Wahnfahrt nach Gendern

Die Ursachen dogmatischen Unsinns

Wahnfahrt nach Gendern

Spätestens wenn man nach Gendern kommt, verlässt man das Gebiet von Rational und Human. Folgt man der soziologisch-feministischen Ideologie der sogenannten Feministischen Sprachkritik (auch Feministische Linguistik genannt) mit der Forderung nach einer „gendergerechten Sprache“, dann folgt man der irrationalen und unmenschlichen Ideologie der lesbischen Männerhasserin Luise F. Pusch und ihrer Mitstreiterinnen. Luise Pusch gilt als Begründerin dieses Unsinns in Deutschland.

„Alle säkularen und religiösen Weltbilder sind menschengemacht und von Menschen veränderbar.“, so lautet die 4. von den 12 säkularen Thesen religionsfreier Menschen auf der fshh-Webseite. Obwohl viele Menschen unbedacht oder indoktriniert religiösen Unfug akzeptieren, würde kein aufgeklärter säkularer Humanist sich religiösen Doktrinen unterwerfen oder sie auch nur akzeptieren. Im Gegenteil, er setzt sich in einem säkularen Staat z. B. für die Beseitigung des Religionsunterrichts in staatlichen Schulen ein!

Genauso wie Dogmen bzw. Thesen der Religionen nicht nachvollziehbar oder gar rational begründbar sind, genauso wenig sind es die Dogmen bzw. Thesen zur Behauptung, die deutsche Sprache sei nicht „gendergerecht“, weil das grammatische Maskulinum zur Ungerechtigkeit gegenüber Frauen führe bzw. geführt habe. Und genauso wie viele Menschen unbedacht oder indoktriniert einer Religion anhängen, folgen auch viele Menschen unbedacht oder indoktriniert einer dogmatischen Gender­ideologie.

Zweck dieses Artikels ist es, die Ursachen dieses dogmatischen Unsinns bloßzulegen, mit rational-humanistischen Argumenten die Irrationalität des Genderns aufzuzeigen und dem Gendern aufklärerisch entgegenzutreten.

Die Urheberin, die bedauernswerte

Sowohl nach der deutschen als auch der englischen Wikipedia gilt Frau Pusch zusammen mit Senta Trömel-Plötz und Marlis Hellinger als Begründerin der Feministischen Sprachkritik in Deutschland. Deshalb gehe ich etwas ausführlicher auf Frau Pusch ein, insbesondere auch, weil die von ihr geforderte „gendergerechte Sprache“ von Vielen (auch Männern) ohne rational-kritische Prüfung gedankenlos unterstützt wird.

Die folgende Liste von Zitaten mag Ihnen einen Eindruck von Prof. Dr. Luise Pusch vermitteln:

„Der Mann hingegen braucht dringend eine ‚Abmagerungskur‘ zur Therapie seines immer gefährlicher werdenden Größenwahns.“ (feministische Lesbenzeitschrift „Frau ohne Herz“, 1987, Nr. 23, S. 9)

„Deutsch ist eine Männersprache“ (Hannoversche Allgemeine, 2011-03-08)

„Das generische Maskulinum macht Frauen unsichtbar“ (EMMA Januar/Februar 2019, S. 24)

„Das Femininum ist die Grundform, das Maskulinum die Schwundform.“ (EMMA Januar/Februar 2019)

Sie argumentiert für „Totale Feminisierung“ (feministische Lesbenzeitschrift „Frau ohne Herz“, 1987, Nr. 23, S. 4f., 7)

„Ich meine also, wir müssen so konsequent und radikal sein, dass wir mit unserer Sprachpolitik nicht nur – wie bisher – den Männern auf die Nerven gehen, sondern ihren Nerv treffen.“ (feministische Lesbenzeitschrift „Frau ohne Herz“, 1987, Nr. 23, S. 8)

Sie schrieb das Buch Das Deutsche als Männersprache (Suhrkamp 1984), in dem sie meint, die Sprache müsse therapiert werden, und entsprechende „Therapievorschläge“ dafür macht.

„Was not tut, ist eher eine elektronische Penisfessel, die Frauen vor Männern und Männer vor sich selber schützt.“ (Als Dominique Strauss-Kahn fälschlich einer Vergewaltigung beschuldigt wurde. Aus Fembio.org, Blog »Laut & Luise«, 2011-05-20)

„Kurz und gut, männliche Heterosexualität an der Spitze ist heutzutage für einen Staat ein untragbares Sicherheitsrisiko,…“ (Fembio.org, Blog »Laut & Luise«, 2011-05-20)

Diese wahnhaften Äußerungen von Frau Pusch lassen eine früh beginnende Diskriminierung als Lesbe vermuten, unter der sie sehr gelitten haben muss. Als Folge davon scheint sie die Ausmerzung alles Männlichen anzustreben, besonders das generische Maskulinum ist ihr ein Dorn im Auge. Ihre Forderungen, die sie allgemein an die Gesellschaft richtet, sind aus ihrer subjektiven Sicht nachvollziehbar, gegenüber der zu ca. 95 % heterosexuellen Normalgesellschaft sind sie aber inhuman und irreal und daher nicht akzeptabel.

Wissenschaft zu betreiben bedeutet, Wissen in Form nachvollziehbarer, beweisbarer oder falsifizierbarer Erklärungen (Theorien, Hypothesen, Sätze) über ein bestimmtes Objekt des Interesses aufzubauen und zu organisieren. (Das Bestreben, Wissen in diesem Sinne zu erlangen, nennt man auch Forschung.) Die Linguistik ist eine Wissenschaft.

