Das Gender-Paradoxon

Mann und Frau als evolvierte Menschentypen

Das Gender-Paradoxon

Vorwort

Seit der Veröffentlichung meines Bestsellers Tatsache Evolution. Was Darwin nicht wissen konnte (Februar 2009) werde ich regelmäßig von Journalisten kontaktiert mit der Bitte, mich nicht nur mit dem Kreationismus, d. h. den auf Realwelt-Phänomene übertragenen biblischen Schöpfungsglauben, sondern auch mit der Gender-Ideologie öffentlich auseinanderzusetzen. Die Grundgedanken dieser „Geschlechter-Weltanschauung“ lassen sich wie folgt verdeutlichen. Im November 2014, nur wenige Tage nach dem 100. Todestag des Urvaters der modernen „Sex-Forschung“, August Weismann (Freiburg i. Br.), ist in dessen Bundesland Baden-Württemberg ein sogenannter „Entwurf zum Bildungsplan 2015“ der Stuttgarter Landesregierung bekanntgeworden. Nach Veröffentlichung dieses Dokuments gab es bundesweit Proteste – warum?

Vertreter der Gender-Ideologie wollten für alle Schulen und Fächer vorschreiben, dass die Schüler von nun an „gendersensibel“ erzogen werden. Man plante, z. B. Achtklässler (ca. 14 Jahre alt, mitten in der Pubertät) im Biologieunterricht zu fragen, ob sie wirklich „heterosexuell seien oder sein wollen“. Weiterhin sollte vermittelt werden, dass die „Heteronormalität“, d. h. die Tatsache, dass etwa 95 % aller Männer und Frauen über einen evolutionär verankerten, dem anderen Geschlecht zugewandten „Fortpflanzungstrieb“ verfügen, als konservativ-reaktionäre Weltanschauung zu gelten habe. Die Vater/Mutter-Kind-Familie sei überholt, während eine homoerotische Neigung als frei wählbarer Life Style propagiert wurde. Proteste aus ganz Deutschland haben dann bald dazu geführt, dass der Ministerpräsident Baden-Württembergs, der hinter diesen genderistischen Irrlehren stand, seinen Vorschlag zurückgezogen hat. Da ich mich, unabhängig von diesem Vorfall, im „Weismann-Jahr 2014“ u. a. im Fachjournal Nature mit dem Darwinischen Feminismus auseinandergesetzt hatte, begann ich mit der systematischen Sichtung meiner Aufzeichnungen zum Gender-Thema.

