War der größte Trick des Menschen, die Menschheit glauben zu lassen, es gäbe einen Gott?

„Der Mensch hat eine erstaunliche Anzahl von Möglichkeiten entwickelt, sich zu irren.“ (Joshua Quinn)

War der größte Trick des Menschen, die Menschheit glauben zu lassen, es gäbe einen Gott?

Foto: Pixabay.com / kalhh

Das wird für alle möglichen Zwecke ausgebeutet. Es gibt harmlose Wege, etwa zu Unterhaltungszwecken. Aber jede nur mögliche Form des Betrugs wurde entwickelt. Selbst abseits aller Betrügereien richtet die Fähigkeit des Menschen, felsenfest und unerschütterlich etwas Falsches zu glauben, einen immensen Schaden an.

Im Jahr 2020 starben 230 Menschen durch Bösartigkeit, nämlich Mord. In der gleichen Periode starben alleine im Straßenverkehr 2500 Menschen, zehnmal so viele. Im Straßenverkehr sterben Menschen, jeden Tag, weil in ihrer unergründlichen Dummheit einige glauben, sie könnten betrunken Auto fahren, ohne dass etwas passiert (ist bisher immer noch gut gegangen). Oder sie überschätzen sich, können abgelenkt werden, übersehen offensichtliche Probleme, fahren zu schnell oder sind übermüdet. Die Menschen sterben nicht wegen der Bösartigkeit, sondern aufgrund der Dummheit der anderen. Gleichzeitig wird durch Dummheit insgesamt ein ungeheurer Schaden angerichtet, für Menschen wie auch für die Wirtschaft.

Man kann also sagen, dass Dummheit mehr Leid und Übel hervorbringt als jede menschliche Bösartigkeit.

Es gibt ein bekanntes Zitat von Dietrich Bonhoeffer, das genau diese Idee ausdrückt. Er schreibt in seinen „Briefen und Aufzeichnungen aus der Haft“:

„Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Boshaftigkeit. Man kann sich gegen das Böse wehren; es kann entlarvt und, wenn nötig, mit Gewalt verhindert werden. Das Böse trägt in sich stets den Keim seiner eigenen Subversion, indem es in den Menschen zumindest ein Unbehagen hinterlässt. Gegen Dummheit sind wir wehrlos. Weder Proteste noch der Einsatz von Gewalt bringen hier etwas; Gründe fallen auf taube Ohren; Tatsachen, die den vorgefassten Meinungen widersprechen, müssen einfach nicht geglaubt werden – in solchen Momenten wird der Dumme sogar kritisch – und wenn die Tatsachen unerschütterlich sind, werden sie als unbedeutend hingestellt. In all dem ist der Dumme, im Gegensatz zum Bösen, vollkommen zufrieden mit sich selbst und wird leicht gereizt, weshalb gegen ihn mehr Vorsicht geboten ist als gegen den Bösen. Nie wieder werden wir versuchen, den Dummen mit Gründen zu überzeugen, da es sinnlos und gefährlich ist.“

Natürlich lässt sich der Schaden durch Dummheit noch beliebig potenzieren, wenn ein paar Bösartige die Dummheit ausnutzen. Dann entstehen echte Katastrophen mit weitreichenden Folgen.

Eine der gefährlichen Dummheiten besteht darin, zu meinen, was immer man auch glaubt, sei wahr. Dabei gibt es weder einen logischen kausalen noch einen statistischen Zusammenhang zwischen „Ich glaube, X ist wahr“ und „X ist wahr“. Ein solcher Zusammenhang kann nur hergestellt werden, wenn man intelligent die Gründe dafür und dagegen abwägt.

