "da draußen" und verursacht, dass Kindern mühsam das Analysieren beigebracht werden muss (womöglich in der Tat gegen deren Willen!)
BRAVO!
Und - by the way:
Es gab auch hier im Forum schon Leute, die damit überfordert waren, Kommentartexte zu lesen und zu verstehen. ...
Der Wille:
Eins der größten Probleme in der Pädagogik ist die Annahme, dass ein Schüler/eine Schülerin eben vorab (ohne Kenntnis von irgendwelchen Zusammenhängen oder Kenntnis von Lerngegenständen) genau das wollen müsste, was sie (seitens des Lehrplans) "soll".
Dieser "Wille", also die geeignete Art von Wille, entsteht aber erst, wenn man sich auf das, was man "soll", eingelassen hat (dazu gehört z. B. auch Vertrauen!). Wenn man alles zuvor schon mit "will ich nicht" wegbatscht, kommt man NIE in den Genuss, das zu wollen, was man "soll". ...
Heutzutage lässt man sich allzuoft schlicht nicht mehr darauf ein. Schon die Erläuterung des Anliegens eines Lehrplan ist "zu anstrengend", da "unverständlich".
Und wenn dieser Vorabwille nicht da ist, schließen Leute wie Wakefield darauf, dass an den Lehrplänen irgendwas nicht stimmen würde. ... Billger lässt es sich nicht "argumentieren".
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Huxley: "Und die Spaßabwesenheit dürfte die Hürde zum nochmaligen Lesen noch gewaltig erhöhen."
Huxleys Text wurde erfolgreich auf totale "Spaßabwesenheit" hin optimiert.
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