Der ewige Migrant

Eine Antwort auf Babanews

Der ewige Migrant

Foto: Pixabay.com / geralt

Die Neue Zürcher Zeitung veröffentlichte am 4. Mai 2026 Kacem El Ghazzalis Artikel Der ewige Migrant: wie wir Einwanderer von vermeintlich toleranten Kreisen in eine Rolle gezwängt werden. Die Plattform Babanews reagierte darauf mit einen „Frame Check“. Hier ist seine Antwort darauf.

„Ich stehe für eine Schweiz, in der wir als Bürger zusammenleben - ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Baba News soll das eurozentrisch nennen. Ich verstehe das als Kompliment.“

Die Online-Plattform Baba News hat meinen NZZ-Essay „Der ewige Migrant“ nun in einem sogenannten „Frame Check“ unterzogen. Die Lektüre dieser Kritik war für mich eine amüsierende, wenn auch oft frustrierende Erfahrung. Denn die Replik schwankt zwischen böswilliger Textverdrehung und unfreiwilliger Komik.

„Dehumanisierende Sprache“

Der erste Vorwurf: Meine Metapher – „der Migrant in mir musste sterben, damit der Bürger geboren werden konnte“ – sei „dehumanisierend“ und impliziere, der unfertige Migrant habe es „nicht zu leben verdient“.

Würde man der Interpretation von Baba N. folgen, würde das bedeuten, ein Teil von mir selbst habe es nicht verdient zu leben. Diese Deutung ist entweder ein Lektüreversagen oder eine bewusste Textverdrehung.

Sterben wird in der Literatur und in den Geisteswissenschaften als Metapher für Transformation benutzt. Selbst in den Schriften des Postkolonialismus, die die Baba-Leute immer hochhalten, aber offenbar nicht gelesen haben, kommt sie vor: Fanon beschreibt in Schwarze Haut, weisse Masken die Neukonstruktion des kolonialen Subjekts als radikalen Bruch mit aufgezwungener Identität. Baba N skandalisiert, statt zu verstehen, oder wenigstens versuchen zu verstehen.

„Eurozentrische Logik“

Der zweite Vorwurf: Mein Integrationsverständnis basiere auf einer „eurozentrisch-rassistischen Logik“, weil ich Integration als Aufstieg zu etwas Besserem beschreibe. Was befürwortet denn Baba N. als Alternative zur Integration? Die Desintegration unserer Gesellschaft und letztlich ihr Verfall. Hat Baba nicht über Jahre Geld für Integrationsprojekte bezogen – während sie gleichzeitig Integration als eurozentrische Zumutung verteufelt? Ihre Geldgeber dürften das mit Interesse zur Kenntnis nehmen.

Das, was Baba als eurozentrisch beschreibt, sind die Errungenschaften der westlichen Zivilisation: die Trennung von Staat und Religion, der Rechtsstaat mit unabhängiger Justiz, die individuelle Gewissensfreiheit, die Gleichberechtigung der Geschlechter vor dem Gesetz, der Schutz von Minderheiten gegen den Willen der Mehrheit. Die Privilegierten Autorinnen von Baba N geniessen diese Errungenschaften täglich, und sprechen Migranten gleichzeitig ab, dieselben Massstäbe anzuwenden. Und wenn sie wissen wollen, ob der Westen in bestimmten Dimensionen überlegen ist – dann sollten sie versuchen, ihre Systemkritik aus Kairo, Teheran oder Moskau zu veröffentlichen. Die Antwort käme schnell.

Diese Errungenschaften sind auch nicht „westlich“ in dem Sinne, dass sie nur für Europäer gelten. Sie sind westlich in dem Sinne, dass sie hier zuerst institutionell verankert wurden – und sie sind universell in dem Sinne, dass jeder Mensch, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion, ein Anrecht auf diese Freiheiten hat. In diesem Aspekt ist die westliche Zivilisation anderen klar überlegen.

