Schlumpfmenschen

Ein Zwischenruf

Schlumpfmenschen

Foto: Pixabay.com / ElisaRiva

Schlumpfmenschen glauben, in einem globalen Schlumpfdorf zu leben, voller identischer Schlümpfe, abgesehen von trivialen, aber umso entscheidenderen Eigenarten, von denen sie ständig reden. Besonderheiten wie „Transschlumpf“, „Queerschlumpf“ oder „PoCschlumpf“ nehmen sie wichtig; sie glauben, dass ihre Marotten, die sie für Einzigartigkeiten halten, den anderen Schlumpfmenschen ebenso am Herzen liegen sollten wie ihnen selbst und vergessen dabei den Arbeits- und Steuerzahlschlumpf, der seine Stromrechnung nicht mehr zahlen kann.

Schlumpfmenschen sind vollkommen unfähig, über ihre persönliche Ebene hinauszublicken, besonders, wenn sie in Berlin wohnen.

Meine ehemaligen LGBTQWERTY-Freunde sehe ich auf die Barrikaden gehen; natürlich nur vor dem inneren Auge, denn sie lesen hier schon lange nicht mehr mit, daher „ehemalig“. Sie meinen, ich griffe sie an, wogegen sie sich mit kulturlinksüblichen Methoden zur vermeintlichen Wehr setzen, also die Person statt die Meinung attackieren. Das sei über „der Zweck heiligt die Mittel“ hinaus nicht weiter ausgeführt.

„Ja, aber du greifst sie doch an?“

Nein, auch wenn sie das so verstehen, weil sie über persönliche Ebenen nicht hinausdenken können. Ich habe nicht den geringsten Einwand gegen ihre geschlechtliche Selbstverortung, sondern etwas dagegen, die erstens ständig um die Ohren gehauen zu bekommen und zweitens in Verhaltensrichtlinien gegossen zu sehen, die teils („m/w/d“) Gesetzesform annehmen.

Wer sich im falschen Körper wähnt (was übrigens pikant ist, sind doch Geschlechterrollen gemäß herrschender Orthodoxie erlernt, können also ebenso entlernt werden wie meine Auffassung, es gäbe nur zwei Geschlechter), soll meinethalben alle Möglichkeiten haben, das zu ändern, die er sich wünscht. Er soll mich nur nicht qua Vorschrift dazu zwingen, ihm auf Kosten aller anderen dabei zu helfen, durch Lernen der Pronomen etwa, die er/sie/xirks sich ausgedacht hat und die morgen anders lauten, damit er/sie/xirks mir die Schibboleth-Falle erneut stellen kann.

Ein biologischer Mann, dem es gelingt, durch Selbstmodifikation als Frau wahrgenommen zu werden, hat ihr Ziel erreicht. Und wenn sie alle paar Wochen mal mit „er“ statt „sie“ oder „xirks“ bepronomst wird, dann muss sie das aushalten, so wie ich seit vier Jahrzehnten aushalte, dass Kinder fragen „Mama, warum hat der Mann lange Haare?“. Das ist kein „extremes Leid“. Und wenn doch, ist es nicht mein Problem, sondern Xirkses, der/die/dxirks(<-seht ihr das Problem hier?) an sich selbst leidet.

Wahrscheinlich hätten 95 Prozent der Menschheit gern einen anderen Körper, mit geraderer Nase, grüneren Augen, zehn Zentimetern mehr Augenhöhe, Locken, anderer Körbchengröße, makelloserer Haut. Viel Vergnügen beim Altwerden. Wie hieß es bei „Being John Malkovich“ – „ein anderer Körper ist auch keine Lösung“.

„Ja, aber Geschlechtsidentität ist etwas Besonderes! Und Rass… oh, das darf ich nicht sagen… also, wenn man nicht weiß ist, das ist auch etwas Besonderes!“

Show me the data. Zeigt mir die Studien, aus denen das hervorgeht, nach akademischen Standards, womit nicht die Aktivistenregeln der Gender Studies gemeint sind. Wir rühren hier an einen zentralen Punkt, der mir in linkspostmodernen Argumentationen immer wieder begegnet: Wer das Opfer ist, typischerweise also Angehöriger einer gefühlten Minderheit, hat deshalb das Recht, zu definieren, worin der Opferstatus besteht. Wegen seiner Gefühle.

Wer mit dem Begriff nicht vertraut ist, den bitte ich, „Zirkelschluss“ zu ergoogeln. Das geht so nicht. Warum nicht? Weil es, unhinterfragt, ein unberechenbares kritikimmunes Machtinstrument ist, das sich jeglicher formalen Kontrolle entzieht. Wollen wir zehn Prozent Linkshänder das mal demonstrieren? Wir würden in Windeseile Evidenz für Diskriminierung auftreiben… ich sollte lieber still sein, nachher nimmt das noch jemand ernst.

„Ja, aber wo ist denn dein Problem damit, auf Menschen Rücksicht zu nehmen, die sich betroffen fühlen?“

Mein Problem liegt erstens im Fehlen einer Zielmarkierung der Aktivisten. Sie sagen nicht „erfülle diese Wunschliste, dann sind wir zufrieden“, sondern erfinden im Monatstakt neue Maßregeln, vom Binnen-I zum Genderstern zum Unterstrich zum „…:innen“-Doppelpunkt zum entsprechenden Sprecherglucks im Deutschlandfunk, der nächstes Jahr den, der ihn nicht nachmacht, durch die Gesinnungsprüfung fallen lässt. Googelt „Schibboleth“!

Zweitens liegt es darin, dass die gesellschaftliche Auffassung dessen, was eine Begründung ist, vollkommen verwässert und verbogen wird, sorry für das metaphorische Mischen von Aggregatzuständen. Es reicht nicht, ein Gefühl der Betroffenheit zu haben und zu äußern, aber wir fangen an, das zu glauben. Es klopft uns die Hirne weich. Es diskreditiert alle ernstzunehmenden, mit Daten belegten Begründungen für politische Entscheidungen. Irgendwann glauben wir, alles sei nur Meinung, und der Lauteste gewinnt. Derzeit ist eine gutmeinend-medialverstärkte Minderheit unverschämt, rücksichtslos laut. Können wir das wollen?

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Kommentare

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    Dieter Machmeier

    Ok, das war der letzte Artikel, den ich auf dieser Seite gelesen habe.

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      Christian Meißner

      Schlümpfe finde ich süß. Wenn nur einerseits der linksidentitäre Schlümpfe-In-Schubladen-Steckende und andererseits der rechtsidentitäre die bunte Schlumpfwelt hassende Gagamehl ihr Unwesen trieben, hätten wir ein schönes Schlumpfdorf. Aber das offene Schlumpfdorf hat auch noch ganz andere Feinde. Karl Popper, hilf!

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        Christian Meißner

        "nicht ihr Unwesen trieben", muss es natürlich heißen..

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