Frau Pusch hat ursprünglich zweifellos wissenschaftlich gearbeitet, siehe ihre Dissertation (Die Substantivierung von Verben mit Satzkomplementen im Englischen und im Deutschen, 1972) und ihre Habilitation (Kontrastive Untersuchungen zum italienischen gerundio, 1978). Danach aber fängt sie an, unwissenschaftlich dogmatische Ansichten über die deutsche Sprache zu propagieren, insbesondere behauptet sie, die deutsche Sprache sei nicht „gendergerecht“, Frauen hätten durch das generische Maskulinum in der Sprache das Nachsehen, sie seien nicht gleichberechtigt, sondern nur „mitgemeint“. Ihre ideologischen Forderungen nach einer „gendergerechten Sprache“ finden sich u. a. in allgemein-öffentlichen Medien wie z. B. der feministischen Zeitschrift EMMA.

Die Gleichberechtigung und Achtung aller Menschen ist nicht nur juristisch abgesichert, sondern gilt heute für die Mehrheit der Gesellschaft – insbesondere für aufgeklärte säkular-humanistische Menschen – als Standard und wird von ihr ausdrücklich begrüßt und unterstützt!

Der säkulare Humanismus vertritt Selbstbestimmung und individuelle Freiheit für jeden, solange die entsprechenden Rechte anderer dadurch nicht unzumutbar eingeschränkt werden. Die Forderung einer Minderheit (LGBT), die Sprache ihren Vorstellungen entsprechend zu verändern, verletzt die Freiheitsrechte der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft unzumutbar und ist daher inhuman.

Die Sprache hat sich evolutionär entwickelt, sie wurde dem Menschen nicht „von oben“ gegeben oder verordnet. In der Linguistik nennt man eine solche Sprache eine natürliche Sprache. Jetzt aber fordert Frau Pusch die Manipulation der Sprache. Sie hat sich damit von einer Wissenschaftlerin zu einer reinen Ideologin entwickelt. Bedauerlicherweise ist sie aufgrund ihrer persönlichen Lebensgeschichte unfähig, zu erkennen, dass die Feministische Sprachkritik eine nicht begründbare und realitätsferne Ideologie darstellt. Mit dieser Ideologie versucht sie aber, die Gesellschaft umzuerziehen.

Die Ideologien, die irrationalen

An unseren Universitäten gibt es Fakultäten, die ganz besonders der Gefahr unterliegen, statt wissenschaftliche Ergebnisse zu erarbeiten, unbeweisbare Ideologien hervorzubringen und zu propagieren. Nicht nur für die Theologie, sondern auch für die geisteswissenschaftlichen Fächer Soziologie, Politologie usw. ist diese Gefahr besonders groß. Die Genderforschung ist ein Zweig der Soziologie, und da sie auch auf Hypothesen beruht, die sogar naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen widersprechen, ist sie keine seriöse Wissenschaft, sondern eine Ideologie, die durch ihre Forderungen an die Gesellschaft gefährlich ist.

Allerdings muss auch erwähnt werden, dass es Soziologen gibt, die diese ideologischen Probleme ihres Fachs erkannt haben und deshalb mit einer Akademie für Soziologie dem entgegenwirken wollen.

Die Akademie für Soziologie ist eine Fachvereinigung von Soziologen mit dem Zweck, eine analytisch-empirisch arbeitende Soziologie zu fördern.

So findet man auf der Webseite der Akademie für Soziologie sogar einen Beitrag zur Würdigung Hans Alberts anlässlich seines 100. Geburtstages. Hans Albert gilt als Hauptvertreter des Kritischen Rationalismus in Deutschland und ist Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

Aber selbst die Akademie für Soziologie hat Schwierigkeiten zu erkennen, dass analytisch-empirische Wissenschaft bzw. kritischer Rationalismus nicht mit Gendern zu vereinbaren ist, findet man doch auf ihren Webseiten heftig gegenderten Text!

Die Realität, die verzerrte

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März 2021 erschien im humanistischen Pressedienst (hpd) der feministisch-ideologische Artikel „Die Coronakrise wirft uns zurück in alte Rollenbilder“. Darin wird apodiktisch behauptet, dass die Mehrbelastung durch die Coronakrise allein die Mütter trifft, wodurch das uralte Rollenbild der Frau wiederbelebt würde – welch eine Verzerrung der Wirklichkeit! Renton hat sich dazu in einem Kommentar klar und realistisch zur heutigen Situation der Frauen geäußert, ich wiederhole den Kommentar deshalb hier in voller Länge:

Liebe Frauen,

alles Gute zum Weltfrauentag!

Ich wünsche euch zum Weltfrauentag die Einsicht und die Weisheit, zwischen wirklichen und vermeintlichen Problemen zu unterscheiden. Insbesondere wünsche ich euch, dass ihr nicht den Scharlatanen auf den Leim geht, die euch folgendes einreden wollen:

Dass Frauen in Deutschland nicht gleichberechtigt wären. Sie sind es, haben sogar noch ein paar mehr Rechte als Männer. Wenn euch jemand erzählt, Frauen seien nicht gleichberechtigt, verlangt von ihm, euch auch nur einen Gesetzesparagraphen zu nennen, der Frauen weniger Rechte gewährt als Männern. Er wird keinen nennen können.

Dass Gleichberechtigung und Gleichstellung dasselbe seien.

Dass Gleichstellung ein unbedingt erstrebenswertes Ziel sei. Wer darunter gleiche Anteile von Männern und Frauen in Berufen und Positionen versteht, möchte Menschen unabhängig von ihren Interessen und Fähigkeiten in Bereiche drängen, in die sie nicht wollen. Auch Frauen.

Dass ein Anteil von 85 % Alleinerziehenden zeige, dass unsere Gesellschaft in diesem Bereich Lasten überwiegend Frauen aufbürde. Macht euch klar, dass viele dieser Frauen Sieger sind: Sie haben in einem Sorgerechtsprozess das alleinige Sorgerecht erstritten. Nicht die Gesellschaft hat das diesen Frauen aufgebürdet, sie haben es so gewollt. Verlangt von Menschen, die euch anderes erzählen, dass sie ihre Behauptung mit Zahlen belegen sollen: Welcher Anteil an Alleinerziehenden hat die Trennung von ihrem Partner und die Mitnahme der Kinder nicht gewollt? Und inwiefern ist das die Verantwortung der Gesellschaft? (Eine Witwe hat den Tod ihres Partners sicher nicht gewollt, aber die Gesellschaft trägt wohl kaum die Schuld an diesem Tod.)