Das zu sagen, ist heute ein Tabubruch. Wer es sagt, gilt als „Rassist“. Ich akzeptiere dieses Framing nicht. Denn das eigentliche Tabu – das Tabu, das die postkoloniale Theorie mit aller Macht aufrechterhält – ist die Frage: Sind alle gesellschaftlichen Ordnungen normativ gleichwertig? Ist eine Gesellschaft, die Frauen als Zeugen nur halb zählt, ebenso gut wie eine, die sie rechtlich gleichstellt? Ist ein System, das Apostasie mit dem Tod bestraft, gleichwertig mit einem, das Religionsfreiheit garantiert? Baba N findet ja, aber sie sind nicht bereit, den Preis für ihre Ansichten zu bezahlen und beispielsweise nach Kabul, Teheran oder Gaza zu ziehen. Bezahlen sollen andere. Das ist feige und verlogen.

„Jegliche Rassismuskritik zurückweisen“

Baba News behauptet, ich propagiere den Migranten, der „jegliche Rassismuskritik zurückweist“. Eine mutige These für jemanden, der sie mit keiner einzigen Textstelle belegt.

Ich weise nicht Rassismuskritik zurück. Ich weise eine ideologisch aufgeblähte, inflationäre Definition des Rassismus zurück – eine Definition, die so weit gedehnt wird, dass sie analytisch wertlos wird und politisch nur noch einem Zweck dient: unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Und hier ein konkretes Beispiel, das die Methode entlarvt: Wenn Kritik an sexistischen, frauenfeindlichen Kleidungsvorschriften, die Frauen im Namen der Religion aufgezwungen werden, als „antimuslimischer Rassismus“ geframet wird – dann ist das Babanews Definitionsproblem, nicht mein Rassismusproblem.

„angepasste Migrant“

Der vierte und vorgeblich schwerste Vorwurf: Ich schreibe selbst eine Rolle vor – die des angepassten Migranten, der seine Herkunft versteckt, keine Rassismuskritik übt und keine politischen Forderungen stellt.

Dieser Vorwurf enthält einen fundamentalen Denkfehler, der Methode hat.

Ich schreibe, dass die Herkunft in den Hintergrund treten darf. Die Kritik liest daraus: Sie muss versteckt werden. Der Unterschied zwischen Dürfen und Müssen, zwischen Freiheit und Zwang, zwischen Autonomie und Vorschrift, ist nicht bloss ein semantisches Detail.

Noch wichtiger: Was Baba N beim selektiven Zitieren systematisch unterschlägt, ist gerade das Radikalste meines Textes. Ich schreibe, man müsse Abschied nehmen von der „Identität des Fremden, des Geduldeten, des Gastes“. Was ist das anderes als eine unmissverständliche Forderung nach vollständiger, bedingungsloser Gleichberechtigung? Ich lehne es ab, dass Migranten in dieser Gesellschaft lediglich als Geduldet existieren – in einem Status, der permanent ein Machtgefälle und Abhängigkeit vom Wohlwollen der Mehrheitsgesellschaft impliziert.

Und dann noch dies: Der Bürger, für den ich plädiere, ist nicht der schweigende Angepasste – er ist das denkbar politischste Subjekt der Moderne. Der Citoyen fordert, widerspricht, klagt ein. Was ich ablehne, ist die Rolle des linken Betroffenen, der – wie ich im Essay formuliert habe „als Aushängeschild für Quotendiversität funktioniert, solange er die Parteilinie bestätigt”.

Mein Plädoyer für den Bürger, der bedingungslos dazugehört, ist im Kern ein weitaus radikalerer Akt der Emanzipation als alles, was Baba N anbieten kann. Baba N benötigt den Migranten als ewigen Betroffenen – denn ohne seine Dauerverletzlichkeit verliert sie ihren politischen Hebel.

Die Kritik von Baba N liefert an einer einzigen Stelle einen legitimen Einwand – nämlich den Hinweis, dass ein stark individualistischer Ansatz die strukturellen Dimensionen von Diskriminierung nicht vollständig abdeckt. Ich nehme das zur Kenntnis.