Der Text baut auf der 4. Auflage meines Lehrbuchs Evolutionsbiologie (2015) auf und stellt eine Erweiterung der dort zusammengetragenen Sachverhalte dar. Er kann mit acht runden „Sex/Gender-Geburtstagen“ in Verbindung gebracht werden: 1. Vor 150 Jahren (1865) wurde die deutsche Frauenbewegung gegründet, die mit vernünftigen Sachargumenten der damaligen Diskriminierung des weiblichen Teils der deutschen Bevölkerung entgegengetreten ist. Im selben Jahr hat der deutsche Biologe Julius Sachs (1832–1897) ein Lehrbuch verfasst, in welchem eine erste Sex-Gender-Definition niedergeschrieben war. 2. Vor 70 Jahren (1945) wurde auf der Gründungsversammlung der Vereinten Nationen (UN) in San Francisco/Kalifornien (USA) die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben, die dann 1958 im Grundgesetz verankert worden ist. 3. Vor 60 Jahren (1955) hat der US-Psychologe und Erziehungswissenschaftler John Money (1921–2006) die aus Zwitter (Hermaphroditen)-Studien abgeleitete „Gender-Theorie“ formuliert, welche besagt, dass Menschen als geschlechtsneutrale Unisex-Wesen geboren werden und erst später eine erzieherische Prägung in männliche bzw. weibliche Richtung erfahren. 4. Vor 50 Jahren (1965) ist Bruce (David) Reimer in Kanada als eineiiger Zwillingsbruder zur Welt gekommen. Der Junge wurde zum „Beweis“ der Gender-These als Säugling kastriert und zu einem Mädchen umgestaltet – der gepeinigte Kastrat beging 2004 Selbstmord. 5. Vor 30 Jahren (1985) ist ein Artikel „Sex and Gender“ in der Serie Annual Review of Psychology erschienen, wo diese Begriffe präzise definiert worden sind, mit Kritik an der feministischen Gleichmacher-Ideologie. Im selben Jahr hat John Money in einem Fachbeitrag dargelegt, dass der biblische Schöpfer ein Hermaphrodit sei („manwoman God“), d. h. seine Lehre hat vermutlich auch eine religiöse Komponente. 6. Vor 20 Jahren (1995) ist auf der Pekinger Weltfrauenkonferenz (Beijing, China) die „Gender-Agenda“ beschlossen worden (Macht-Gleichstellung von Mann und Frau). Diese auf Moneys Geschlechter-Dogmatik basierende Lehre ist daraufhin unter dem Pseudonym „Gender Mainstreaming“ (GM) von der damaligen rot/grünen Bundesregierung als verbindliche Leitlinie umgesetzt worden. Das Doppelwort GM wird oft fälschlicherweise mit „Frauenförderung bzw. Gleichberechtigung“ übersetzt. Dahinter verbirgt sich jedoch ein radikal-feministisches Umerziehungsprogramm, basierend auf dem Moneyistischen Glaubenssatz, das Geschlecht des Menschen sei nicht primär biologisch bestimmt, sondern gesellschaftlich-sozial konstruiert und daher form- und wandelbar. Diese Sicht ist mit dem biblischen Kreationismus geistesverwandt. 7. Vor zehn Jahren (2005) wurde entdeckt, dass sich Mann und Frau, wie die Säugerarten Schimpanse/Mensch, um ca. 1,5 % genetisch voneinander unterscheiden. Dieser „große Erbgut-Unterschied“ basiert auf einer evolutionär herausgebildeten Geschlechter-Verschiedenheit (Sexual-Dimorphismus), die wiederum auf die unterschiedlichen Größen und Funktionen der Geschlechtszellen (XY- bzw. XX-Gameten) zurückgeführt werden kann (Anisogamie). Diese gravierenden Mann-Frau-Unterschiede resultierten 2005 in der Konsolidierung der bereits 1993 eingeführen geschlechtergerechten Tier- bzw. Menschen-Forschung, die international als Gender-Biomedizin (GB) bezeichnet wird. 8. Vor einem Jahr (2014) wurde die GB als neue, der soziologisch begründeten GM-Ideologie (Moneyismus) entgegen gerichtete Wissenschaftsdisziplin auf internationaler Ebene etabliert.

In diesem Fachbuch, das stellenweise den Charakter einer Fakten- bzw. Textesammlung zeigt, wird zunächst dargelegt, was Biologen seit ca. 1735 unter „Sex“ verstehen, und dass dieses Wort von Erziehungs- bzw. Sozialwissenschaftlern im Sinne von „erotische Akte“ verwendet wird. In verschiedenen Kapiteln wird die Entwicklung der Gender-Ideologie in all ihren Facetten beleuchtet, wobei auch Erlebnisberichte des Autors aufgenommen worden sind. Das Buch ist als Nachfolge-Titel meiner Monographie Design-Fehler in der Natur konzipiert und steht daher in der bewährten Tradition der LIT-Serie „Naturwissenschaft und Glaube“.

Die in diesem Text zusammengetragenen Fakten, Theorien und Modelle sind weder religiös noch politisch motiviert (ich bin ein ungläubiger Nichtwähler und Kriegsdienstverweigerer). Wie in meinen Büchern zur Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie wurden sämtliche Aussagen mit soliden Quellen belegt. Die Schlussfolgerungen stellen somit nicht meine persönliche Meinung dar, sondern reflektieren den Erkenntnisstand der internationalen Biowissenschaften. In diesem Aufklärungstext ist unser aktuelles Bild von Mann und Frau als evolvierte XY- bzw. XX-Menschentypen dargelegt, wobei, entwicklungsbiologisch, das Weibliche als „primäres Geschlecht“ interpretiert wird. Das Buch soll u. a. dazu beitragen, biologische Sachinformationen in die aktuelle Gender-Debatte einzubringen und damit einen interdisziplinären Diskurs auf rational-naturwissenschaftlicher Ebene anzuregen.