Dass klassische Rollenverteilungen aufgebrochen werden müssten. Sie sind es bereits, und ihr seid frei, euch mit eurem Partner auf jede Rollenverteilung zu einigen, die euch beiden behagt. Ob diese Rollenverteilung traditionell oder modern sein soll, entscheidet ihr zwei allein. Lasst euch nicht einreden, dass „modern“ gut sei und „traditionell“ schlecht. Gut ist, was ihr in gemeinsamer Verantwortung entscheidet.

Nochmal alles Gute!

Fazit: Die rechtliche Gleichstellung der Geschlechter, die Gleichberechtigung, wurde in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erreicht – auch eine bestimmte Rollenverteilung wird nicht mehr durch Gesetze begünstigt oder gar vorgegeben. Auch in der Gesellschaft wird die Gleichberechtigung der Frau anerkannt. Eine Gleichstellung darüber hinaus kann es nicht geben, da diese mit den biologischen Gegebenheiten, physiologisch sowie psychologisch, nicht zu vereinbaren ist und zudem dem Menschenrecht auf individuelle Freiheit widerspricht. Das ist die Realität. Alte Rollenbilder sind längst aufgebrochen. Frauen und Männer entscheiden heute autonom, wie sie miteinander leben wollen – niemand hat sie da zu bevormunden!

Die Sprache, die unbekannte

Woher kommt unsere Sprache? Wie haben wir unsere Sprache gelernt? Warum ist unsere Sprache so, wie sie gerade ist?

Zur Entstehung der menschlichen Sprache gibt es etliche unbewiesene Hypothesen. Eines scheint aber unstrittig: Unsere Sprache hat sich zugleich mit unserer evolutionären Entwicklung herausgebildet. Es ist eine Eigenheit der Säuger, dass ihre Nachkommen ausschließlich von (heterosexuellen) weiblichen Exemplaren geboren und anschließend ernährt und meist auch gepflegt werden. Auch das soziale Verhalten wird anfangs meistens durch sie geprägt. Beim Menschen gehört dazu auch das Vermitteln der Sprache, nicht von ungefähr spricht man deshalb von „Muttersprache“.

In der deutschen Sprache, einer Sprache mit Genussystem (nicht Genusssystem!), gibt es die drei Genera Maskulinum, Femininum, Neutrum. Dabei gibt es aber keine Regel, dass das grammatische mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmen muss, wenn von einer Person die Rede ist. Das Deutsche hat andere Regeln. Z. B. sind alle Wörter, die durch Wortbildung entstanden sind und auf -er enden, Maskulina, und zwar unabhängig davon, ob sie eine männliche oder weibliche Person oder eine Sache bezeichnen. So bezeichnet z. B. das Wort Kühler (maskulin, abgeleitet von kühlen) eine Sache. Das Wort Tänzer (maskulin, abgeleitet von tanzen) kann eine männliche Person bezeichnen wie in dem Satz „Jens ist ein guter Tänzer.“ Es kann aber auch als generisches Maskulinum verwendet werden, d. h. als Personenbezeichnung ohne Aussage zum biologischen Geschlecht der Person bzw. der Personen, wie in dem Satz „Die besten Tänzer waren Jens und Uta.“ Es gibt viele Wörter, die als generisches Maskulinum verwendet werden können, einige sogar auch zur Bezeichnung weiblicher Personen wie z. B. in der Aufforderung „Uta, Liebling, schau doch mal!“ Es gibt zwar auch generische Feminina wie z. B. Lehrkraft und Geisel und auch generische Neutra wie z. B. Kind und Mitglied, aber die Menge der generischen Maskulina ist viel größer. Woher jedoch allgemein die Genera kommen, weiß die Linguistik nicht, obwohl es verschiedene Theorien darüber gibt.

Bezüglich des Deutschen fragen wir uns: Warum wird den Kleinkindern von ihren Müttern eine Sprache mitgegeben, in der – insbesondere, wenn sie sich auf Tätigkeiten und Berufe bezieht – das Maskulinum häufiger als das Femininum vorkommt?

Eine Theorie: Heterosexuelle Frauen sind naturgemäß an Männern interessiert. Im Laufe der Evolution benutzten oder beförderten die Mütter daher im Umgang mit ihren Kindern unbewusst eher Sprachelemente mit Bezug zum Männlichen. Damit wäre auch verständlich, dass Lesben das Männliche in der Sprache, insbesondere das generische Maskulinum verabscheuen und bekämpfen. Homosexuelle Männer dagegen haben kein Problem mit dem Maskulinum, da sie (ebenso wie heterosexuelle Frauen) ebenfalls an Männern interessiert sind. Heterosexuelle Männer sind naturgemäß an Frauen interessiert, hatten aber keinen entsprechenden Einfluss auf die Sprachentwicklung der Kinder. Sie scheinen allerdings eher feministischen Forderungen zu erliegen – selbst wenn diese nicht gerechtfertigt sind.

Die Sprache, die „gendergerechte“

Die Forderung nach einer „gendergerechten Sprache“ wird damit begründet, dass insbesondere das generische Maskulinum Frauen im Deutschen benachteilige. Es ist ein manipulatorischer Kunstgriff der feministischen Linguistik, zu behaupten, Frauen seien in dieser Form „nur mitgemeint“. Tatsächlich steht das generische Maskulinum für Personen ohne Aussage über das (biologische) Geschlecht, es umfasst Männer und Frauen gleichermaßen. Das ist etwas ganz anderes als „nur mitgemeint“. In Sprachen ohne Genussystem, wie z. B. Finnisch, Ungarisch, Türkisch, Bengali, Japanisch, gibt es diese Besonderheit nicht.

Das Türkische ist eine „gendergerechte Sprache“, folglich können die Frauen in der Türkei gegenüber den Männern nicht benachteiligt sein!