Alles andere ist rhetorisches Foulspiel: Strohmänner, selektives Zitieren, Begriffsmanipulation und die Technik des Einrahmens statt Widerlegens. Baba News macht exakt das, was ich in meinem Essay beschrieben habe: Sie definiert, was ein Migrant zu denken hat. Wer aus dieser Rolle heraustritt, gilt als angepasst, als gekauft, als „rechts“ gerahmt.

(Anmerkung der Redaktion: In der Schweiz wird kein „ß“ verwendet. Der Text wurde in der Originalform belassen.)

Hier geht's zum Originalartikel...

Kommentare

  1. userpic
    Huxley

    „Und wenn sie wissen wollen, ob der Westen in bestimmten Dimensionen überlegen ist – dann sollten sie versuchen, ihre Systemkritik aus Kairo, Teheran oder Moskau zu veröffentlichen. Die Antwort käme schnell.“
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    „Wenn ich vom Westen rede, meine ich das nicht geografisch. Ich rede von der Zivilisation. Und diese Zivilisation will ich stärken.“
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    „Ich danke Ihnen, Herr …, für den herzlichen Empfang. Danke für diese Gelegenheit unsere Beziehungen zu vertiefen und unsere Freundschaft, die seit langem besteht. Mein Ziel ist es, den Westen wieder stark zu machen. Und ich glaube, das können wir gemeinsam tun.
    (Ja, können wir.)
    Wenn ich vom Westen rede, meine ich das nicht geografisch. Ich rede von der Zivilisation. Und diese Zivilisation will ich stärken.“
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    Giorgia Meloni am 17.04.2025 bei Donald Trump


    Nun, was hat das hiermit zu tun?

    Seit geraumer Zeit nehme ich hier bei RDF eine wiederholt unterkomplexe Darstellung „des Westens“ und seiner „Errungenschaften“ wahr. Eine Darstellung, die explizit oder implizit behauptet „der Westen“ sei das Maß der Dinge … und dies etwa auf einer absoluten Skala.
    Woher diese Skala nun stammen soll oder wer die Absolutheit dieser Skala irgendwann einmal und mit welchen Mitteln festgestellt hat, bleibt dabei offen. …

    Es handelt sich vielmehr um eine Selbsteinschätzung, stimmt’s? Die Methoden der Selbsteinschätzung sind … wie kann es anders sein … selbst definiert und so kommt man freilich, freilich zum Schluss „der Westen“, ich wiederhole mich, sei nun das Maß der Dinge (Zirkelschluss).

    Das gibt’s auch in abgemilderter Form, z. B. Eurozentrismus. Weiter abgemildert (!) Nationalismus. Abgemildert, weil die jeweilige Dimension der Behauptung geringer wird.

    Was ich hier (auf RDF und implizit auch im Artikel) besonders dreist, weil schlicht und ergreifend falsch, empfinde ist die Behauptung die (Er?)-Findung der Menschenrechte sei eine „westliche Errungenschaft“.
    Nun, dass ist eine Falschbehauptung!

    „Wie das Beispiel des chinesischen Philosophen Mozi zeigt, ist die Idee gleicher, universeller Rechte keineswegs eine Erfindung des Westens, auch wenn dies immer wieder behauptet wird“ [so auch hier].

    sagt der hier sicherlich nicht unbekannte Michael Schmidt-Salomon (Video abrufbar auf GBS).

    Dass er – ganz nebenbei – noch die Mande Charta (UNESCO Weltkulturerbe im Jahr 2009), die älteste Erklärung grundlegender Menschenrechte aus dem 13. Jahrhundert aus Mali vergisst zu erwähnen, sei ihm insofern nachgesehen, als dass Afrika in Europa wohl nach wie vor den Stellenwert des Unterentwickelten, u. U. gar „Wilden“ hat, von wo ja nun definitiv (!) nichts Bemerkenswertes herkommen kann, gelle?

