Jede menschliche Vorstellung des Unbegrenzten begrenzt das Unbegrenzte
Ja, aber der Hauptfehler hat nichts damit zu tun, dass unser Vorstellungsvermögen begrenzt ist. Vor allem, weil Gläubige zwar gerne generell von der Begrenztheit des allgemeinen menschlichen Verstandes reden, aber nicht glauben, dass dies auch ihre Vorstellungen beeinflussen könnte.
Sie übersehen zudem, dass man dem menschlichen Denken keine Grenze ziehen kann. Denn um eine solche Grenze zu definieren, müsste man sich ihr von zwei Seiten nähern: dem, was man weiß, und dem, was man nicht weiß. Da man nicht wissen kann, was man nicht weiß, ist letzteres logisch unmöglich. So sagte Wittgenstein in seinem Werk „Tractatus logico-philosophicus“ in der Einleitung.
Zudem begrenzt nicht jede Vorstellung des Unendlichen das Unendliche. In der Mathematik kann man hervorragend mit dem Unendlichen (oder Unbegrenztem) umgehen. In der Vorstellung der Gläubigen werden daher bestimmte Eigenschaften Gottes auch als unbegrenzt gedacht. Die Frage ist aber auch, ob das stimmt. Denn es wäre ebensogut möglich, dass die Eigenschaften Gottes oder seine Macht begrenzt sind. Das will nur kein Gläubiger wahrhaben, aber es gibt keine soliden Argumente dafür, warum Gott in einer Form unbegrenzt ist. Es ist daher eher so, dass man sich eine Begrenztheit nicht vorstellen kann, und daher Gott immer weiter aufgeblasen hat, bis zur Unbegrenztheit in jeder Hinsicht.
Wann immer also jemand über Gott redet, kommt ein anderer daher und sagt: „Das ist nicht Gott, denn ich kann mir einen Gott vorstellen, der größer ist.“ Ja, vorstellen kann man sich viel. Die Frage ist doch, welche Gründe es dafür gibt, die eine Vorstellung einer anderen vorzuziehen. Dafür werden nie Gründe genannt, weil es keine gibt, über die man sprechen möchte.
Der Grund dafür, warum jede Gottesvorstellung prinzipiell falsch ist, ist ein ganz anderer, als ihn Gläubige vorbringen. Die Anzahl logisch möglicher Götter ist unzählbar unendlich, jede Auswahl eines spezifischen Gottes hat daher eine Wahrscheinlichkeit von eins zu unendlich. Damit beträgt die Wahrscheinlichkeit, an den richtigen Gott zu glauben, annähernd null.
Warum wird also Gott als unbegrenzt gedacht? Das hat nur mit reinem Wunschdenken zu tun. Es gäbe keine monotheistischen Religionen und keine Verehrung von Gott, wenn der gedachte Gott nicht die drei sehnsüchtigsten Wünsche der Menschen bedienen würde. Gott ist der Sklave der menschlichen Wünsche. Er muss eine Welt erschaffen können, in der es kein Leid und Elend und keine Übel mehr gibt. Wir leben nach dem Tode weiter in diesem Paradies, das muss Gott auf unbekannte Weise möglich machen. Dort wollen wir dann unsere verstorbenen Verwandten und Freunde wiedersehen. Zusätzlich wünschen wir uns noch eine gerechte Welt. Kann ein begrenzter Gott diese Garantien geben? Eher nicht, also muss man Gott mit unbegrenzter Macht ausstatten, damit er die Wünsche bedienen kann. Das ist der wahre Grund, einen anderen gibt es nicht. Aber wären diese Gründe dem Gläubigen bewusst, so würden sich Risse in seinem Glauben auftun, und das will er nicht.
Christen fühlen sich zudem mit ihrem Monotheismus überlegen, weil ihr Gott immer mächtiger gedacht wurde als alle konkurrierenden Gottheiten. Welcher Gott als besser angesehen wird, ist das Ergebnis eines Schwanzlängenvergleichs, und da gewinnt man mit unendlich immer. Aber was weiß man schon über Gott? Nichts. Und auch wenn man die Bibel heranzieht, wird es nicht besser. Denn in der Bibel ist Gott keineswegs allmächtig oder der Schöpfer des Universums. Aber das ignoriert man geflissentlich. Man argumentiert nur dann mit der Bibel, wenn es dem eigenen Vorteil dient.
Der Gott der Bibel erschafft die Welt nicht, sondern ordnet sie nur. Im Garten Eden muss Gott nach Adam suchen, weil er nicht weiß, wo der sich versteckt hat. In einer Schlacht kann Gott den Israeliten nicht helfen, weil der Feind Streitwagen aus Metall besitzt. Hätte man die Bibel aufmerksam gelesen, wüsste man das. In der Bibel steht auch, dass Gott das Böse erschaffen hat. Auch das will man nicht wissen.
Man beruft sich also auf den Teil der Bibel, der mit dem übereinstimmt, was man sich wünscht, und ignoriert den Rest. Mit der Welt verfährt man ebenso. Man wird schon einen Weg finden, diese Welt voll Hunger, Leid und Elend einem allmächtigen Gott zuzuschreiben, ohne ihn für alles Schlechte verantwortlich zu machen.
Alles, was man von Gott zu wissen glaubt, stammt von anonymen Autoren aus der Antike, deren Schriften mehrfach überarbeitet wurden, und die ihre Kenntnis teilweise per stiller Post bekamen und teilweise von Menschen wie Moses, die nie existiert haben. Diese Schriften interpretiert man dann recht willkürlich, damit herauskommt, was man sich wünscht. Darin verfolgt man irgendwelche selbsternannten Autoritäten, die man sich willkürlich ausgesucht hat, meist, weil man als Kind indoktriniert wurde. Dann benutzt man genau die Intuition, die schon in unserer Welt größtenteils versagt, um sie dann auf etwas anzuwenden, was man sich nicht vorstellen kann. Man bemerke die Ironie.
Alles, was man an Gründen angeben kann, ist lächerlich bis völlig verrückt. Was tut man nicht alles, um eine fixe Idee zu verteidigen,
Gott ist der, über den hinaus man sich niemanden mehr vorstellen kann, der besser dazu geeignet wäre, die eigenen Wünsche und Hoffnungen zu bedienen.
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