Wie gendert man eigentlich korrekt...

„Ihr Arschlöcher, Ihr Vollidioten, Ihr Blödmänner, Ihr Deppen, …“, ohne dass sich Frauen nicht „nicht mitgemeint“ fühlen?

Wie gendert man eigentlich korrekt...

Bild: Pexels.com / Leeloo The First

TL;DR: Es gibt keine korrekten Regeln für das Gendern. Vielmehr ruiniert dies sowohl die deutsche Grammatik als auch die Verständlichkeit von Texten. Gerade wenn man auf Inklusion wert legt, also darauf, dass alle Menschen einen Text verstehen, sollte man auf alles Gendern verzichten. Wer außerdem gebildet ist und auf korrekte Grammatik wert legt, sollte ebenfalls darauf verzichten.

Gendern ist nur etwas für Leute, die gerne mit ihrer Tugend prahlen möchten. Wer also über seinen elitären Sprachgebrauch auf Biegen und Brechen der deutschen Sprache allen mitteilen möchte: „Seht her! Ich gehöre zu einer kleinen, linken Elite, die keine Regeln anerkennt außer denen, die wir selbst gemacht haben. Wir maßen uns an, für alle anderen Menschen über den richtigen Sprachgebrauch entscheiden zu können, so wie wir dies von den Faschisten im Nazi-Deutschland und der Tyrannei des deutschen Sozialismus kennen. Wir sind die Guten, wir dürfen alles!“

Mit dem generischen Maskulinum sind alle Menschen mitgemeint, Männer wie Frauen gleichermaßen und auch die, die konfus sind und sich nicht einordnen können oder wollen. Sprache wächst entweder organisch in einer Kultur und wird von allen mitgestaltet, oder von einer kleinen Gruppe links- oder rechts faschistischen Ursprungs von oben herab diktiert. Bei uns hat einzig und alleine die deutsche Kultusministerkonferenz als demokratisch gewähltes Organ die Befugnis, etwas an der Sprache zu ändern — meist als Reaktion darauf, was sich ohnehin durchgesetzt hat.

Der kleinen Bande von Volldepp_Innen, die meint, gegen die Mehrheit sich durchsetzen zu müssen, weil sie der Illusion unterliegen, Macht über die Sprache ausüben zu müssen, sollte man erzählen, dass dies nicht so funktioniert. Das einzige, was man erreicht, ist es, der Mehrheit auf den Senkel zu gehen. Wenn Ihr Arschlöcher_Innen zu deppert seid, um psychologische Untersuchungen zum Sprachgebrauch zu verstehen und richtig zu interpretieren, ist das Euer Problem. Jedenfalls gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung, mit der man Euer Neusprech rechtfertigen kann. Als Georg Orwell die Abänderung der Sprache als Instrument der Machtausübung beschrieb, kritisierte er damit die tyrannischen Verhältnisse des Faschismus und des real vegetierenden Sozialismus. Das war keine Anleitung für Blödmänn_Innen, exklusiven Anspruch auf Sprache für sich zu reklamieren. Wer von Sprache und Grammatik nichts versteht, wer den Unterschied zwischen biologischem Sex und Gender nicht begreift, darf sich zu den Depp_Innen der Nation zugehörig fühlen und hat gefälligst nicht uns falschen Sprachgebrauch vorzuschreiben.

Man könnte genauso gut behaupten, dass unsere „weiße Sprache“, weil von Weißen gebildet. Menschen mit dunkler Hautfarbe „nur mitmeint“. Warum werden diese dann nicht inkludiert, warum nicht die Indianer, die Südseeinsulaner, die Aborigines, Menschen aller sexueller Präferenzen, Vorlieben, ethnischer Gruppen? Vielleicht, weil man dann eine Sprache einer ungebildeten politischen selbsternannten Elite erhält, die kein Schwein mehr versteht? Warum sollte ein exklusiver Klub von Vollidiot_Innen uns etwas über Inklusion zu erzählen haben?

Es geht doch nur darum, anderen zu signalisieren, zu welcher Gruppe von Depp_Innen man gehört. An den realen Verhältnissen, die Ihr so sehr kritisiert, ändert man dadurch nichts. Marx würde im Grabe rotieren, könnte er Euer Geschwätz hören. Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht.

Hört auf, Ihr Arschlöcher_Innen, Ihr Vollidiot_Innen, Ihr Blödmänner_Innen, Ihr Depp_Innen Euch als Leute aufzuspielen, die gerne alle mitmeinen möchten. Denn gleichzeitig schließt Ihr alle aus, die eine ohnehin schon recht komplizierte Sprache aus verschiedensten Gründen schwer verstehen, also alle kognitiv Gehandicapten, alle Ausländer, alle Migranten, alle Asylsuchenden, alle Analphabeten, ältere Menschen.

Vor allem kann ja keiner Eure Regeln einhalten, einerseits, weil sie nicht einheitlich sind, sondern widersprüchlich, andererseits, weil man die aufgeblähten Sätze dann ohnehin kaum noch versteht. Die öffentlich-rechtlichen Medien versuchen immer wieder, das Gendern korrekt einzuhalten, und sie scheitern bei jedem Artikel, der aus mehr als drei Absätzen besteht. Zu verlangen, was niemand einhalten kann, ist ohnehin dumm. Mir geht es inzwischen wie der Mehrheit der Genervten: Sehe ich einen Artikel, der gendert, verliere ich die Lust, ihn zu lesen. Falls Ihr also wünscht, dass kaum noch jemand Euer jämmerliches Geschmiere liest, dann nur weiter so. Stellt die Dummheit Eurer „Tugenden“ weiterhin zur Schau. Ihr erreicht damit das Gegenteil von dem, was Ihr wollt, das ist die gerechte Strafe für Dummheit.

Und jammert uns die Ohren nicht damit voll, dass es sich um „Höflichkeit“ handelt. Darum geht es nicht. Höflichkeit besteht nämlich darin, allgemeine gesellschaftliche Regeln einzuhalten, nicht, sie bei jeder beliebigen Gelegenheit zu brechen. Verständlicher Ausdruck ist Höflichkeit gegenüber dem Leser. Ich weiß, das war nie Eure Sache, also versucht es nicht einmal, uns über Höflichkeit belehren zu wollen. Man könnte sonst bemerken, dass Ihr so lächerlich seid, wie Ihr Euch gebt.

Falls Ihr Euch jetzt beleidigt fühlt, prima, das war Absicht. Es ist nichts Falsches daran, sich beleidigt zu fühlen. Es ist ja nicht so, dass man beleidigt wurde, und dann am nächsten Morgen aufwacht und feststellt, dass man Lepra davon bekommen hat. Wer sich durch Worte verletzt fühlt, beweist bloß, dass er im Kindergarten eine wichtige Lektion verpasst hat: Stock und Steine brechen Deine Beine, aber Worte können Dich nicht verletzen. Die Lektion ist, dass man sich durch den Ausdruck „Blödmänner“ ebenso mitgemeint fühlen darf, wie durch „Blödmann_Innen“, vor allem, wenn es zutrifft. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden, welchen Schuh man sich anzieht.

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