    Interessant ist außerdem das, was Schmidt-Salomon dann weiter sagt:
    „Tatsächlich waren die sogenannten ‚westlichen Werte‘ über weite Strecken der Geschichte sogar eher östliche Werte; etwa vom 9. bis 13. Jahrhundert als die Hochzentren der muslimischen Kultur den Individuen sehr viel größere Freiheiten einräumten als das christliche Europa.
    Wir sollten daher verstehen, dass die universellen Menschenrechte keine exklusiven Kulturgüter des Westens sind, die dem Rest der Welt in einem imperialistischen Akt aufgezwungen werden, sondern vielmehr Früchte eines Weltkulturerbes der Menschheit, das von Männern und Frauen aller Zeiten, aller Kulturen und aller Kontinente hervorgebracht wurde.“


    Nun, recht simple Erkenntnis, die historisch bestens unterfüttert ist.

    Und sie steht im Widerspruch zu:
    „Das, was Baba als eurozentrisch beschreibt, sind die Errungenschaften der westlichen Zivilisation: die Trennung von Staat und Religion, der Rechtsstaat mit unabhängiger Justiz, die individuelle Gewissensfreiheit, die Gleichberechtigung der Geschlechter vor dem Gesetz, der Schutz von Minderheiten gegen den Willen der Mehrheit“

    Der selbsternannte „Liberale“ kennt sich offensichtlich mit der Geschichte nicht aus und übernimmt unreflektiert Narrative, die ihm dann von „Baba“ oder wem auch immer (dann sogar berechtigt!) wieder um die Ohren gehauen werden!


    Unabhängig davon muss die Botschaft in Richtung der woken Szene (zwar) selbstverständlich lauten:

    „Entblödet Euch (endlich) und macht die Augen auf.“

    Das Problem ist, dass diese Szene das nicht schaffen kann, selbst wenn sie es denn wollte. Die Szene hat sich eine konstruktivistische Traumwelt zusammengebaut, in der das „Ich“ die Welt (aus)-macht und die fragliche Gruppe, in der die Ich-Welten der Indiviuen durch entsprechende Sozialisation verschmilzt, entspricht dann einer (als unveränderlich angenommenen) Kultur.
    Damit ist diese Weltsicht eine, die vieles gemeinsam mit einer identitären Weltsicht hat. Der Unterschied ist, dass sie von einem beliebigen Relativismus (Folge des Konstruktivismus) ausgeht, die Identitären (im eigentlichen Sinn) gehen von Kulturen aus, die – ethnisch rein - anderen überlegen sind.
    Die Woken haben sich angeeignet „dem Westen“ nun alles Negative zuzuschreiben, was so zu beobachten ist (oder was man eben als negativ und ablehnenswert empfindet). Dem folgt eine Überhöhung des „Nicht-Westlichen“.
    Bei den eigentlich Identitären ist es das Umgekehrte.
    Einig sind sich beide Gruppen in der identitären Weltsicht. Eine Einigung zwischen diesen beiden Gruppen ist VOLLKOMMEN unmöglich, da es weder für das eine noch für das andere Narrativ irgendwelche nachvollziehbaren Argumente gibt!


    Man täte nun extrem gut daran, sich WEDER auf die eine, noch auf die andere Seite zu schlagen. Man täte noch besser daran, wenn man dies aktiv tun würde (also wirklich darauf achten würde, was man so sagt oder schreibt), als dass man riskiert in der einen oder anderen Richtung (miss-?) verstanden zu werden (Botschaft an die selbsternannten „Liberalen“!).


    Liest man z. B. auf Wikipedia zur „identitären Ideologie“:
    „Ideologisch vertreten die Identitären einen Ethnopluralismus. Er geht von einer biologisch begründeten Einheitlichkeit einer Volks- und Abstammungsgemeinschaft (Homogenität) aus und strebt die kulturelle „Reinhaltung“ der Gesellschaft von äußeren Einflüssen an, die als „fremd“ oder gar „feindlich“ definiert werden.“
    dürfte recht schnell klar werden, dass eine solche Sicht eben nicht nur den Rechten, sondern auch den Woken (nicht den Linken!) zu eigen ist.
    Die Woken würden zwar eine biologistische Argumentation ablehnen (wie die eigentlichen, rechten Identitären sie haben), diese aber durch eine „soziologistische“ ersetzen –
    Ergebnis ist das Gleiche, nur, dass man damit die „eigene“ Gesellschaft herabsetzen und „fremde“ durchweg als positiv darstellen kann.
    Nochmal: Es sind dieselben Denkkategorien, nur diametral entgegengesetzt!