Kassel, im Dezember 2015 - U. Kutschera

Inhalt  1. Einleitung: Was ist Sex? Darwinischer Feminismus und die Moneyistische Gender-Ideologie

Charles Darwins Artenbuch-Trilogie und die evolutionäre Psychologie
Eine Darwin’sche Dorfschule 1848 in bildhafter Darstellung
Bio-Unterricht in einer Engels’schen Stadtschule 2014
Kurze Geschichte der Sex-Forschung
Der Sexualakt und die biologische Gender-Definition
A-sexuelle erotische Akte beim Menschen
Darwins Zwitter-Hypothese und der Feminismus
Aquatische Selbstbefruchter und der tierische „Homosex“
Gender-Agenda und Unisex-Menschen
Analoge Entwicklung der GM- und Intelligent Design-Ideologie
Gender-Ideologie Made in Germany als Scheinwissenschaft
Moneyismus als Grundlage der Gender-Weltanschauung
Humankapital Kind und die Macht-Gleichstellung der Frau

2. Leihmutter-Menschenzucht, Gender-Kreationismus und die Ideologisierung der Biologie

Stanford-Gender und Biomedizin: Eine paradoxe Verwirrung
Genderistische Menschenzucht Made in California und die Vater-Frage
Anti-Leihmutterschafts-Kampagne in der Emma
Retortenbabys: Mittelalterliche Männerdominanz
Alters-Scheinmutterschaft ohne Verwandtschaftsgrad
Universitäre Pseudowissenschaft: Humanistische Zensur 2015
Exkurs: Kreationistische Ideologie contra Evolution
Proteste gegen U. Kutschera und das hpd-Rechtfertigungsschreiben
Das Bibel-Paradoxon: Christliche Kritik an den Gender Studies
Genderismus und die Ideologisierung der Biologie
Schlussfolgerungen und die Harvard-Stanford-Kontroverse

3. Alfred Russel Wallace als Frauenrechtler und hessische Gender Studies in Aktion

Pro-Professur: Mentoring für hessische Wissenschaftlerinnen
Ein Zufall, den es eigentlich nicht geben sollte
Das Wesen wissenschaftlicher Forschung: Drei Fallbeispiele
Diffuse Problemstellungen und die Beforschung fragwürdiger Gender-Probleme
Gender-Curricula für Bachelor und Master
Das Marburger Quallen-Buch: Hessische Genderperspektiven in der Biologie
Gender und Vielfalt in Studium und Lehre
Gender-kompetent: Der Bologna-Prozess an deutschen Hochschulen
Kreative Leistungen von Frauen contra Uni-Funktionärswesen

4. Die Schopenhauer-Darwin’sche Weiber-Analyse, akademische Gender-Frauen 2015 und die männliche Vererbungskraft

Mann und Frau: Das eheliche Leben in der guten alten Zeit
Arthur Schopenhauers Weiber-Analyse
Charles Darwins anti-feministische Position
Leipzig 1865: Zwei Ereignisse mit weitreichenden Folgen
Exkurs: Die akademische Gender-Frau 2015
Darwinischer Feminismus und maskuline Vererbung: Fragwürdige Konzepte

5. August Weismanns Freiburger Sex-Theorie und die Neo-Darwin’sche Gleichwertigkeit von Mann und Frau

Vom Frankfurter Schmetterlings-Sammler zum Freiburger Uni-Zoologen
Weismann als Zellforscher und die Berechtigung der Darwin’schen Theorie
Das Darwin-Lamarck’sche Vererbungsprinzip und die egoistischen Gene
Altern, Tod und die Zellteilungs-Grenze
Vererbungskraft von Mann und Frau: Geschlechter-Gerechtigkeit a la Weismann
 Max Hartmann und die Intersex-Hühner
Charakterunterschiede zwischen Mann und Frau 1883 vs. 2015
Biologie contra Philosophie: Genderistische Ungleichbehandlungen
Uni Freiburg im Weismann-Jahr 2014 und das Professx
Eine ungelöste Gender-Frage: Wo sind die kreativen Frauen?

