Es kommt auf die Wahrheit an

Und säkulare Humanisten sollten sie verteidigen

Es kommt auf die Wahrheit an

Foto: Pixabay.com / pruzi

Es gibt nichts Wesentlicheres für den säkularen Humanismus als die Wahrheit. Säkulare Humanisten sind die Menschen, die auf Tausende von Jahren überlieferter Autorität schauen und sagen: „Ja, tut mir leid, nein.“ Wir benötigen mehr als alte Bücher und die nahezu generelle Zustimmung aller anderen, um uns davon zu überzeugen, dass Übernatürliches real ist. Wir brauchten empirische Beweise.

Als wir keine erhielten, zogen wir die notwendigen Schlussfolgerungen.

Es bedeutet, dass die Wahrheit für uns wichtig ist. Sie ist wichtiger als unsere Akzeptanz durch die vom Glauben durchdrungene Gesellschaft. Sie ist wichtiger als unser Ruf, weder aufrecht noch moralisch zu sein (was natürlich eine unverdiente Verleumdung ist). Sie ist wichtiger als unser Ansehen in der Gemeinschaft. Und für manche ist es wichtiger als die Aufrechterhaltung der Familienbeziehungen.

Aber die Wahrheit wird gerade jetzt ununterbrochen angegriffen, und säkulare Humanisten müssen für sie eintreten, auch wenn es schwerfällt.

Den meisten von uns fiel es relativ leicht, die wahrheitsfeindlichen Tiraden des ehemaligen Präsidenten Donald Trump zu verurteilen. Seine Lügen waren so durchsichtig und ungeheuerlich, dass jeder außerhalb des MAGA-Versums sie leicht durchschauen konnte. Viele von uns schreckten vor den Realitätsverzerrungen zurück, und davor, wie sie von seinen Anhängern mit religiösem Eifer aufgesogen wurden.

Es gibt viele Beispiele dafür, wie der rechte Flügel Amerikas eine Gefahr für wahrheitssuchende Institutionen und Standards darstellt. Darauf möchte ich mich aber nicht konzentrieren.

Denn auch in progressiven Kreisen wird an der Wahrheit gerüttelt, hauptsächlich im Namen der sozialen Gerechtigkeit. Und weil so viele säkulare Humanisten dem Liberalismus zugeneigt sind, müssen wir hier Licht ins Dunkel bringen und, offen gesagt, den Wahnsinn stoppen.

Ich empfehle allen den großartigen Blog Why Evolution Is True von Jerry Coyne, den Sie kostenlos abonnieren können. Als emeritierter Biologieprofessor der University of Chicago und selbst ein klassischer Liberaler, hat Coyne die Exzesse und den Illiberalismus der aufgeweckten Linken genau verfolgt.

Es gibt kein deutlicheres Beispiel als die Art und Weise, wie die Wissenschaft verdreht wurde, um einer Agenda der sozialen Gerechtigkeit zu entsprechen.

Coyne beschreibt die Kontroverse in Neuseeland, wo die Regierung offiziell versucht, das indigene Wissenssystem der Maori, „Matauranga“ genannt, mit den wissenschaftlichen Methoden der konventionellen westlichen Wissenschaft gleichzusetzen, und dass diese andere Art des Wissens im naturwissenschaftlichen Unterricht gelehrt werden soll.(1)

Ein entsetzter Biologiekollege von Coyne in Neuseeland beschrieb einige der Göttergeschichten der Matauranga: „Tane, der Gott des Waldes, soll der Schöpfer der Menschen, aller Pflanzen und aller Kreaturen des Waldes sein. Regen entsteht, wenn die Göttin Papatuanuku Tränen vergießt.“(2)

Das Matauranga enthält einige praktische Kenntnisse, aber ein Großteil der „Wissenschaft“ ist mit Aberglauben, Geschichten und Mythen behaftet.