    … und weiter:
    „Daher fordert die IB ‘ethnopluralistische Vielfalt‘ statt eines ‚kulturellen (supra-nationalen) Einheitsbreis‘, eine Position folglich, die eine ethnisch und kulturell homogene Gesellschaft statt einer multikulturellen Struktur auf nationaler Ebene anstrebt.“


    Es fehlt den Rechten gleichermaßen wie den Woken der Universalismus (den – echte – Linke jedoch haben!). Das Problem mit „den Linken“ (ich meine nicht die Partei, aber die betrifft’s auch) ist, dass viele, die sich dieser Gruppe zugehörig fühlen (oder von rechts in diese Gruppe gedrängt werden) das selbst nicht kapieren (und woke und links gleichsetzen)! … Nebenthema, macht’s aber nicht besser.

    Der Beitrag, den ich hier kommentiere, unterlässt es leider meines Erachtens aktiv darauf zu achten, nicht missverstanden zu werden. Das Deckmäntelchen, das wohl für alles herhält, was einem einseitig durch den Kopf geht, heißt offenbar Liberalismus.


    Das (aufkommende Missverständnis – ist es denn eins?) liegt auch – aber nicht nur – an der Darstellung die Menschenrechte (die werden explizit nicht genannt, sind aber gemeint, s. o.) seien ja nun die (Er-)Findung „des [überlegenen] Westens“.
    Nein, sind sie nicht (siehe Schmidt-Salomon)!

    Wenn „Baba“ (kenne ich nicht, hab‘ auch keinen Bedarf da etwas kennenzulernen) dies und jenes „eurozentristisch“ nennt, geschenkt …. ABER, das nun wiederum als „Kompliment“ zu verstehen, macht die Sache nun keinen Deut besser (das ist dasselbe unterkomplexe Argumentationsniveau!)!


    Nun, wenn der Autor „Integration als Aufstieg zu etwas Besserem“ beschreibt, dann bleibt es bei derselben unterkomplexen Logik (nur halt um 180° seitenverkehrt zur ebensolchen woken Logik!).

    „Etwas Besseres“? Im Vergleich zu was? Auf einer absoluten Skala?
    Nun, dann scheint mir die Nähe zur rechten, identitären Weltsicht durchaus gegeben zu sein:
    „Ich will zu den selbsternannten „Richtigen“ gehören, damit ich …“ (nur, dass die Rechtsextremen dann sagen würden: „Kannst Du nicht, Du bist ja ethnisch-biologisch was anderes.“).
    Und somit: Diese „Richtigen“ würden IMMER sagen – aller Integrationsbemühungen zum Trotz – dass der „Migrant“ auch immer noch Migrant ist, egal wie er sich nun „integriert“ (verhält), er ist per definition nicht zu integrieren!


    Integration kann absolut nicht gelingen, wenn sie einseitig verstanden wird (wenn der Migrant also „den Flüchtling sterben lässt“). Es ist die Umwelt, die den „Flüchtling sterben lassen“ muss. Der Geflüchtete selbst muss (nur) lernen, sich nicht auf „Flüchtling“ reduzieren zu lassen (weder von rechts noch von woke (nicht links!).
    Man kann sich selbst nicht integrieren – genauso wenig wie man sich selbst für dies und jenes entschuldigen kann – entschuldigen können nur diejenigen, die beschuldigen/beschuldigt haben!
    Integrieren können nur diejenigen, die diskreminieren/diskreminiert haben!