6. Vom Körperbau zum Genom: Mann und Frau als evolvierte Menschentypen mit ausgeprägtem Sexual-Dimorphismus

Weder Mann noch Frau? Das evangelische Online-Magazin 2013
Allgemeine Unterscheidungsmerkmale und Stoffwechselrate
Körperhöhe und Hetero-Familie: Warum Jäger größer sind als Sammlerinnen
Körperfett und Muskelmasse während der Entwicklung von Mann und Frau
Sexualhormone, Barr-Körper und die Mosaik-Gewebe der Frau
Geschlechtschromosomen und Intersex-Menschen
Genetische Unterschiede zwischen Mann und Frau: Artverschiedene Wesen?
Biochemischer Sexual-Dimorphismus im ganzen Körper
Jugend-Generation LGBT und das Nature-Paradoxon
Das männliche und weibliche Gehirn: Ein Vergleich
Ganzkörper-Sexualdimorphismus beim Menschen

7. Geschlechterspezifische Embryonen, das Kleinkind-Verhalten und die vorgeburtlich festgelegte erotische Veranlagung

Brustwarzen-Paradoxon: Das primäre Geschlecht des Menschen ist weiblich
Die Auto- bzw. Puppen-Manie von Kleinkindern
Männliche Homosexualität und der Hirschfeld’sche Regenbogen
Angeborene Homophilie: Das Peter & Antonia-Experiment
Der geniale heterophobe Homoerotiker und die Psycho-Krankenschwestern
Lesbische Frauen und deren Darwin’sche Fitness
Homosexualität im Tierreich mit Bezug zur Evolution
Philosophische Homophobie eines heteroerotischen Denkers
Hypergamie-Prinzip und Partnerwahl von Mann vs. Frau
Das Männerkaufhaus: Evolutionäre Psychologie für Laien

8. Erzwungene Geschlechter-Identität: David Reimer (1965–2004) als Opfer auf dem Altar der Moneyistischen Gender-Religion 2015

Der pädophile Kindesmisshandler John Money
Die Gender-Theorie von John Money und ihre Gegner
 Die Geschichte vom Leiden und Freitod des Gender-Opfers David Reimer
Moneyisitischer Kindesmissbrauch im Namen der Psycho-Erziehungswissenschaften
Die Moneyistische Sexualpädagogik der Vielfalt
Geschlechts-Rückumwandlung und Selbstmord
John Money und die misshandelten Zwillingsbrüder Reimer: Rechtsradikale Kritiker?
Bibliometrische Analyse des doppelten Gender-Begriffs
Gender Mainstreaming 2015: Warum der Moneyismus Menschen krank macht
Moneyismus im deutschen Schulunterricht 2015
Kinderarzt angeklagt: Sind pädophile Handlungen akzeptabel?
Feministische Biophobie und Pandoras Money-Box

9. Die Berliner Gender-Debatte 2015 und der pflanzliche Super-Homosex

Inforadio rbb: Gender Mainstreaming – Unfug, Religion, feministische Sekte
Von Sozialdarwinistisch-reaktionären Pöbeleien zum rbb-Beitrag des Jahres
Das besorgte Landwirbeltier U. Kutschera in der Kolumne Luft und Liebe
Gender Studies: Wer hat Angst vor einem anderen Leben?
Die Moneyistischen Grundannahmen der Gender Studies 2015
Die pflanzenlose Genderwelt im Internet-Radio
Die Stuttgarter Geschlechter-Erklärung und das Platonische Ideal
Homosex und Gender im Pflanzenreich

10. Epilog: Gender Biomedizin und der Psychoterror der Moneyistisch indoktrinierten Mann-Weiber

Die Frau als primäres Geschlecht und die Gender Biomedizin
Mann vs. Frau: Gender-Pricing und inkompetente Alpha-Frauen
Kinderlosigkeit als Life Style und Freudenhäuser für Gender-Damen
Gender-Ideologie als kreationistisches Gedankengut: Unabhängige Belege
Sozial-Kontruktivismus und biblischer Schöpfungsglaube
Der Psychoterror vermännlichter Feministinnen und die Krebsgeschwür-Analogie
Opportunistisches Gegendere als Leitprinzip: Money, Money, Money

Literatur
Anhang 1: Kleines Sex & Gender-ABC
Anhang 2: Internet-Adressen
Register

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Kommentare

  1. userpic
    Ra Mona Wagner

    Da sind wir mal gespannt.

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