Eine offensichtliche Parallele ist die Lehre des Kreationismus im naturwissenschaftlichen Unterricht in den Vereinigten Staaten, die Humanisten zu Recht als Einmischung der Religion in ein weltliches Fach verurteilen. Wie Richard Dawkins in einem Tweet zu diesem Thema unverblümt feststellte: „Ein ebenso törichtes Argument wäre es, in norwegischen Wissenschaftsfächern über Wikinger ‚Erkenntnisweisen‘ zu unterrichten, über Druiden ‚Erkenntnisweisen‘ im britischen Wissenschaftsunterricht ... Navajo, Kikuyu, Yanomamo ‚Erkenntnisweisen‘ usw. Alle unterschiedlich. Wahrheiten über das Universum hängen nicht davon ab, in welchem Land man sich befindet.“

Die Wahrheit muss für säkulare Humanisten einen höheren Stellenwert haben als die Erfüllung von Gleichheitsforderungen einer Minderheit, ganz gleich, wie viel Sympathie wir für sie hegen mögen.

Ein Hauptbereich der Wissenschaft, der von der Polizei der sozialen Gerechtigkeit belagert wird - von denjenigen, die versuchen, ihre eigene Auffassung von sozialer Gerechtigkeit auf Kosten der freien Forschung und der ergebnisoffenen Suche nach der Wahrheit durchzusetzen - ist die Verhaltensgenetik. Es ist ein Gebiet, das nicht heikler sein könnte. Jeder Wissenschaftler, der sich auf diesem Gebiet betätigt, riskiert, als Eugeniker oder Rassist bezeichnet zu werden.

Kathryn Paige Hardens ausgezeichnetes Buch The Genetic Lottery: Why DNA Matters for Social Equality (Die Gen-Lotterie: Wie Gene uns beeinflussen) ist ein fortschrittliches Plädoyer dafür, dass wir akzeptieren sollten, was die Daten zeigen, nämlich dass ein komplexes Zusammenspiel von Genen eine Rolle für die persönliche Entwicklung, den Bildungsstand und letztlich für den Lebenserfolg spielt. Die Professorin für Psychologie an der University of Texas in Austin hat die riesige Menge an verfügbaren Daten untersucht, um fundierte Schlussfolgerungen zu ziehen, die erklären, wie Gene die soziale Ungleichheit zwischen Individuen verschärfen können. Sie untersuchte keine Unterschiede zwischen rassischen oder ethnischen Gruppen, aber das hat Kritiker(3) nicht davon abgehalten, sie zu diskreditieren und zu behaupten, dass das gesamte Studiengebiet ein subversives rassistisches Unternehmen sei.

Das gefährlichste Thema

Und dann ist da noch das Thema, das derzeit als am gefährlichsten von allen betrachtet wird: Welche medizinischen Maßnahmen sind für Minderjährige geeignet, die möglicherweise unter Geschlechtsdysphorie leiden? Dies ist eine medizinische Frage mit immensen Konsequenzen, und die richtige Antwort kann von einer Reihe individueller Faktoren abhängen, was dieses hochpolitische Thema zu einem medizinischen Sumpf macht.(4)

Die Politik hat sich auf skandalöse Weise eingemischt, wie z. B. durch die Anordnung des texanischen Gouverneurs Greg Abbott, staatliche Ermittler in Heime zu schicken, in denen Minderjährige geschlechtsangleichende medizinische Behandlungen erhalten, und dies mit Kindesmissbrauch gleichzusetzen.(5) Als ob diese Familien nicht schon genug Probleme hätten.

Aber auch die politische Linke überflügelt die Wissenschaft in einer Weise, die für Kinder sehr schädlich sein könnte. So wirbt James Esseks, Leiter des LGBTQ- und HIV-Projekts der ACLU, für Pubertätsblocker für Kinder als hormonelle Möglichkeit, die Pubertät zu unterbrechen, solange bis ein Minderjähriger Klarheit über seinen Zustand erlangt.(6) Er bezeichnet den Eingriff als „völlig sicher und völlig reversibel“.