    Integration (also die gelungene) beruht darauf einen Menschen als Menschen anzusehen, und zwar EGAL, wie er so drauf ist, EGAL, welche Weltsicht er hat (siehe Menschenrechte!), EGAL welche Religion (oder Nicht-Religion) er hat, EGAL ob er Vegetarier, Tierschützer, Klimaschützer, Muslim, Jude, Christ, Hindu, …, Politiker, Kirchenoberhaupt, Rocker, Banker, Migrant oder sonstwas „ist“ (also sich selbst definiert). Das, was man IST, ist Mensch (und sonst nix) – und das hat zu genügen.
    Das bedeutet Integration!

    Vom „Integrierten“ oder „zu Integrierenden“ (wie von allen, die behaupten, sie seien es ja ohnehin) ist (lediglich) zu erwarten, dass er nun auch diese freiheitlichen Werte für gut heißt, sie nicht nur respektiert (Minimum), sondern akzeptiert (Wunsch), am besten sogar verteidigt und das Mindeste wäre, dass er sie nicht bekämpft; weder aktiv noch passiv (Z. B. durch Unterlassung)!

    Der Autor schreibt „liberal“ drauf und meint damit offensichtlich nur assimilliert (man fordert halt von Muslimen, sie mögen doch bitte … dies und jenes), macht man halt so als Liberaler (in diesem Fall wohl sich schweizerischer zur Verhalten als Schweizer dies im Durchschnitt selbst tun).

    Problem: Der Liberale müsste an dieser Stellen verstehen (und nach außen signalisieren, dass er verstanden hat), dass ALLE Religionen illiberal sind und er müsste sich dann selbst fragen, warum er nun ausgerechnet von Muslimen dies und jenes verlangt (und von anderen nicht). … Hier wird der Begriff Liberalismus missbraucht, nämlich in etwa so: Ich bemängele dies und jenes, was MIR gerade in den Sinn kommt und was ICH für illeberal halte (das andere Illeberale ignoriere ich geflissentlich). Liberalismus als Deckmäntelchen für Gutdünken!

    Das bedeutet aber nicht integriert, das bedeutet Anbiederung an die vermutete (oder gar tatsächliche) Mehrheitsmeinung.

    Und diese (meine) Aussage ist eben gerade nicht „links“, sondern bezieht sich auf die universellen Menschenrechte:
    Ich darf unkommentiert und unbeachtet „fremd sein“, also anderen „fremd“ erscheinen (egal ober ich „fremd“ bin oder nicht)! Mir dürfen daraus keinerlei Nachteile erwachsen (Vorteile auch nicht)!



    Zurück zum Meloni-Zitat. Mag auf einige deplatziert wirken, ist aber bemerkenswert passend, wie ich finde. Sie meint’s ja auch nur „gut“, oder?

    Was mir jedoch seit geraumer Zeit hier auf RDF auffällt, ist der – ich muss schon sagen – krampfhafte Versuch „den Westen“ per se als überlegen darzustellen.
    Dies ganz und gar inklusive des Christentums (und das ausgerechnet hier bei RDF!), das sich über die Jahrhunderte windet und ahlt, die Bibel stets so umdeutend, dass es zu den gegebenen Machtverhältnissen passt und die Kirche möglichst Macht ausüben kann (und die Deutungshoheit behält), keineswegs der Initiator der Aufklärung ist und zu universellen Menschenrechten ein gespaltenen Verhältnis hat und dennoch behauptet maßgeblich an der Entwicklung derer beteiligt gewesen zu sein.

    Vornehmlich manifestiert sich das in Beiträgen, die vorgeben Islamismus zu problematisieren (oder irgendwie davor „zu warnen“), die aber lediglich auf eine Agitation gegen den Islam per se und in diesem Zusammenhang gegen Muslime (in dieser Gesellschaft) hinausläuft.

