Religionen als Rasse?

Warum es von manchen so behandelt wird

Religionen als Rasse?

Foto: Pixabay.com / msandersmusic

Vermutlich ist damit der Islam gemeint: Anti-Islamismus wird von einigen interessierten Gruppen als eine Art Rassismus angesehen.

Der Grund ist einfach: Immunisierung gegen Kritik.

Rassismus hat, völlig zurecht, bei uns einen schlechten Ruf. Der ursprüngliche Rassismus bestand darin, Menschen zu unterstellen, sie gehörten einer anderen, „minderwertigen“ Rasse an, weil sie eine andere Hautfarbe hatten. Für mich gehört das zur Kategorie: Menschen können besser gucken als denken.

Das Problem des Rassismus ist, dass Zugehörigkeit zu einer (erfundenen) Rasse, also einer willkürlich gebildeten Gruppe, immer mit einer Abwertung einhergeht. Biologisch gesehen gibt es keine menschlichen Rassen. Wenn man anfängt, willkürliche Kriterien wie Hautfarbe oder anderes einzuführen, liegt die Anzahl der verschiedenen Rassen bei Menschen zwischen 0 und der Anzahl aller Menschen. Auf die Frage „Wie viele menschliche Rassen gibt es?“ ist jede Antwort zwischen 0 und knapp acht Milliarden gleich „richtig“ oder falsch. Man hat sich nie einigen können, wie viele menschliche Rassen es gibt.

Rassismus zweiter Art ist die Unterscheidung der Menschen nach biologischer Herkunft. Das haben die Nazis gemacht, als sie Juden als „Rasse“ definiert haben. Auch das ist reine Willkür bei der Gruppeneinteilung. Die willkürliche Einteilung von Menschen in Gruppen dient der Denkökonomie - oder kurz, ist eine Folge von Denkfaulheit, wenn man es weniger vornehm ausdrückt.

Unterscheidung nach Aussehen oder Herkunft scheint den Vorgang weniger willkürlich zu machen als er ist.

Man hat also recht: Rassismus ist eine üble menschliche Sichtweise, die von Denkfaulheit bis Dummheit geprägt ist, und die in der Vergangenheit wie heute üble Konsequenzen hatte und hat. Es handelt sich um die Art von Dummheit, die zur ideologischen Manipulation mit mörderischen Konsequenzen ge- und missbraucht wurde.

Jetzt gibt es eine „dritte Welle“ (dritte Art) des Rassismus. Diese behält die willkürliche Einteilung von Menschen in (meist zwei) Gruppen bei, und wertet die eine Gruppe gegenüber der anderen ab. Ironischerweise bezeichnen sich die Anhänger des neuen Rassismus selbst als „Antirassisten“, bloß, weil jetzt nicht mehr Schwarze gegenüber Weißen abgewertet werden, sondern man es umgekehrt macht. Erinnert an „Kapitalismus ist die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, im Sozialismus macht man es umgekehrt“. Rassismus ist die Abwertung von Schwarzen gegenüber Weißen, die Antirassisten machen es umgekehrt… als ob dies besser sei.

Man kann eine Haltung sofort diskreditieren, das ist der Nebeneffekt, wenn man sie als „rassistisch“ bezeichnet. Wenn es also Leute gibt, die islamkritisch sind, kann man deren Haltung pauschal abwerten, in denen man ihnen „Rassismus“ unterstellt. Das wendet sich wieder an die Leute, die besser gucken als denken können: Ich sehe, wer ein Muslim ist, ich unterscheide zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, ich werte eines davon ab, also bin ich Rassist. Dieser Vorwurf wird gegen Islamkritiker wie auch mich gerne erhoben, weil es schwer ist, sich gegen diese moralische Rassismuskeule zu wehren.

Argumentum Ad Hominem

Dazu kommt erschwerend, dass man heute in ideologischen Kreisen versucht, die Unterscheidung zwischen „Kritik einer Idee“ und „Kritik einer Person“ aufzuheben. Diese Art „ideologisch induzierter Dummheit“ ist überraschenderweise auch bei ansonsten intelligenten Menschen verbreitet. Was ich kritisiere ist der Islam und bestimmte Denkweisen, genauer, ich bin in erster Linie Ideologiekritiker: Ich kritisiere Ideen, die nichts mit der Realität zu tun haben. Man kann, beispielsweise, Menschen nicht in zwei Gruppen einteilen und behaupten, die eine Gruppe sei in irgendeiner Form „besser oder schlechter“ als die andere, ohne dass man dazu harte Fakten in Form ausführlicher, wissenschaftlicher Analysen hat. Vor allem, und dies unabhängig davon, kann man von Gruppen nicht auf Individuen zurückschließen - die Falschheit dieser Idee kann man sogar mathematisch (statistisch) beweisen.

