Was sind die besten Beweise für oder gegen Gott?

Argumente für Gott existieren nicht, aber dafür jede Menge Argumente gegen Gott

Was sind die besten Beweise für oder gegen Gott?

Foto: Pixabay.com / Tumisu

Was sind die besten Beweise für oder gegen Gott?

Für Gott: Das Designargument für Gott, Kalamitäten mit Kalam, Teil I (das Kalam-Argument), Das Finetuning-Argument.

Gegen Gott: Das Theodizeeproblem, Teil I, Ein Argument gegen Gott, Einführung in den Atheismus (ein atheologisches Argument).

Um nur mal drei für jede Seite zu erwähnen.

Eines der besten Argumente gegen Gott ist jedoch das Folgende, was gerne und häufig benutzt wird.

Behauptung: Es gibt keine Argumente/Beweise für oder gegen Gott. Dies wird oft mit komplett falschen Behauptungen gestützt, etwa: Man kann etwas Negatives nicht beweisen (totaler Quatsch), Gott steht außerhalb der Natur, lässt sich also mit natürlichen Mitteln nicht beweisen („außerhalb der Natur“ ist purer Unsinn, und nicht beweisen ließe sich so ein Gott nur dann, wenn er garantiert niemals in dieses Universum eingreift — das ist aber nicht der Gott, an den Gläubige glauben), Gott will sich nicht beweisen lassen (woher will man das wissen?)

Dass man Gott angeblich nicht beweisen kann, wird nur aus einem Grund behauptet: Man ist mit allen Versuchen, ihn zu beweisen, seit über 2000 Jahren gescheitert. Selbst Theologen wie Hans Küng müssen das grandiose Scheitern aller Gottesbeweise einräumen (siehe Küng, Hans. 2001. Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit. München: Piper).

Die Gottesbeweise sind jedoch nicht gescheitert, weil Gott sich nicht beweisen lassen will, sondern weil kein einziger dieser Beweise den logischen Anforderungen an ein gültiges Argument genügt. Mehr noch, wenn man die Prämissen beibehält, und versucht, das Argument so umzuwandeln, dass es wenigstens in sich logisch valide ist, erhält man immer ein Argument gegen Gott! Ich habe weit über 300 Argumente für Gott analysiert. Sobald man das Argument logisch gültig macht, selbst wenn man alle Prämissen beibehält, hat man automatisch ein Argument gegen Gott.

Man kann also sagen: Argumente für Gott existieren nicht, aber dafür jede Menge Argumente gegen Gott.

Wie nennt man normalerweise eine Sache, für die nichts spricht, aber alles dagegen? Man nennt sie falsch oder unwahr.

Man kann aber eines daran sehen: Jeder Versuch, Gott zu definieren, ihn zu beweisen, (ver)führt die Gläubigen dazu, Gott gegen Kritik zu immunisieren. Das scheint der einzige Weg zu sein, um Gott vor Widerlegung zu bewahren. Man muss zunächst den Gott der Religionen verneinen, der in die Welt eingreift, selbst wenn man nicht an einen solchen Gott glaubt. Die Deisten, die an einen solchen Gott glaubten, lehnten jede Religion ab und verehrten stattdessen die Vernunft. Das ist konsequent, aber nichts für die Mehrheit der Gläubigen.

Nun hat für eine Aussage, die man gegen Kritik immunisiert, für dieses Verfahren erhebliche Konsequenzen. Denn dann kann es keine Realität mehr geben, in der diese Aussage wahr ist - sie kann auch nicht falsch sein, weil es sich um puren Unsinn handelt. Unsinn kann man weder beweisen noch widerlegen. Gott wird absichtlich so konstruiert, dass er sich nicht widerlegen lässt (und nicht beweisen). Kurz, Gott ist reiner Unsinn.

Gläubige machen aus ihrem Gott etwas, über das hinaus man sich keinen größeren Unsinn mehr vorstellen kann. Dies nur, um der Kritik der Atheisten zu entgehen. Man weiß keinen anderen Weg mehr, aber entlarvt dabei seinen Glauben als pure Ideologie. Eine Ideologie ist eine Ideenlehre, deren Kernsätze gegen Kritik immunisiert wurden.