    Damit läuft man große Gefahr mit rechtsextremistischen Weltsichten konform zu gehen.
    Besonders besorgt bin ich darüber, dass hier (auf RDF) nun gebetsmühlenartig eine „Gefahr“ durch den Islam (per se) regelrecht heraufbeschworen, die weitaus größere Gefahr von rechts jedoch mit keinem Wort erwähnt wird!
    (Ach ja: Wechselweise positioniert man sich gegen woke und verwechselt das immer wieder und wohl sogar recht gerne mit links.)
    Ich wiederhole mich: Sorge um die Gesellschaft ist es nicht, was die Autoren (und Fr. Schröter) hier antreibt!
    Religionskritik ist es auch nicht! Die geht nämlich ganz anders!
    Plädoyer FÜR Wissenschaftlichkeit (und weniger Glauben) ist es auch nicht, sonst würden einem diese Fauxpas nicht passieren (und man nicht ständig pseudowissenschaftlich argumentieren)!


    Es ist noch nicht einmal eine Sorge, dass woke Weltsichten die Oberhand gewinnen! Denn dann würde man bei der Kritik daran (die an sich absolut berechtigt ist) strengstens und peinlichst darauf achten nicht (aus Versehen?) in Sicht- und Argumentationsweisen zu verfallen, die praktisch deckungsgleich mit rechsextremistischen sind (und dann am besten noch „liberal“ draufschreiben)!

    Man würde z. B. darauf achten „woke“ nicht mit „links“ zu verwechseln, man würde sich sehr wohl aktiv (!) von rechtsextremistischen Parolen distanzieren und den Unterschied (wenn es denn einen gibt) sauber herausarbeiten!

    Das ist das, was ich mit „aktiv“ meine (siehe oben)!
    Wer oder was hält davon ab wirklich fundiert zu kritisieren?
    So geht’s jedenfalls nicht!

    Im Übrigen: Was „Baba“ (oder wer auch immer von der woken Seite) aus dieser Replik dieses Beitrags macht, dürfte doch wohl klar sein:
    Sich auf der ganzen Bandbreite bestätigt fühlen! In der Sache gewonnen ist hiermit gar nichts!

    Dazu trägt der Autor (möglicherweise ungeschickt) nun tatkräftig bei. Dann stellt sich die Frage, warum überhaupt so etwas schreiben. Warum wird so etwas HIER überhaupt veröffentlicht?
    WEN genau, will man denn HIER damit erreichen?

    Mich jedenfalls nicht. Das ist mir – und das ist die Kurzform meines Kommentars – einfach regelrecht zu doof!


    „Und wenn sie wissen wollen, ob der Westen in bestimmten Dimensionen überlegen ist – dann sollten sie versuchen, ihre Systemkritik aus Kairo, Teheran oder Moskau zu veröffentlichen. Die Antwort käme schnell.“
    Ach?
    Nun, wenn es mit „dem Westen“ so weitergeht wie bisher, so könnten sie auch mal versuchen ihre Systemkritik (gibt’s die denn überhaupt von den slebsternannten „Liberalen“?) im jetzigen oder zukünftigen Italien oder den USA zu äußern. Dürfte dann ähnlich verlaufen.

    Wenn „der Westen“ tatsächlich derartig überlegen ist oder – wie der Autor sagt – etwas „Besseres“ darstellt, dann muss ja wohl die Frage beantwortet werden, wie es „der Westen“ nicht schafft sich von den Trumps, Melonis, Mileis, Orbans, Le Pens, Farages, Wilders, (Lollek und Bollek-Kaczynski-Piz), … loszusagen!
    Wie „liberal“ ist das denn?

    Ich erwarte also von RDF entsprechende Beiträge zu dieser Frage, wenn es denn wirklich darum gehen sollte die vermeintlich „westlichen Werte“ zu vertreten.



    Im Übrigen scheint der Integrationsversuch (also die Art und Weise seines Verhaltens) des Autors auf etwas hinauszulaufen, das dem Teilhabeversuch in der partriarchalen Gesellschaft der woken Gender-Feministinnen gleich kommt (regelrecht paradox) – sich möglichst (westlich, männlich, dominant) verhalten, um ja dazuzugehören – eine vollständige Verabschiedung jedes Pluralismus! …
    Aber das führt jetzt hier zu weit.



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