Es gibt keinen Islam ohne Scharia

Antwort auf einen X-Post

Es gibt keinen Islam ohne Scharia

Bild: Grok

Thomas Sutter (Co-Präsident Sozialdemokratische Partei Zürich 5 & SP EU Plattform und Vorstand Europäische Bewegung Zürich) postete als seine private Meinung (laut X-Profil):

Etwa 6% der Menschen in der #Schweiz gehören dem #Islam an.

Die sog. #Islamisierung oder eine drohende Einführung der #Scharia sind Schauermärchen der Rechten, um Ängste zu schüren.

Dies wollte der Schweizer Rechtsanwalt und Islamexperte Emrah Erken nicht so stehen lassen.

Ihr Post offenbart, dass Sie keine Ahnung davon haben, was Scharia überhaupt bedeutet. Dies vorweg: Es gibt keinen Islam ohne Scharia. Warum dem so ist, kann den nachfolgen Ausführungen entnommen werden.

Unter dem Begriff Scharia ist die Gesamtheit sämtlicher islamischer Normen inklusive die Methode der Rechtsfindung zu verstehen und zwar auf der Grundlage des Koran, der Hadithe (Sprüche, Befehle und Taten des Propheten) und der Sira (fromme Prophetenbiographie) sowie der jeweils relevanten Literatur. Da unterschiedlichste islamische Denominationen, Traditionen und Rechtsschulen existieren, gibt es natürlich nicht nur eine Scharia, genauso wenig, wie es nur einen Islam gibt.

Was reguliert wird, ist allerdings unabhängig von dieser Unterschiedlichkeit immer sehr umfassend, weshalb man über die Scharia sagen kann, dass es sich um Recht im weitesten Sinne handelt. Sie beinhaltet einerseits Vorgaben, die ausschliesslichen Kultuscharakter haben wie etwa die möglichen Methoden der rituellen Waschung, die Gebetszeiten oder die Gebetsrichtung. Sie enthält Speisevorschriften wie etwa das Verbot, Schweinefleisch zu konsumieren. Sie macht Vorgaben darüber, wie man als Muslim mit den Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften umzugehen hat. Sie gibt vor, wie Frauen sich bekleiden müssen und wie nicht und wie Männer ihre Bärte schneiden sollen, damit sie nicht Juden oder Christen gleichen, sondern als Muslime wahrgenommen werden. Sie enthält Normen, die aus westlicher Perspektive dem Zivil- oder dem Strafrecht zuzuordnen wären und vieles mehr.

Da die Normendichte damit enorm ist und für Dinge Vorgaben existieren, die normalerweise nicht mit einem Gesetz ausgedrückt würden, kann gesagt werden, dass die Scharia nicht nur die Gesamtheit sämtlicher islamischer Normen abbildet, sondern vielmehr auch das Bild einer idealen islamischen Gesellschaft zeichnet, in der diese Normen umfassend eingehalten werden und andere Muslime im Rahmen einer Mitwirkungs- respektive Kontrollpflicht für deren Einhaltung sorgen, wie dies beispielsweise bei der Einhaltung der Hidschab-Pflicht zutrifft. Damit haben wir es – sofern dieser Idealzustand verwirklicht wird – durchaus auch mit einem politischen System zu tun. Da dieses politische System jeden erdenklichen menschlichen Bereich durchreguliert und sogar Vorschriften über intimste Dinge macht, handelt es sich dabei zumindest aus meiner Sicht um ein totalitäres politisches System, in welchem weder Demokratie, noch Gewaltenteilung noch Rechtsstaatlichkeit einen Platz haben können und damit auch keine Grundrechte. Vor allem verhindert ein solches politisches System, das als Vorbild eine idealisierte arabische Gesellschaft des 6. und des 7. Jahrhunderts vor den Augen hat, jeden gesellschaftlichen Fortschritt und bedeutet ganz im Gegenteil einen kompletten gesellschaftlichen Stillstand.