Sprachen ohne Genussystem wären also „gendergerecht“, d. h., dass in Ländern mit solchen Sprachen Frauen sprachlich nicht benachteiligt sein könnten. Wenn die Sprache das Denken beeinflusst, wie behauptet wird, dann können Frauen in diesen Ländern auch gesellschaftlich nicht benachteiligt sein. Am Beispiel des Türkischen sieht man, dass diese Argumentation falsch ist. Eine natürliche Sprache bevorzugt oder benachteiligt weder Frauen noch Männer. Sie wird durch (heterosexuelle) Frauen an die nächste Generation weitergegeben, sie ist nicht die Sprache der Männer, sondern die Sprache der Gesamtgesellschaft.

Gendersprech = Neusprech

In totalitären, diktatorischen Systemen der Neuzeit gab es immer den Versuch, bestimmte Wörter durch Propaganda positiv zu betonen und zugleich andere auszumerzen, um politisch-ideologische Ziele zu befördern. Beispiele dafür sind die politisch-ideologischen Systeme des Kommunismus und des Nationalsozialismus.

Viel weitgehender sind die sprachpolitischen Maßnahmen, die George Orwell in seinem 1949 veröffentlichten dystopischen Roman 1984 beschreibt. Im Anhang erklärt Orwell ausführlich die Sprachregelung des im totalitären Staat eingeführten „Neusprech“ unter der Überschrift „The Principles of Newspeak“.

Das Buch erschien vor über 70 Jahren. Damals konnte man das Neusprech nicht mit der damaligen Realität assoziieren, weil es damals keine bemerkbaren sprachpolitischen Bestrebungen gab. Das ist heute ganz anders: Der Vergleich des Neusprech aus dem Buch 1984 mit den heutigen Sprachregelungen durch Staat, Mainstreammedien und gewisse NGOs ist erschreckend – auch und besonders bezüglich des Genderns!

Neusprech (Newspeak) heißt die sprachpolitisch umgestaltete Sprache in George Orwells dystopischem Roman 1984. Durch Sprachplanung sollen sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt und damit die Freiheit des Denkens aufgehoben werden. Der fiktive totalitäre Staat Ozeanien entwickelt diese Sprachform, um die Ideologie von „Ingsoc“ (English Socialism) im Unterbewusstsein der Menschen zu verankern. (Aus Wikipedia)

Die forcierte Einführung speziell einer „gendergerechten Sprache“ in staatlich kontrollierten Institutionen (insbesondere Universitäten und sogar Schulen) und den Mainstreammedien ist das in der Öffentlichkeit auffälligste Beispiel für einen Demokratieverlust in Deutschland.

Während ich mich mit dem Problem des Genderns beschäftigte, konnte ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass – vielleicht weniger auffällig für die breite Öffentlichkeit – das Gendern zugleich mit anderen undemokratischen Vorgängen einhergeht. Hier der Versuch einer Auflistung aller Phänomene, die ich wahrgenommen habe und als totalitär empfinde:

- forcierte Einführung einer gendergerechten Sprache,

- Einforderung von Political Correctness,

- Androhung und sogar Durchführung von „Konsequenzen“ bei „unangepasster“ freier Meinungsäußerung,

- Hass und Hetze durch Politiker gegen Andersdenkende,

- Hass und Hetze in Mainstreammedien gegen Andersdenkende,

- Beschuldigung Andersdenkender, Hass und Hetze zu betreiben,

- gesellschaftliche Ächtung und Ausgrenzung Andersdenkender,

- gesellschaftliche Vernichtung Andersdenkender,

- staatlich gesteuerte Programme zu staatlich genehmer „politischer Bildung“,

- staatlich forcierte Zensur und Kontrolle sozialer Medien,

- staatliche Förderung von NGOs zum Diskreditieren und Denunzieren Andersdenkender,

- Missbrauch staatlicher Einrichtungen zur Denunziation und zum Zersetzen von Opposition.

Alle diese Phänomene werden „von oben“ gefördert oder gar verordnet – Merkmale eines totalitären Staates. Ich empfinde sie als zutiefst undemokratisch und inhuman!

Die Legislative wird ständig undemokratischer und volksferner. Noch funktioniert die Judikative, noch können die schlimmsten Auswüchse dieser Entwicklung verhindert werden, aber ich fürchte, die Infiltration der Judikative u. a. mit „Genderrichtern“ durch undemokratisch-politische Kräfte hat schon begonnen.

Die Vereine, die aufklärerischen

Es waren zunächst kleine, aber lautstarke Minderheiten, die mit Erfolg die ihnen vorenthaltenen Rechte (Gleichberechtigung) von der Gesellschaft einforderten. Heutzutage reden diese Minderheiten – darunter sind heute offenbar insbesondere lesbische Feministinnen – immer noch von Ungerechtigkeit (die früher ja tatsächlich vorhanden war), erklären die heutige Generation als mitverantwortlich und schuldig an dem früheren Unrecht und stellen – als Kompensation für das frühere Unrecht – ungerechtfertigte Forderungen an die für den Fortbestand des Menschen so wichtige heterosexuelle Normalgesellschaft. Es geht ihnen schon längst nicht mehr um ihre Gleichberechtigung, sondern darum, die Männer zumindest sprachlich die gleiche Ungerechtigkeit erdulden zu lassen, unter der ihrer Meinung nach die Frauen früher gelitten hätten.

Offenbar folgen viele Menschen unbedacht dieser unlogischen und unethischen Argumentation, obwohl diese Minderheiten heute in der Gesellschaft frei, gleichberechtigt und geachtet leben können. Die neuen Forderungen widersprechen dem Prinzip des Humanismus, weil die Freiheit anderer, der Mehrheitsgesellschaft, unzumutbar eingeschränkt wird. Die Einführung der (angeblich) „gendergerechten Sprache“, die extremste und auffälligste ihrer Forderungen, soll der Mehrheitsgesellschaft aufgezwungen werden. Dadurch würde die natürliche Sprache zerstört.

