Sinnlose Forschung statt Politik für die Menschenrechte
Vortrag auf der Skepkon 2026 (14. bis 16. Mai 2026 in Regensburg), dem Jahreskongress der Skeptiker: Wenn Politik in dringenden Fragen der Realität nicht ins Auge blicken und keine Maßnahmen ergreifen will, weil sie die Konsequenzen fürchtet, hat sie verschiedene Möglichkeiten, die Legislaturperiode untätig zu überstehen. Ein besonders prominentes Beispiel findet sich am Beispiel der Prostitutionspolitik, die - kurios genug - in den Zuständigkeitsbereich des Familienministeriums fällt.
Während fast der gesamten Ampel-Koalition durfte das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen das Prostituiertenschutzgesetz in Hinblick auf seine Zielerreichung evaluieren, obwohl dieses Gesetz auch ohne jede Forschung für jedermann offensichtlich nur sehr eingeschränkt wirksam werden konnte: nämlich nur für die 10 - 20% der Frauen, die der gesetzlichen Anmeldepflicht nachgekommen waren. Der Rest ist Dunkelfeld - und das zu evaluieren, stand nicht im Auftragsbuch. Außerdem war das Prostituiertenschutzgesetz von 2017 nur ein Gesetz, das die Auswirkungen des ohnehin vollständig gescheiterten Prostitutionsgesetzes von 2002 verbessern sollte.
Täglich berichten die Medien über Gewalt im System Prostitution, das Völkerrecht spricht eine deutliche Sprache, selbst die Satiresendung die Anstalt hat das Thema kompetent aufgegriffen, samt Faktencheck.
Von Relevanz kann bei dem eng umrissenen, auf ein gescheitertes Gesetz fokusierten Forschungsauftrag also keine Rede sein. Das Ergebnis der dreijährigen Forschungstätigkeit: Das Prostituiertenschutzgesetz habe „Potenzial“.
Eine solide sozialwissenschaftliche Studie über die ZIELERREICHUNG des Gesetzes konnte schon deshalb nicht abgeliefert werden, weil es keine Vergleichsdaten gab. Repräsentativ war die Studie auch nicht, wie der Projektleiter einräumen musste.
Und die Methode? Die Erhebung der Daten erfolgte per Online-Befragung, die über Portale und Bordellbetreibende verteilt wurden. Die Rücklaufquote von über 80% war ebenso unglaublich wie die Ergebnisse, über die die Fachwelt nur staunen konnte: So viele Akademikerinnen und bestens sozial-versicherte Fachkräfte in einem Bereich, dem Manipulation, Ausbeutung und Gewalt immanent ist? Wer die Fragen beantwortet hat, blieb letztendlich völlig unklar. Es gebe aber "keinen Beweis" für hundertfachen Betrug, meinte wiederum der Projektleiter bei der Präsentation am 1.9.2025.
Das Ergebnis des millionenteuren Unterfangens? Eine Materialschlacht mit 600 Seiten von fragwürdiger Relevanz und Seriosität, die von fast allen relevanten Akteuren in dem Feld kritisiert wurde. Eher ein Fall für den Bundesrechnungshof als Grundlage für Entscheider.
Das Interesse an den Frauen in der Prostitution? Bei einem qualitativen Teil wurden nur 17 Betroffene befragt, im Schnitt 30 Minuten lang.
Die Ergebnisse waren also weder relevant noch repräsentativ, und vermutlich einfach falsch. Dafür aber statistisch genau bis auf die zweite Stelle nach dem Komma erfasst. Eine Farce!
Trotz der fragwürdigen Auftragsstellung, die sinnvolles wissenschaftliches Arbeiten kaum möglich machte, wurde der Forschungsauftrag vom KFN angenommen. Und trotz der fragwürdigen Ergebnisse hat das BMBFSFJ die Evaluation akzeptiert, statt sie als Fehlleistung der Vorgängerregierung zurückzuweisen.
Diese bildet jetzt die Grundlage, auf der eine Expertenkommission weiter über Strategien und Maßnahmen in Hinblick auf die künftige Prostitutionspolitik diskutieren darf. Die Leitung der Kommission wurde wieder dem Projektleiter der Evaluation übertragen, der auch mit der Auswahl seines Teams betraut wurde.
Was sich hier zeigt, ist, wie Politik die Lösung von Problemen mit Hilfe einer dienstbereiten Wissenschaft zu verhindern versucht. Denn es gibt, wie unzählige aktive NGOs in den Bereich längst nachgewiesen haben, im Feld Prostitution längst kein Erkenntnisdefizit mehr, nur noch ein Umsetzungsdefizit.
Wer wissenschaftlich plausibel die Argumente des Vortrags widerlegt, kann einen Forscherpreis von 1.000 € gewinnen.
Dieses Video wurde zerst auf den Youtube-Kanal Selber Denken Weiter Denken veröffentlicht.
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