Es ist inzwischen schwer geworden, im Internet etwa das Christentum zu kritisieren, ohne dass sich jemand persönlich angegriffen fühlt. „Es ist unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.“ (Georg Christoph Lichtenberg). Die ideologische, reflexhafte Abwehr besteht darin, sich über die Kritik an der eigenen Person aufzuregen ("Empörealismus"), zu empören, ohne die Idee inhaltlich zu betrachten. Wer sich aufregt, dessen Denkvermögen ist eingeschränkt, gleich, wie intelligent er auch sonst sein mag (dazu gibt es tatsächlich wissenschaftliche Untersuchungen, nebenbei). Man wehrt also die Kritik ab, ohne dass man sich genötigt fühlt, inhaltlich-sachlich auf die Kritik einzugehen. Ironischerweise meist verbunden mit dem Vorwurf der Unsachlichkeit - genau den, den man gerade selbst in die Debatte eingeführt hat.

Bei den Menschen, die anfällig für so ein ideologisches Manöver sind, das ist leider die Mehrheit, hat man damit aus einem „Argument gegen eine Sache“ (Richtigkeit oder Falschheit einer Behauptung) ein „Argument gegen die Person gemacht“, was ja einen Denkfehler darstellt. Jetzt, und daran erkennt man seine Pappnasen, wird auch gegen die Person des Kritikers „argumentiert“, oder kurz, er wird herabgesetzt. Weil der ja angeblich damit angefangen hat (Strohmann plus Kleinkindermoral in einem Aufwasch).

Indem man also einen Kritiker des Islam pauschal als einen „Rassisten“ vorverurteilt, so wenig Substanz das auch haben mag, hat man die Argumente gegen den Islam „abgewehrt“, nicht inhaltlich, sondern über den manipulativen Mechanismus der persönlichen Herabsetzung. Man hat sich gegen die inhaltliche Kritik immunisiert. Die Argumente werden nicht mehr betrachtet, denn jetzt hat der Kritiker alle Hände voll zu tun, diese erfundene Anschuldigung zurückzuweisen. Denn der Vorwurf, Rassist zu sein, ist heftig. Indem man die Zugehörigkeit zum Islam als Rasse definiert, kann man den Kritiker Rassismus vorwerfen. Erfunden hat diese Strategie m. W. Ayatollah Khomeini für den Islam. Sie war vorher schon im Gebrauch durch diverse linke Bewegungen gegen andere unliebsame Personen, die dann auch mit Sympathie auf diese an sich verwerfliche Strategie reagiert haben.

Wenn man gegen eine Kritik sachlich nichts einzuwenden hat, funktioniert die Methode, den Kritiker auf einer persönlichen Ebene zu denunzieren und zu verleumden, bei einer Mehrheit. Statt Gegenargumente gibt es jetzt sozialen Gegenwind, bis hin zum Shitstorm. Dumme Menschen kapieren den Unterschied zwischen „Kritik einer Idee und Kritik einer individuellen Person“ nicht, intelligente Demagogen nutzen diesen Mangel an intellektueller Redlichkeit bei der Mehrheit aus, um darauf ihr ideologisches Süppchen zu kochen.

Kommentare

  1. userpic
    badhofer

    Alles begann vor 2000 Jahren
    Eine Philosophie kam in die Welt. Dreihundert Jahre später erkennen die Herrscher des Römischen Reiches, dass sich mit der Unterwürfigkeit dieser Philosophie ihr Volk leichter lenken lässt. Deshalb wird sie am 27. März 380 zur Staatsreligion erhoben. Später wird man diese Religion Christentum nennen.
    .
    Symbolisches Startkapital ihrer Staatsreligion: 1 Euro.

    Die Unterwürfigkeit ist auch die Garantie dafür, dass es in Folge niemand wagen wird, dieses in Zukunft ständig wachsende Kapital anzurühren. Und gegen die Ungläubigen wird aufgerüstet. Heute mehr denn je. Die Ungläubigen rüsten ebenfalls auf. Notwehr ist das bei denen.

    Und dann geht das Römische Reich unter. Jedoch nur das Reich geht unter, nicht aber das Kapital seiner Religion. Dieses Kapital bleibt erhalten. Später übernimmt dieses Kapital das „Heilige Römische Reich“, dass sich als Nachfolger des Römischen Reiches sieht. Doch auch dieses Reich geht unter. Das Kapital seiner Religion bleibt jedoch weiterhin erhalten. Auch waren Teile sowohl des Römischen Reiches als auch des Heiligen Römischen Reiches bereits vor ihrem Untergang mit ihrer Religion verschmolzen und dessen Kapital ist dadurch ebenfalls in ihrer Religion erhalten geblieben. Und es ist im Laufe der Zeit zum größten Imperium aller Zeiten gewachsen.

    Wie groß ist das Kapital des größten Imperiums aller Zeiten heute und wem gehört es überhaupt?
    Wem gehören 1,9 Trillionen Euro?
    dies

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