Leider ist diese Aussage wissenschaftlich nicht haltbar. Der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) im Vereinigten Königreich sagt, dass es nicht genügend Daten gibt, um diese Schlussfolgerung zu ziehen. Auf der NHS-Website über die Behandlung von Geschlechtsdysphorie heißt es, dass über die langfristigen Nebenwirkungen von Pubertätsblockern „wenig bekannt“ ist und dass „nicht bekannt“ ist, ob Pubertätsblocker „die Entwicklung des jugendlichen Gehirns oder der Knochen von Kindern beeinflussen“.(7)

Es wurden nicht nur berechtigte Fragen zum angemessenen Alter für medizinische Eingriffe aufgeworfen, sondern auch die Frage, ob junge Mädchen Gefahr laufen, durch sozialen Druck übermäßig beeinflusst zu werden, den Transgender-Status zu beanspruchen. Dies ist keine große Sache, wenn es nur um Pronomen geht, aber es ist eine sehr große Sache, sobald die medizinische Wissenschaft zum Einsatz kommt. Statistiken aus dem Vereinigten Königreich zeigen, dass 70 Prozent derjenigen, die in den letzten zehn Jahren eine Transition anstrebten, Mädchen waren, die zu Jungen werden wollten(8), was sich deutlich von der Vergangenheit unterscheidet, als überwiegend Männer zu Frauen werden wollten.

Bei diesen Fragen geht es darum, die Wahrheit herauszufinden. Bereits wenn man sie stellt, zieht man den Zorn der politischen Linken auf sich und wird als transphob abgestempelt.

In einer kürzlich erschienenen Kolumne des Sozialpsychologen Jonathan Haidt, der die Heterodox Academy mitbegründet hat, hieß es, er habe bereits 2016 gewarnt, dass „der Konflikt zwischen Wahrheit und sozialer Gerechtigkeit wahrscheinlich unbeherrschbar wird“.(9) Nun, dieser Zeitpunkt ist nun gekommen.

Haidt ist aufgrund einer neuen Richtlinie aus der Society for Personality and Social Psychology (SPSP) ausgetreten. Um ein Forschungspapier auf der SPSP-Jahreskonferenz vorzustellen, reicht es nicht mehr aus, hervorragende wissenschaftliche Arbeit zu leisten. Darüber hinaus müssen sie „die Ziele der SPSP in Bezug auf Gleichberechtigung, Integration und Antirassismus“ fördern.

Haidt ist nicht gegen die Antirassismus-Ziele der SPSP. Aber wenn man jeden Redner dazu zwingt, nachzuweisen, dass seine Arbeit dieses Ziel fördert, wird die Wissenschaft zwangsläufig verzerrt. Sozialpsychologen könnten nun gezwungen sein, ihre Ergebnisse zu verfälschen, um ihre Forschung mit dieser Anforderung in Einklang zu bringen, selbst wenn ihre Forschung schlicht nichts mit dem Thema zu tun hat oder, was noch besorgniserregender ist, Schlussfolgerungen zieht, die die Polizei der sozialen Gerechtigkeit für unvertretbar halten würde.

Schließlich empfehle ich jedem säkularen Humanisten, Jonathan Rauchs wichtiges Buch The Constitution of Knowledge: A Defense of Truth. (Die Verteidigung der Wahrheit) In klaren Worten erklärt Rauch die Gefahren für unsere Gesellschaftsordnung, wenn wir nicht nur die Wahrheit, sondern auch die objektiven Regeln aufgeben, mit denen wir prüfen, ob eine Behauptung fundiert ist.

Es kann keine unterschiedlichen Regeln geben, die auf der Hautfarbe, dem Geschlecht oder der politischen Zugehörigkeit des Sprechers beruhen. Niemand hat aufgrund seiner Gruppenidentität einen höheren Anspruch auf die Wahrheit. „Wer man ist, zählt nicht“, sagt Rauch, „die Regeln gelten für alle, und Personen sind austauschbar.“

„Jeder, der versucht, Fragen oder Debatten zu unterbinden, oder jeder, der versucht, das Ergebnis einer Untersuchung oder einer Debatte vorherzubestimmen, entfernt sich per definitionem aus dem Bereich der Wissensproduktion“, schreibt Rauch.