Zum Schluss möchte ich noch auf den Artikel „Seit wann ist Sprache gerecht?“ des Linguisten Prof. Dr. Josef Bayer (Universität Konstanz) verweisen. Dieser Artikel schließt mit den Worten:

„Mir ist es gerade im Zusammenhang mit Luise Pusch, die ich vor langer Zeit persönlich kennen und auf eine gewisse Weise durchaus auch zu schätzen gelernt habe, wirklich unverständlich, wie aufgeklärte Menschen, die sich ehemals oft sogar als politisch links eingestuft haben, dem zutiefst anti-liberalen Wesen der feministischen Sprachmanipulationen auf den Leim gehen können.“

Und ich frage mich:

Wie lächerlich machen sich säku­lar-hu­ma­nis­tische Vereine, die einerseits aufklärerisch gegen religiösen Unsinn auftreten, aber andererseits ihre Webseiten gendern?

Gerade von säkular-humanistischen Gruppierungen und Vereinen darf man erwarten, dass sie den Genderunsinn nicht anpasserisch mitmachen, sondern ihm kritisch-rational entgegenwirken, ganz im Sinne der Aufklärung!

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Webseite der „Freie Säkulare Humanisten Hamburg“ (fshh). Der Verein wurde im Mai 2020 gegründet und fördert den Meinungsaustausch freier säkularer Humanisten.

Rolf Schröder, Jahrgang 1941, Radio- und Fernsehtechniker, Dipl.-Physiker, promovierter Astrophysiker, arbeitete von 1969 bis 2006 in Forschung, Lehre und Anwendung. Danach engagierte er sich als säkularer Humanist für die Ziele der Aufklärung und gegen religiös-ideologische Einflüsse in Staat und Gesellschaft. Er lebt heute in Hamburg.

Hier geht's zum Originalartikel...

Kommentare

  1. userpic
    Georg Schildhammer

    Fast allem, stimme ich zu.

    Die Sache mit der türkischen Sprache ist jedoch kein gut gewähltes Argument, weil es unlogisch ist.

    Warum?

    Sprache könnte - wenn die Befürworter des "Genderns" Recht haben - eine notwendige Bedingung für die Beseitigung der Diskriminierung von Frauen sein, sie muss aber keine hinreichende Bedingung sein.

    Die Diskriminierung könnte nämlich noch an weiteren Ursachen festgemacht sein, die ebenfalls noch beseitigt werden müssten.

    Nicht ausschließen könnte man dementsprechend, falls die Überzeugung der Gender-Befürworter korrekt ist, dass ohne die Eigenheiten des Türkischen, Frauen noch stärker diskriminiert wären.

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      Carsten

      Wie kommt der Autor zu der Annahme, dass in Deutschland juristische Gleichberechtigung bestünde? Per Gesetz können nur Männer Exhibitionismus betreiben, per Gesetz dürfen nur Frauen "Gleichstellungsbeauftragte" werden, per Gesetz müssen bei Einstellungen Frauen mit gleicher Qualifikation vorgezogen werden, per Gesetz gibt es zum Mutterschutz kein Pendant für Väter, per Gesetz haben Väter nicht automatisch die elterliche Sorge, von der Rechtspraxis will ich gar nicht anfangen.

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        Sandboxie

        Wie lächerlich machen sich säkular-humanistische Vereine, die einerseits aufklärerisch gegen religiösen Unsinn auftreten, aber andererseits ihre Webseiten gendern ?


        Walle! walle
        Manche Strecke,
        Daß, zum Zwecke,
        Wasser fließe
        Und mit reichem, vollem Schwalle
        Zu dem Bade sich ergieße.

        Und sie laufen! Naß und nässer.
        Wirds im Saal und auf den Stufen.
        Welch entsetzliches Gewässer!
        Herr und Meister! hör mich rufen! –
        Ach, da kommt der Meister!
        Herr, die Not ist groß!
        Die ich rief, die Geister
        Werd ich nun nicht los.


        So kann´s gehn.

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          A. Gummermann

          Was hat dieser Auswurf an Homophobie auf einer Seite zu tun, die sich mit "Vernunft und Wissenschaft" beschäftigt? Das mantra-artige Betonen der sexuelle Präferenz von L. Pusch deutet darauf hin, dass der Autor sich weder um Vernunft, noch um Wissenschaft bemüht, noch überhaupt in der Neuzeit angekommen scheint.

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            M.J.

            Sie wollen einen Gesetzesparagraphen hören, der Frauen weniger Rechte gewährt als Männer? Nichts leichter als das: §218 StGB. Kein Mann muss je fürchten, das Selbstbestimmungsrecht über seinen Körper zu verlieren. Er muss nicht einmal befürchten, je gegen seinen Willen Blut spenden zu müssen. Als Frau muss ich jedoch permanent eine ungewollte Schwangerschaft fürchten. Sobald sich nämlich eine befruchtete Eizelle in meinem Körper einnistet, bin ich gesetzlich verpflichtet, meinen Körper zur Verfügung zu stellen.

            Nur weil man die eigenen Privilegien nicht sieht, heißt das nicht, dass sie nicht da sind.

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            1. userpic
              Dieter Machmeier

              Dieser Artikel ist eine Lachnummer. Das Argumentum ad hominem wird hier geradezu gefeiert, indem irgendwelche "Urheberinnen" in eine Ecke gedrängt werden, anstatt sachlich auf irgendetwas einzugehen.

              Davon abgesehen wird hier ein "Problem" erzeugt, das es gar nicht gibt. Niemand ist gezwungen zu gendern. Und die große Mehrheit der Menschheit schreibt keine Artikel oder hält Vorträge, so dass es sie betreffen würde.

              Dieser Artikel ist genau so unnötig wie Richard Dawkins' Twitter-Beitrag, indem er eine Sache kritisiert, die ihn kein Bischen etwas angeht.

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              1. userpic
                M. M.

