Kann man die Existenz Gottes nachweisen?

Der eingreifende-nicht eingreifende Gott

Kann man die Existenz Gottes nachweisen?

Foto: Pixabay.com / tschoenemeyer

Dazu müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Die erste Bedingung ist, dass es so etwas wie einen Gott gibt. Die zweite ist, dass dieser Gott in die Geschehnisse auf der Erde eingreift.

Es gibt eine Menge Christen die behaupten, dass Gott mit der Erschaffung der Welt bereits in diese eingegriffen hat. Wenn man also nachweisen könnte, dass dies so geschehen ist, dann hätte man einen deistischen Gott. Dieser hat die Welt erschaffen, greift aber seitdem nicht mehr in ihren Ablauf ein.

Den Grund für diese Annahme kann man mit einer Analogie erklären: Angenommen, ich kaufe ein Auto, das angeblich perfekt sein soll. Wenn aber dauernd, während der Fahrt und wenn das Auto steht, der Mechaniker vorbeikommt, hier etwas dreht, da etwas festschraubt, und ohne sein regelmäßiges Eingreifen der Wagen nicht läuft - würde ich dann weiterhin denken, dass das Auto perfekt ist, oder würde ich nicht vielmehr sagen: Was für ein Schrott! Das Ding läuft ja nicht ohne das permanent jemand daran herumbastelt.

Das ist die eine Seite. Viele Christen sind im Grunde genommen Deisten, die ein ständiges Eingreifen Gottes für überflüssig halten, so wie ein Uhrmacher nicht ständig in sein Werk eingreifen muss, um es am Laufen zu halten. Es reicht, wenn der Benutzer die Uhr regelmäßig aufzieht oder die Batterie wechselt. Je mehr man nachstellen muss, umso weniger perfekt sehen wir die Uhr an. Wenn die Uhr jeden Tag fünf Minuten vorgeht, und ich sie jeden Tag nachstellen muss, sehe ich mich nach einer anderen Uhr um, weil die vorhandene sicher nichts taugt.

Ein Gott, der nicht in die Welt eingreift, wäre nicht nachzuweisen. Jetzt denken viele, dass die Uhr ja einen Uhrmacher benötigt, und um wie viel mehr braucht dann die Welt einen analogen „Weltenmacher“, also Gott. Aber das ist ein geradezu klassischer Fehlschluss, warum habe ich bereits so oft erklärt, dass ich es hier nicht wiederholen werde. Ein Nachweis für Gott ist das ganz sicher nicht. Was bedeutet, dass bei einem nicht eingreifenden Gott jeder Nachweis unmöglich ist.

Was ist, wenn Gott eingreift?

Was ist, wenn Gott eingreift? Dann wäre es möglich, ihn nachzuweisen - nur ist das bisher niemandem gelungen. Im Gegenteil, je mehr Details wir betrachten, je genauer wir hinschauen, umso weniger sehen wir von einem Eingreifen Gottes. Was für gewöhnlich dafür ausgegeben wird, sieht sehr nach Aberglauben aus: So soll die Regelmäßigkeit der Welt ein Beweis für Gott sein, aber Wunder, wenn etwas nicht regelkonform läuft, auch. Das ist so, als wenn ich sage, mein Auto ist perfekt, es erfordert keinen Mechaniker. Ja, könnte jemand entgegnen, aber gestern habe ich gesehen, wie ein Mechaniker etwas an Deinem Auto gemacht hat. Wenn ich dann antworte, dass sei umso mehr ein Beweis dafür, wie perfekt das Auto ist, dann würde man denken, ich hätte irgendwie den Schuss in der Socke nicht gehört, den ich habe. Christen, die das nicht merkwürdig finden, beweisen zu welchen glanzvollen Irrtümern Menschen imstande sind, mehr nicht.

Gott ist immer alles zugleich: Greift ein, greift nicht an, sorgt für Regeln, durchbricht die Regeln, lässt sich erfahren, ist keiner menschlichen Erfahrung zugänglich, lässt sich mit dem Verstand erfassen, geht über den menschlichen Verstand, lässt sich durch Logik nachweisen, gehorcht keiner Logik, will, dass wir an ihn glauben, zeigt sich aber nicht, ist offensichtlich, versteckt sich aber… dass so ein Gott nicht existieren kann, steht außer Frage. So etwas funktioniert nur in der Fantasie, die man braucht, weil sich das mit keiner Realität vereinbaren lässt.

Wer sich seinen Gott so fantastisch zurechtkonstruiert, muss sich nicht darüber wundern, dass es Atheisten gibt. Denn dieser eingreifende-nicht eingreifende Gott ist soweit von jeglicher Vernunft entfernt, dass die Annahme einer flachen Erde damit im Vergleich wie ein Geniestreich wirkt.

Der Gott, der nicht eingreift, ist irrelevant. Der Gott, der eingreift, ist nicht perfekt und existiert offensichtlich nicht und wäre nicht einmal ein Gott, wenn er existieren würde. Deswegen muss man an Gott glauben: denn alle vernünftigen Verfahren haben nichts eingebracht, was an Gott erinnert. Der Gott, der über der Vernunft steht, ist unvernünftig, denn außerhalb der Vernunft gibt es nur Unvernunft. Der Gott, der nicht der Logik gehorcht, ist purer Unsinn, weil ohne Logik - Regeln des vernünftigen Denkens - gibt es nur reinen Unsinn.

Kommentare

Neuer Kommentar

(Mögliche Formatierungen**dies** für fett; _dies_ für kursiv und [dies](http://de.richarddawkins.net) für einen Link)

Ich möchte bei Antworten zu meinen Kommentaren benachrichtigt werden.

* Eingabe erforderlich