Dies ist eine direkte Aufforderung an die Polizei der sozialen Gerechtigkeit, damit aufzuhören, Menschen, die die Kühnheit besitzen, das aktuelle progressive Evangelium in Frage zu stellen, zu canceln. Denn das Abwürgen abweichender Meinungen beschädigt die wesentlichen Grundlagen einer auf der Realität basierenden Gemeinschaft. Diese Maßnahmen, so gut sie auch gemeint sein mögen, tragen dazu bei, die wissensbasierte Welt zu demontieren. Die Welt, die säkulare Humanisten zu unterstützen und zu schützen sich verpflichtet haben, und vor allem die Welt, die wir brauchen, damit wir weiter gedeihen können.

Robyn E. Blumner ist CEO und Präsidentin des Center for Inquiry und Executive Director der Richard Dawkins Foundation for Reason & Science.

Übersetzung: Jörg Elbe

Anmerkungen

(1). Jerry Coyne, “Maori ‘Ways of Knowing’ to Be Taught as Science in NZ Universities,” Why Evolution Is True, December 8, 2021. Available online at https://whyevolutionistrue.com/2021/12/08/maori-ways-of-knowing-to-be-taught-as-science-in-nz-universities/.

(2). Jerry Coyne, “’Ways of knowing’: New Zealand Pushes to Have ‘Indigenous Knowledge’ (Mythology) Taught on Parity with Modern Science in Science Class,” Why Evolution Is True, December 3, 2021. Available online at https://whyevolutionistrue.com/2021/12/03/ways-of-knowing-new-zealand-pushes-to-have-indigenous-knowledge-mythology-taught-on-parity-with-modern-science-in-science-class/.

(3). M. W. Feldman and Jessica Riskin, “Why Biology Is Not Destiny,” The New York Review, April 21, 2022. Available online at https://www.nybooks.com/articles/2022/04/21/why-biology-is-not-destiny-genetic-lottery-kathryn-harden/.

(4). Azeen Ghorayshi, “Doctors Debate Whether Trans Teens Need Therapy Before Hormones,” The New York Times, January 13, 2022. Available online at https://www.nytimes.com/2022/01/13/health/transgender-teens-hormones.html.

(5). Sneha Dey and Karen Brooks Harper, “Transgender Texas Kids Are Terrified after Governor Orders That Parents Be Investigated for Child Abuse,” The Texas Tribune, February 28, 2022. Available online at https://www.texastribune.org/2022/02/28/texas-transgender-child-abuse/.

(6). James Esseks, “We’re Suing Arkansas Over its Ban on Health Care for Trans Youth,” ACLU.org, May 25, 2021. Available online at https://www.aclu.org/news/lgbtq-rights/were-suing-arkansas-over-its-ban-on-health-care-for-trans-youth.

(7). National Health Service, “Treatment: Gender Dysphoria,” May 28, 2020. Available online at https://www.nhs.uk/conditions/gender-dysphoria/treatment/.

(8). Jamie Doward, “‘Take These Children Seriously’: NHS Clinic in the Eye of Trans Rights Storm,” The Guardian, November 18, 2017. Available online at https://www.theguardian.com/society/2017/nov/19/nhs-clinic-trans-rights-storm-gender-identity-specialist-centre-transgender.

(9). Jonathan Haidt, “The Two Fiduciary Duties of Professors,” Heterodox: The Blog, September 20, 2022. Available online at https://heterodoxacademy.org/blog/the-two-fiduciary-duties-of-professors/.

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Kommentare

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    Uwe Lehnert

    Ein lesenswerter Artikel, mutig in seiner Aussage. Sich mit der Frage zu befassen, ob die Forderung nach „sozialer Gerechtigkeit“ mehr Gewicht habe als die pure Wahrheit aufgrund der Fakten, kann in der Tat schnell mit sozialer Ächtung enden.

    Ich erinnere mich, dass in den 1970er und 1980er Jahren es den eigenen Ruf ruinieren konnte, wenn man sich in der Erziehungswissenschaft auf Studien berief, dass Intelligenz – gemessen mit den üblichen Tests – zu erheblichen Teilen erblich sei und dass es Unterschiede in der Verteilung von Intelligenz gäbe zwischen den Ethnien Europas und zum Beispiel Asiens oder Afrikas.