Wir sind offensichtlich anfällig für falschen Glauben, entweder aus Dummheit, oder weil uns Informationen fehlen. Wenn es einen Gott gäbe, der Menschen über sich selbst im Unklaren lässt, ihnen nicht genug Intelligenz gibt, aber verlangt, sie sollten an ihn glauben, so wäre dieser Gott von abgrundtiefer Boshaftigkeit. Religion richtet Schaden an, weil sie den Menschen vorgaukelt, man könne Glauben als eine Art Erkenntnisersatz verwenden. Dazu ist der Glaube aber vollkommen ungeeignet. Somit kann man sagen, dass der religiöse Glaube indirekt eine Menge Schaden anrichtet. Es wird deutlich, wenn man bedenkt, dass Religiosität mit Bildung und Intelligenz negativ korreliert. Selbst intelligente Menschen können auf religiöse Behauptungen hereinfallen, weil alles getan wird, dass man den Glauben nicht kritisch hinterfragen kann. Das gilt für Ideologien aller Art: Sie können Menschen auf bestimmten Gebieten dumm und blind machen.

Gott ist ein Aspekt dieser Ideologie. Menschen glauben nicht so sehr an Gott als an die Gottesideologie. Sie glauben beispielsweise, dass etwas wahr ist, weil man es nicht widerlegen kann. Sie übersehen, dass dies auch für das logische Gegenteil gilt und Unsinn sich ebenfalls nicht widerlegen lässt. Ich kreide es unserem Bildungssystem als Mangel an, dies nicht schon den Kindern beizubringen. Es wäre natürlich den Religionen insgesamt abträglich und würde damit die soziale Kontrollfunktion der Religionen aushebeln. Das wäre aber eine gute Sache.

Man kann also sagen, dass Gott tatsächlich ein Trick ist, auf den Menschen hereinfallen. Man kann ihn nicht widerlegen, entweder, weil es sich um Unsinn handelt (dafür votiere ich), oder weil es eben nicht genug vernünftige Gründe gibt, um überhaupt an ihn zu glauben. Wenn man es nicht widerlegen kann, heißt dies nämlich, dass es auch keine vernünftigen Gründe dafür gibt. Hat man den Glauben an Gott erst einmal installiert, dann gibt es keinen Weg zurück, weil einem vorgegaukelt wird, dass man dafür ausreichende Gründe finden müsste. Aber richtig wäre es umgekehrt: Erst müsste es vernünftige Gründe geben, Gott überhaupt zu akzeptieren.

Es gibt eine ganze Menge Pseudogründe, die angeführt werden. Die meisten davon lassen sich ohne eine logisch-philosophische Bildung schwer durchschauen. Die ganzen Gottesbeweise sind teils logische, teils linguistische Tricks, um Menschen zu überzeugen. Sie funktionieren offensichtlich. Ich denke immer, eine intelligentere Spezies als die Menschen hätte keinen Gottesglauben.

Wenn es einen Gott gäbe, der verlangt, dass man Teile seines Verstands abschaltet, um an ihn zu glauben, und dies belohnt oder Intelligenz bestraft, so wäre dieser Gott bösartig und keineswegs verehrungswürdig. Keine Religion schätzt Intelligenz, Bildung und skeptische Kritik hoch ein, es sei denn, man kann es gegen andere Religionen verwenden. Diese Abwertung, oft verbunden mit einem verächtlichen Herabsehen auf die Wissenschaft, richtet insgesamt einen ungeheuren Schaden an.

Ich würde also die Frage mit einem JA beantworten.

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Kommentare

  1. userpic
    Huxley

    „Selbst intelligente Menschen können auf religiöse Behauptungen hereinfallen, weil alles getan wird, dass man den Glauben nicht kritisch hinterfragen kann.“

    Stimmt. Das ist kein wirklicher Widerspruch zu der zuvor aufgezeigten negativen Korrelation zwischen Religiosität und Bildung, wenn man bedenkt, wann in ihrem Leben die meisten religiösen Menschen (oder sogar alle?) zu eben dieser Religiosität gebracht werden, nämlich als Kind, also, wenn es eben NICHT möglich ist, das Vorgesagte zu hinterfragen. Die widersinnigen Ohrwürmer setzen sich fest, nicht etwa, weil sie so toll oder überzeugend wären; sie sind häufig banal, gemein, ungerecht und selbstwidersprüchlich, sondern weil gleichzeitig noch die Drohung mit einhergeht, wenn man nicht glaube, würde man (dafür) bestraft (oder zumindest gäbe es Liebesentzug vom eigentlich ach so „lieben Gott“).
    Ein so – Dawkins würde sagen – als Kind geistig vergewaltigter Mensch, kann als Erwachsener durchaus intelligent sein (lernfähig), … aber er schafft es nicht sich aus „dem Glauben“ zu verabschieden.