                Eins vorweg. Ich schreibe nie irgendwelche Kommentare zu Diskussionen auf Webseiten, auch nicht in den Sozialen Medien. Das hier ist eine absolute Ausnahme. Dennoch denke ich immer öfter, dass es falsch ist, bei diesem Thema zu schweigen. Gerade als Frau. Wenn ich in Leserkommentare zum Thema Gendern reinlese, wird dort oft suggeriert, besonders Frauen würden das Gendern wollen und sich sehr darüber freuen, dass es endlich im Alltag ankommt. Ich kann dazu nur sagen: Nein. Das stimmt nicht. Fast alle Frauen aus meinem persönlichen Umfeld bekommen das Thema entweder gar nicht mit oder finden es vollkommen daneben. So wie ich. Denn ich empfinde es alles andere als charmant, durch das vom Hauptwort abgehängte „innen“ sprachlich auf das reduziert zu werden, was zwischen meinen Beinen los ist, obwohl doch das „zwischen den Ohren“ wichtiger sein sollte.

                Ich finde es zudem zynisch, zu behaupten, man müsse ja nicht mitmachen beim Gendern, es wäre ja jedem selbst überlassen. Auch das stimmt nicht. Aufgrund meines Jobs bin ich letztlich dazu gezwungen. Vor zwei, drei Jahren konnte ich mich da noch vorbeischummeln. Inzwischen wird das immer schwieriger. Gleichzeitig kann ich dem Gendern auch in meiner Freizeit nicht mehr entgehen, ich brauche ja nur den Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk einzuschalten. Schon wird gegendert. Deshalb schalte ich dort auch kaum noch ein.
                Die Postings in den Sozialen Netzwerken werden immer öfter gegendert, egal ob von Privatleuten, Vereinen, Medien oder Unternehmen. Viele dieser Seiten habe ich inzwischen blockiert, auch wenn das sicher seltsam klingt. Aber ich weiß mir nicht mehr anders zu helfen.

                Es tut mir in der Seele weh, was gerade mit meiner Muttersprache passiert. Und ich fühle mich dem hilflos ausgeliefert.

                Deshalb hatte ich mich über diesen Beitrag hier wirklich gefreut. Und deshalb war ich auch so entsetzt, so viel Hass und persönlichen Frust darin zu lesen, was nach meiner Auffassung in einem sachlichen Text nichts zu suchen hat. Denn das entwertet den Inhalt, macht ihn unglaubwürdig und ist letztlich wieder nur Wasser auf die Mühlen der Gender-Befürworter. Und das ist unendlich traurig.

                P.S.: Farsi soll wohl keine grammatikalischen Geschlechter kennen. Wie es den Frauen in Afghanistan und im Iran geht, das kann ich anhand der Berichterstattung nur erahnen. Am eigenen Leib erfahren möchte ich es lieber nicht.

                Antworten

                1. userpic
                  R. S.

                  Liebe M. M.!

                  Sie schrieben am Anfang Ihres Kommentars die Sätze:

                  „Eins vorweg. Ich schreibe nie irgendwelche Kommentare zu Diskussionen auf Webseiten, auch nicht in den Sozialen Medien. Das hier ist eine absolute Ausnahme. Dennoch denke ich immer öfter, dass es falsch ist, bei diesem Thema zu schweigen.“

                  Genau so geht es mir!

                  Ich bedanke ich für Ihren Kommentar zum Artikel. Was ich aber nicht verstehe ist Ihr Entsetzen, „so viel Hass und persönlichen Frust“ darin zu lesen. Es würde mich sehr interessieren, welche Textstellen (exemplarisch) Sie meinen? Vielleicht möchten Sie mich dazu lieber persönlich ansprechen? Meine E-Mail-Adresse finden Sie an Ende der Webseite fshh.

                  Liebe Grüße,
                  R. S.

                  Antworten

                  1. userpic
                    M. M.

                    Lieber R. S.,

                    meine Beispiele, bei denen ich jedes Mal beim Lesen zusammengezuckt bin, wären u.a. diese hier:

                    „… dann folgt man der irrationalen und unmenschlichen Ideologie der lesbischen Männerhasserin Luise F. Pusch und ihrer Mitstreiterinnen. Luise Pusch gilt als Begründerin dieses Unsinns in Deutschland.“ Oder auch hier „Die Urheberin, die bedauernswerte“ Oder „Diese wahnhaften Äußerungen von Frau Pusch lassen eine früh beginnende Diskriminierung als Lesbe vermuten, unter der sie sehr gelitten haben muss.“ Oder: „Bedauerlicherweise ist sie aufgrund ihrer persönlichen Lebensgeschichte unfähig, zu erkennen, dass die Feministische Sprachkritik eine nicht begründbare und realitätsferne Ideologie darstellt.“

                    Ich vermute, der Autor ist kein Psychologe, der sich in die Psyche von Frau Busch eingearbeitet hat. Er ist sicher auch keiner ihrer Biografen oder engsten Verwandten, der ganz genau wissen kann, ob eine frühe Diskriminierung von Frau Pusch stattgefunden hat. Ob sie jemals aufgrund ihrer Präferenzen so stark diskriminiert wurde, dass sich daraus irrationale Rachefantasien entwickelt haben, die der Text stellenweise suggeriert oder ob sie wirklich Männer grundsätzlich hasst, kann er nicht wissen, da er nicht mit ihr selbst darüber gesprochen hat. Die von mir ausgewählten Formulierungen suggerieren mir als Leserin zudem, dass Lesben generell Männer hassen. Was, zumindest meine Vermutung, Quatsch sein muss, da Lesben lediglich keinen Sex mit Männern haben wollen aufgrund ihrer von „Mutter Natur“ vorgesehenen Prägung. Nach der Logik müsste z.B. ich alle Frauen hassen, weil ich keinen Sex mit ihnen haben will. (Ich gebe zu, es gibt gewisse Frauen, die sind mir suspekt. Aber das ist auf einzelne Individuen bezogen und nicht auf die ganze Gruppe.)