Diese negativen Aspekte der Scharia wurden insbesondere im Zwanzigsten Jahrhundert in muslimischen Gesellschaften erkannt und es hat sich eine Reformbewegung entwickelt, an deren Spitze der türkische Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk stand, der auf andere muslimisch geprägte Staaten und deren Staatsoberhäuptern eine enorme Ausstrahlung und Einfluss hatte. Durch seine Reformen hat er sämtliche Inhalte der Scharia, die einen gesellschaftspolitischen Aspekt haben, in seinem Land zumindest zurückgedrängt und diese durch moderne Normen ersetzt. Im Prinzip ging es also darum, nur jenen Teil der Scharia zuzulassen, der ausschließlich Glaubensbelange betraf, und möglichst jeden Einfluss des Islam auf die Gesellschaftspolitik und die Gesetzgebung zu unterbinden.

Wenn man so will, kann man bereits den gesellschaftspolitisch motivierten Teil des Islam, der nicht mit reinen Glaubensfragen zu tun hat, bereits als politischen Islam bezeichnen, so wie viele dies tun, unter anderem auch ich. Die Verwendung des Begriffs ist allerdings nicht einheitlich. Teilweise werden der politische Islam und der Islamismus, auf den ich gleich eingehen werde, als Synonyme verwendet, was aus meiner Sicht nicht ganz korrekt ist. Wenn eine Frau beispielsweise den Hijab oder den Niqab trägt, was gesellschaftspolitisch motivierte Massnahmen der Scharia darstellen, die den Zweck verfolgen, die islamische Sittlichkeit innerhalb der Gesellschaft herzustellen, wäre dieses Verhalten damit bereits als ein Aspekt des politischen Islam zu qualifizieren, selbst wenn die entsprechende Person politisch nicht aktiv ist, beispielsweise weil sie nie wählen geht. Die Bezeichnung politischer Islam ist aber dennoch richtig, weil der Islam respektive dessen Praxis in diesem Fall nicht auf reine Glaubensangelegenheiten beschränkt ist, sondern auch politische Forderungen erfüllt, die im Islam durchaus vorhanden sind. Eine islamische Bildungseinrichtung, in der Geschlechterapartheid herrscht, ist damit durchaus Teil des politischen Islam, auch wenn in dieser Schule keine Politik im engeren Sinne betrieben wird.

Unter dem Begriff Islamismus ist jene moderne politische Ideologie zu verstehen, welche die Absicht verfolgt, entweder die in der muslimisch geprägten Welt durchgeführten Reformen, die den politischen Islam zurückgedrängt haben, wieder rückgängig zu machen, wie man dies am Beispiel der Türkei sehr gut erkennen kann; oder er folgt dem Bestreben, einen westlich geprägten Einfluss auf eine islamische Gesellschaft von Vornherein zu verhindern, um den Islam zu bewahren. Im Ergebnis geht es den Islamisten immer um die Errichtung respektive Erhalt eines totalitären Gottesstaates auf der Grundlage der Scharia, wo deren Regeln umfassend ihre Wirkung entfalten können und wo westliche und andere Inputs abgewehrt oder vernichtet werden, weil sie nicht islamisch sind. Das heißt also, dass der Islamismus durchaus auch als eine Art Reformationsbewegung betrachtet werden kann, bei der es darum geht, den „wahren Glauben“ wiederherzustellen, dies vor allem dort, wo dieser aus dieser Perspektive betrachtet durch die Einflüsse der Moderne akut bedroht ist.

Um diese Ziele zu verwirklichen, instrumentalisieren Islamisten einerseits die Demokratie und rechtsstaatliche Garantien, indem sie beispielsweise Islamisten oder politische Linke wählen, die genau diese antidemokratischen Ziele verfolgen oder durch ein Grundrechtsverständnis, das die Grundrechte als Schariagewährleistungsrechte wahrnimmt.

Hier geht's zum Originalartikel...

Kommentare

  1. userpic
    Nicole

    es gibt keine Richard Dawkins Foundation ohne Islam-Bashing –

    und darauf ist sie natürlich auch noch stolz, wie alle anderen Fanatiker auf ihren Fanatismus

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    1. userpic
      RPGNo1

      Haben Sie den Artikel gelesen? Ich denke nicht.