Marx hatte Ideologie einst definiert als „falsches Bewusstsein“. Ich sage, es handelt sich nicht einmal um falsches Bewusstsein, sondern den Glauben an Unsinn. Wissen kann man beweisen, Unsinn muss man glauben. Eine Ideologie ist eine Lehre, deren man nicht einmal bewusst sein kann, weil es nichts gibt, dessen man sich bewusst ist - außer kognitiv leeren Sätzen, denen der Sinngehalt abhandengekommen ist, und für die keine Realität existieren kann.

Die Gläubigen befinden sich in einem Dilemma: Sobald sie eine sinnvolle Definition von Gott geben, kann man zeigen, dass dieser Gott mit großer Sicherheit nicht existiert. Sobald sie aufhören, und eine leere Definition liefern, erklären sie Gott zu reinem Unsinn. Zwischen diesen beiden Polen sind sie gefangen, sie ziehen sich sozusagen Pest und Cholera zu, während sie an den Klippen von Scylla oder Charybdis zerschellen. Einige stellen sich quer und krachen dann auf beide Klippen - gleichzeitig.

Das ist das stärkste Argument gegen den Glauben an Gott. Gott ist Unsinn, und ich glaube nicht an Unsinn.

Man kann mit einer einzigen Frage daher die Gläubigen auch in Bedrängnis bringen:

Ist Gott mächtig genug, um eine bessere Welt als diese zu erschaffen, d. h., eine Welt mit weniger Leid?

Gläubige im Allgemeinen weichen dieser Frage mit allen Mitteln aus, sobald sie klug genug sind, zu bemerken, dass diese Frage ihren Glauben im Kern zerstört, wenn sie sie beantworten, unabhängig davon, wie sie antworten. Das beweist natürlich, dass die Gläubigen nicht in der Lage sind, ihren Glauben auf sinnvolle oder vernünftige Weise zu verteidigen. Das ist eine Neuformulierung des Theodizeeproblems (s. o.), für deren Ausgestaltung ich die Verantwortung übernehme.

Wenn Gläubige nun versuchen, damit zu kontern, dass Gott sich versteckt, aber trotzdem will, dass man an ihn glaubt, und dass man als Mensch glauben sollte, weil man glauben will, auch wenn man gerne doch Beweise hätte, dann kann man dies mit einer spieltheoretischen Analyse von Brams begegnen: Unter diesen Umständen ist die einzige rationale Antwort die, nicht an Gott zu glauben. (Siehe auch Brams, Steven J. 1983. Superior Beings: If They Exist, How Would We Know?: Game-Theoretic Implications of Omniscience, Omnipotence, Immortality, and Incomprehensibility. New York: Springer-Verlag).

Volker Dittmars Webseite: http://dittmar-online.net

Die menschliche Dummheit, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2020. Dies sind die Abenteuer des Volker Dittmar der mit seiner 4000 Memen starken Besetzung 5 Jahre auf Facebook unterwegs ist, um befremdliche Argumente zu erforschen, neues Labern und neue Religionen. Viele Lichtjahre von der Intelligenz entfernt dringt Volker in Dummheiten vor, die wie nie zuvor viele Menschen infiziert haben.

Kommentare

  1. userpic
    Holger Kammel

    Ich habe in einer österreichischen Satiresendung einen überzeugenden und logischen Gottesbeweis gehört! Leider habe ich die Namen der Protagonisten nicht behalten.
    Sinngemäß: " Wenn ich mir das Universum so anschaue, Kometen stürzen auf Planeten, Planeten stürzen in Sonnen, Sonnen und ganze Galaxien kollidieren miteinander, dann denke ich mir, es muß jemand geben - der das nicht kann!

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    1. userpic
      Uwe Lehnert

      Das könnte der österreichische Kabarettist Gunkl (Günther Paal) sein.
      Hier eine Kostprobe von ihm:
      https://www.youtube.com/watch?v=SR-xujLbkT4

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