                    Ich persönlich finde es sehr, sehr schade, wenn in meinen Augen dringend notwendige Texte mit Widerrede zu diesem religionsartigen Genderphänomen veröffentlicht werden, dass diese sich auf einer zu persönlichen Ebene an den Akteuren – oder vermeintlichen Akteuren – des Genderns abarbeiten, anstatt auf einer möglichst rein sachlichen Ebene zu argumentieren. Letztlich liefert das den Genderverblendeten (es scheint tatsächlich religiöse Züge zu haben, so wie ich das bei Diskussionen im Web 2.0 erlebe) neue Munition und vermeintliche Beweise, dass ja nur (vermeintlich) verbitterte, reaktionäre Menschen gegen das Gendern seien und alle anderen, progressiven und „guten“ Menschen es mit offenen Armen empfangen, dankbar dafür sind und sich riesig darüber freuen, dass die bösartige deutsche Sprache endlich so hingebogen wird, dass sich alle Menschen darin wiederfinden.

                    Mal abgesehen davon, dass das Gendern nicht zwingend Frauen sichtbarer machen soll, sondern all die vielen verschiedenen Geschlechter, die es auf einmal gibt, berücksichtigen soll. Es ist ja sogar nicht ganz ohne Risiko, sich bei Diskussionen auf Twitter oder Instagram einfach nur als „Frau“ zu bezeichnen, da ich damit all die anderen Menschen diskriminiere, die genderfluid, nonbinär, transgender … was auch immer sind.

                    Es geht wirklich längst nicht mehr um „die Frauen“, für die die Sprache angeblich gerechter werden soll. Im Gegenteil, im englischen Sprachraum deutet sich ein Trend an, Begriffe mit eindeutig weiblichem Bezug zu neutralisieren (z.B. Menschenmilch versus Muttermilch), um niemanden zu diskriminieren, was auch im Deutschen schon in Anfängen zu beobachten ist (z.B. bei der Werbung für Menstruationsprodukte, wo bewusst das Wort „Frau“ umschifft und vermieden wird. Oder eine Sachbuchautorin für Schwangerschaftsratgeber, die von ihrem Verlag dazu angehalten wurde, das Wort „Frau“ zu vermeiden). Wenn sich der Zirkel irgendwann in Zukunft wirklich in diese Richtung schließen sollte, ginge es perspektivisch sogar eher gegen Frauen, da ihre bloße Existenz als etwas Reaktionäres und Abschaffenswertes empfunden werden könnte, da zu viele andere Geschlechter durch die Verwendung des simplen Wortes „Frau“ (ohne erläuternde Anhängsel wie „cis“ oder * oder „weiblich gelesen“) diskriminiert würden.

                    Das nach einer deutlichen Pause ans Hauptwort drangehängte „innen“ verweist die Frauen ja schon jetzt an den Katzentisch der Sprache. Jemand wie ich gehört sprachlich nicht mehr zu den Autoren, Planern, Ingenieuren, sondern nur noch zu den „innen“.

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                    G. S.

                    Liebe M. M.,

                    auch ich bin eine Frau, die das Gendern verabscheut. Zum einen tut es mir sehr weh, wenn ich lesen und hören muss, wie meine Muttersprache verhunzt wird (im Internet kann ich glücklicherweise mit dem Browser-Add-on „Binnen-I be gone“ gegenderte Sprache fast vollständig „entgendern“). Zum anderen fühle ich mich als Frau durch das Gendern nicht etwa gerechter behandelt, sondern – im Gegenteil – diskriminiert, weil meine wichtigste Eigenschaft, das Menschsein, auf dem meine grundgesetzlich geschützte Würde beruht, zugunsten meiner nachrangigen Eigenschaft, dem Frausein, vernachlässigt wird.

                    Ich halte daher Artikel gegen das Gendern für außerordentlich wichtig, zumindest dann, wenn in ihnen nicht nur einfach geschimpft wird, sondern, wie in diesem Beispiel, die Anschuldigungen gegen das Gendern auch mit Quellenangaben belegt werden. Im Originalartikel, auf den am Ende des Artikels verwiesen wird, fand ich nicht nur die Quellenangaben, sondern meist auch die Links dazu. Dadurch konnte ich zum Beispiel leicht erkennen, dass die Pusch-Zitate keine Sinnentstellung dadurch erlitten haben, dass sie aus dem Zusammenhang, in dem sie erschienen, herausgenommen wurden. Dass der Autor diese Zitate als „wahnhafte Äußerungen“ bezeichnet, finde ich durchaus gerechtfertigt; wer würde schließlich außerhalb von Ironie oder Satire sonst solche Äußerungen von sich geben?

                    Bei meiner weiteren Beschäftigung mit diesem Themenkomplex bin ich übrigens auch auf Frau Puschs Interview in der taz vom 19.04.2009 (https://taz.de/Linguistin-Luise-F-Pusch/!5164393/) und auf ihren Eintrag in ihrem Blog „Laut & Luise“ vom 04.07.2017 (https://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/endlich-duerfen-auch-wir-in-wilder-ehe-leben/) gestoßen. Ich bin kein Psychologe, meine aber daraus entnehmen zu können, dass Frau Pusch darunter gelitten hat, dass Lesben früher diskriminiert wurden und sie sich, um die Diskriminierung als Lesbe zu vermeiden, lange Zeit hinter Floskeln wie „meine Freundin“ u. Ä. verstecken musste und kein unbeschwertes Leben führen konnte. In dieser Hinsicht empfinde ich Mitleid mit ihr (wie übrigens mit allen Menschen, die wegen Diskriminierung zu leiden hatten oder haben). Aus diesem Grund macht die Überschrift „Die Urheberin, die bedauernswerte“ auf mich eher den Eindruck, als empfindet der Autor ebenfalls Mitleid mit ihr wegen der Diskriminierung. Auch wenn ich nachvollziehen kann, dass ein Mensch in ihrer Situation auf die groteske Idee kommen kann, dass sich in der deutschen Sprache die Unterdrückung der Frau nachweisen lässt, und einen Hass auf alles Männliche entwickelt, finde ich es absolut unzulässig, dass diese ihre Ansicht der gesamten Gesellschaft als die normale Ansicht aufgezwungen werden soll.