      Denn erstens ist der Autor Emrah Erken selber muslimischen Glaubens, um zweitens einem Nicht-Muslim zu erklären, dass dieser, wenn er keine Ahnung hat, doch besser geschwiegen hätte.

      Dieser Ratschlag hätte Ihnen auch gut zu Gesicht gestanden, anstatt sich wohlfeil das Maul zu zerreißen.

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      Huxley

      Der Artikel ist eine Ansammlung von Aussagen und Darstellungen.
      Nicht mehr.
      Ohne Zusammenhang. Als Schulaufsatz wäre das Note 5 (zwar was geschrieben, was vereinzelt nicht ganz falsch, jedoch unvollständig ist, aber während des Schreibens den Faden verloren und Thema verfehlt ... wenn man's genau mimmt eher 5- ; ach ja, das sind deutsche Schulnoten (!), nicht, dass es zu Missverständnissen kommt.
      Dann wird Atatürk zitiert, aber folgenlos, dann wird der politische Islam vom Islamismus getrennt, aber folgenlos.
      Im obigen Zitat geht es darum, dass mit einer Islamisierung (!) (des Abendlandes?) ja DIE Scharia eingeführt würde. Das Zitat verneint diese Befürchtung. Der Autor widerspricht (hat also die Befürchtung?) und ... liefert in der Folge allerdings keinen einzigen Nachweis, dass an dieser Befürchtung nun irgendetwas dran sein könnte.
      Wenn Islamisten tätig werden, begehen sie Straftaten. Dafür gibt's Polizei und Gerichte. Der politische Islam hingegen hat gesamtgesellschaftlich gesehen keine Schnitte. Es steht eben NICHT zu befürchten, dass nun irgend ein Teil der Scharia in der Schweiz oder in D auch nur irgendwie Rechtsgrundlage werden könnte! Das wird lediglich gebetsmühlensrtig behauptet (ja eben von Rechten!), die Belege dafür fehlen und sind auch nicht im obigen Sammelsurium von Aussagen zu finden.
      Wiedermal krasser Müll, der hier veröffentlicht wird.
      Tja und das Glaubenszeug ist freilich Irrsinn, ist aber von der Freiheit der Weltanschauung gedeckt (wie auch bei den Christen). Ach ja die Christen! Anders als Muslime nehmen die sehr wohl mit ihrem Blödsinn gehörigen Einfluss auf die Politik und das bis in die Gesetzgebung hinein: Religionsunterricht, Abtreibungsverbot, ...

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        nickpol

        Allein der Begriff der Scharia wird sehr unterschiedlich verwendet, damit verbunden jede Menge Missverständnisse. Die Anwendung der Scharia in DE gehört für deutsche Gerichte zum juristischen Alltag. Hinzu kommt die Anwendung derselben durch muslimische Institutionen. Die Problematik wird verständlich in Sachen von Familien- und Ehestreitigkeiten. Bei allen Zugeständnissen ist aber auch deutlich, dass die deutsche Rechtsordnungeinen uneingeschränkten Anwendungsvorrang in ihrem Geltungsbe-
        reich beansprucht und autonom darüber bestimmt, ob und in welchem Umfang „fremde“ Nor-
        men Anwendung finden können. Auf der Ebene des Geltungsanspruchs herrscht kein Normen-Pluralismus. Die Anwendung des Scharia-Rechts, im Sinne von religiöser Rechtssprechung in DE ist aber kein Alleinstellungsmerkmal des Islam, wir haben Kirchengerichte im Rahmen der DBK und der EKD. Jüdische Rabbinatsgerichte(Beit Din) sprechen in Sachen Glaubensübertritten, Scheidungen und Statusklärungen Recht.
        Gäbe es in DE eine saubere Trennung von Staat, Kirchen, Religionen, bräuchten wir diesen ganzen religiösen Überbau nicht. Die Privilegien der christlichen Kirchen gehören abgeschafft, macht man das nicht, wollen alle anderen Religionen diese auch für sich nutzen. Nach dem Gleichbehandlungsprinzip des Grundgesetzes steht denen das zu.

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          Huxley

          Ausnahmsweise mal kurz:
          Ich danke Ihnen für diesen Beitrag!

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