    So ist z. B. die Haltung von (einigen oder allen?) Agnostikern: „Naja, es gibt zwar keinerlei Belege für die Existenz von diesem oder jenem Gott, aber wer weiß, vielleicht finden die sich ja noch und …“ jetzt kommt’s „ … dann schließe ich die Existenz vorsichtshalber mal nicht aus, für den Fall dass …“
    Man will sich’s ja nicht vollkommen verscherzen, gell? Nebenbei kann man sich noch einreden, dass diese Haltung ja gar nicht so unintelligent sei (man hält sich ja alle Türen offen).

    Mit dem Konzept „das Böse“ und „das Gute“ hab‘ ich’s nicht (so). Das ist eine Dichotomie, die einem zwar schnell über die Lippen geht – sich in der Alltagssprache, die praktisch immer schnell und ohne Umschweife zu Urteilen beihelfen muss – und sich auch in Philosophien (unreflektiert) wiederfindet, aber keineswegs so zutreffen muss.
    Man erinnere sich an den kinderliebenden Familienvater, der Weihnachten glücklich mit seiner Familie verbringt (liebevoll mit den Kindern spielt, …), aber zwei Tage vorher Menschen massakriert hat (man kennt diese Geschichten z. B. aus dem Nazireich).
    Gut?
    Böse?
    Hm …

    Dumm? … und selbst das ist eine Dichotomie: Wer dumm ist, kann ja per definition nicht intelligent sein. … Auch hier: Übergänge sind fließend und (leider) selektiv – Menschen, die locker mal die Intelligenz hätten, dies und jenes zu hinterfragen, hinterfragen vielleicht „dies“ aber komischerweise nicht „jenes“.

    Wenn man schon in der Lesart bleiben will (wie gesagt, greift mir eigentlich zu kurz und leitet u. U. fehl), dann sollte man wohl auch bemerken, dass „Dummheit“ „dem Bösen“ allzuoft den Weg bereitet (also nicht entweder oder), oder anders:
    Dumme machen es Bösen leicht (aber Intelligente verhindern’s auch nicht). … Von daher schwer zu sagen, was den größeren Schaden anrichtet, die Kombination ist fatal. Mag sein, dass „das Böse“ ohne „die Dummen“ keine Chance hätte, aber ohne „das Böse“ würde sehr viel Schaden fern bleiben (können) – oder anders: NUR Dummheit allein hätte wohl das Nazireich nicht zustande gebracht.

    Aber nochmal: Die Argumentation mit sich ausschließenden Gegensätzen schätze ich als zu kurz gegriffen ein.

    …. Klar, dass das komplex ist, wenn man z. B. an Rassismus denkt. Rassisten verstehen einen Menschen als den Vertreter eines Typs (dem sie gleichzeitig diese und jene negativen, ablehnenswerten Eigenschaften zuschreiben). Dumm? Böse?
    Böse wird’s dann, wenn man meint, man müsse sich mit Gewalt gegen eine Gruppe „wehren“ (oder hätte das Recht über diese Gruppe „zu herrschen“ oder sie wenigstens zu benachteiligen), der man zuvor dümmlich rassistisch die besagten Eigenschaften zugeschrieben hat.

    Am Rande: … Wenn typologisches Denken (dumm) auf Essentialismus basiert, dann wird’s wirklich interessant – hätte bemerkenswerte philosophische Folgen, … wenn man sich diesbezüglich entblöden würde.

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