                    Übrigens hat der Autor wohl beispielhaft nur einige Sprachen aufgeführt, die kein Genussystem haben. Zum Beispiel haben neben Farsi auch das Estnische, das Indonesische und das Vietnamesische keine grammatikalischen Geschlechter.

                    Wie Ihnen scheint auch mir, dass sich das Ziel des Genderns inzwischen geändert hat. Zunächst sollten die Frauen in der Sprache sichtbar gemacht und damit die Denkweise der Gesellschaft verändert werden, damit die Frauen endlich gleichberechtigt würden. Diese Gleichberechtigung war allerdings im Wesentlichen juristisch bereits erreicht, schon bevor die feministische Sprachkritik die Sichtbarmachung von Frauen in der Sprache forderte. Und für immer weitere Kreise der Gesellschaft wurde die Gleichberechtigung von Mann und Frau eine Selbstverständlichkeit, wobei die Änderung der Denkweise der Gesellschaft, die in einer Demokratie nicht durch Gesetz vorgeschrieben werden kann, sondern sich von selbst als natürlicher Vorgang entwickelt, nicht so schnell vonstattengeht wie die Änderung eines Gesetzestextes. Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass es immer noch Bereiche gibt, in denen Frauen nicht gleichberechtigt sind wie zum Beispiel in der katholischen Kirche, und Gesetze, die Frauen diskriminieren wie zum Beispiel das Schwangerschaftsberatungsgesetz, das den Frauen die Fähigkeit abspricht, selbst eine verantwortungsvolle Entscheidung bezüglich eines Schwangerschaftsabbruchs zu treffen. Darauf haben Sie und auch die Kommentatorin M. J. zu Recht hingewiesen. Doch solche ungerechten und diskriminierenden Sonderrechte und Sondergesetze können nur durch gezielte Reformen abgeschafft werden, das Gendern der Sprache wird daran überhaupt nichts ändern.

                    Ich stimme Ihnen auch zu, dass das Gendern inzwischen eine andere Stoßrichtung bekommen hat, nämlich die Abschaffung aller Bezüge zum biologischen Geschlecht in der Sprache; sogar Wörter wie „Vater“, „Mutter“, „Frau“ sollen durch andere Ausdrücke ersetzt werden. Dadurch verarmt die deutsche Sprache („Die Sprache um ein Wort ärmer zu machen heißt das Denken der Nation um einen Begriff ärmer zu machen,“ sagte schon Arthur Schopenhauer) und wird auch unnötig kompliziert. Zudem fehlt mir immer noch der Beweis für die Behauptung, dass mit dieser Verhunzung der Sprache und der Umerziehung der gesamten deutsch sprechenden Bevölkerung neben den feministischen Lesben auch die Menschen, die weder als männlich noch als weiblich angesprochen werden wollen, tatsächlich das Gefühl haben, dass sie so in der Gesellschaft eher gleichberechtigt als Mensch geachtet werden. Seltsamerweise höre ich diese Behauptung nämlich besonders häufig und besonders lautstark von denen, die gar nicht zu dieser Gruppe gehören.

                    Liebe Grüße,
                    G. S.

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                      M. M.

                      Liebe G.S.,

                      vielen lieben Dank für Ihre lange und für mich gut nachvollziehbare Antwort. Ich freue mich wirklich riesig, solche Einschätzungen auch von Frauen zu lesen.

                      Als ich vor ein paar Wochen immer mehr mit dem Thema konfrontiert wurde und anfing, zum Thema zu recherchieren, hatte ich eine zeitlang den Eindruck, ich sei so ziemlich die einzige weibliche Person, die ein Problem mit dieser Entwicklung hat. Durch Nachfragen im Bekanntenkreis außerhalb der Web 2.0-Blase relativierte sich das schnell. Und solche Kommentare wie Ihrer machen mir ebenfalls Mut (mir geht es emotional wirklich richtig schlecht mit dieser Entwicklung und ich fühle mich dem hilflos ausgeliefert, da meine Muttersprache für mich – aus hier lieber nicht näher genannten Gründen – eine echte Herzensangelegenheit ist). Es ist dieser moralische (für mich religionsähnliche) Druck, der da aufgebaut wird, der mich zutiefst abstößt, mal abgesehen davon, dass ich mir als Frau durch das mit einer Pause gesprochene „innen“ einfach nur verhohnepipelt vorkomme. Deshalb finde ich auch dieses „Aber du musst ja nicht gendern“ so durch und durch zynisch. Denn wenn ich es nicht mache, z.B. auf meiner Webseite oder in meinen Social-Media-Accounts, signalisiere ich quasi, ich sei moralisch verwerflich, weil ich marginalisierte Gruppen bewusst ausschließen würde. Und im Job muss ich ohnehin gendern, da habe ich in bestimmten Bereichen gar keine Wahl. Außerdem wird es einem im TV und Radio ja inzwischen ungefragt aufgezwungen. Ich schalte da wirklich kaum noch ein. Dabei war ich mal eine glühende Verfechterin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

                      Auch wenn die Analyse zu Frau Pusch vielleicht wirklich ins Schwarze trifft (ich fand die Zitate von ihr teilweise ebenfalls verstörend), finde ich es dennoch sehr schade, dass er den Beitrag auf die persönliche Ebene gezogen hat. Denn dadurch macht er den ganzen – vielleicht ja wirklich gut recherchierten – Text für die Genderbefürworter:_*Innen (wenn schon, denn schon ;-) ) letztlich angreifbar. Auch ich habe an den gewissen Stellen beim Lesen zucken müssen und fand es – mein rein subjektiver Eindruck – zu persönlich.

                      Viele Grüße

                      M. M.

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