    Ähnlich dominant in seiner Rolle als quasi Gegengewicht zur „Wahrheit“, vielleicht sollte man eher sagen: als Garant für die richtige Erkenntnis, war es in DDR-Literatur üblich, sich eingangs zu der „richtigen“ ideologischen Position zu bekennen. Insbesondere in Abschlussarbeiten in Psychologie oder Pädagogik, die ich seinerzeit gelegentlich auch auswertete, war ich es gewohnt, auf den ersten Seiten ein Bekenntnis zum Marxismus und dem Dialektischen Materialismus zu lesen, nicht zuletzt auch eine Würdigung zur „führenden Rolle“ der Partei.

    Eigentlich überflüssig hier an den Begriff „Wokeness“ zu erinnern als Ausdruck für ein „erwachtes“ Bewusstsein für mangelnde soziale Gerechtigkeit und Rassismus. Wobei zu betonen ist, dass „soziale Gerechtigkeit“ selbstverständlich nicht abzulehnen ist. Aber sie darf nicht der Wahrheit entgegenstehen, indem sie in konkreten Fällen mehr oder allein ausschlaggebendes Gewicht erhält, als die Fakten tatsächlich belegen. Es handelt sich, wie in obigen Artikel deutlich wird, um eine Art Kategorienfehler. Einerseits geht es um das Sollen, nämlich die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, andererseits um das durch die Fakten bestimmte Sein.

    Beispiel: Man ist nicht „islamophob“ und beleidigt und wertet die Gruppe der Muslime ab, wenn man sachliche und mit nachvollziehbaren Argumenten Kritik an der islamischen Glaubenslehre übt. Seitens der heutigen regierenden Politiker gehört es (fast) zum Standardrepertoire der Bewertung islamkritischer Aussagen, ob begründet oder nicht, diese als ausländerfeindlich und rassistisch abzukanzeln. Gemäß dem Motto: Egal ob es stimmt oder nicht, aus Gründen der vermeintlichen Fairness gegenüber einer sozialen Gruppe: die Fakten haben zurückzustehen!

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      Jörn Dyck

      Eine bewährte Methode, sich der Wahrheit zu nähern, besteht darin, klar und präzise ein Thema zu nennen und dann dabei zu bleiben. Dem Artikel gelingt dies nur teilweise. Immerhin wurde ein Zusammenhang von Donald Trump, Humanismus, Evolution, Geschlechtsanpassungen und Wikingern aufgezeigt. Wer hätte das vermutet?

      Ich würde für mich persönlich nicht unterschreiben, dass Wahrheit immer das höchste Gut ist. Natürlich kann man mit dieser laxen Einstellung keine Wissenschaft betreiben, sondern höchstens eine Bank leiten. Aber zu Beginn des Artikels hieß es, an unserer noblen Wahrheitsliebe würden manchmal auch Familien zerbrechen. Und da frage ich mich schon, ob hier nicht ein paar soziale Fähigkeiten hilfreich wären, die oft darin bestehen, etwas zu überhören oder einem Thema aus dem Weg zu gehen. Das Leben ist eben keine Wissenschaft — und falls doch, dann die schwierigste von allen.

      Humanismus ist als Konzept notwendigerweise abstrakt. Aber Menschen sind konkret. Das menschliche Leben ist voller Kompromisse, Halbheiten und Irrtümer. Deswegen habe ich ein Unbehagen damit, den Menschen festzunageln auf ein abstraktes Konzept: "Du bist Humanist! Du bist der Wahrheit verpflichtet!". Denn wir haben alle eine tiefkatholische Tante und einen kiffenden Onkel, und da ist uns nicht geholfen, wenn wir recht haben. Sondern man muss abwägen, wann es sich lohnt, die Rüstung anzulegen und die Lanze in die Hand zu nehmen.

      Wissenschaftler haben's da schwer. Es ist nicht so einfach, herauszufinden, ob der Onkel nur deshalb zu kiffen begann, weil die Tante so katholisch war.

      Oder war es andersrum?

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