Was wollen Dschihadisten wirklich? (Teil 2/2)

In ihrem Magazin Dabiq erklären die Dschihadisten des Islamischen Staates, warum sie uns hassen und warum sie uns bekämpfen.

Was wollen Dschihadisten wirklich? (Teil 2/2)

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Um die Motive unserer Feinde zu verstehen, sollten wir ihnen zuhören und nicht grundlos an ihren Erklärungen zweifeln. Die Dschihadisten haben es so leicht für Sie gemacht, ihr Denken nachzuvollziehen. Sie müssen sich mit allen Mittel darum bemühen, es nicht zu verstehen. Sie müssen sich vorstellen, dass die Dschihadisten lügen, immer nur lügen, unendlich lügen. Und das aus einem unverständlichen Grund. Obwohl es ihr Verhalten erklären würde, wenn sie wirklich die Überzeugungen teilen, die sie zu teilen behaupten. Obwohl es ihr Verhalten vollkommen mysteriös erscheinen ließe, wenn man sich andere Motive dafür ausdenkt.

Also bemühen Sie sich bitte kurz, die Welt aus deren Augen zu betrachten. In der 15. Ausgabe von Dabiq, das Magazin des Islamischen Staates, gibt es einen Artikel namens „Warum wir Euch hassen und warum wir Euch bekämpfen“. Die Dschihadisten schreiben darin Folgendes:

„Man würde meinen, dass der durchschnittliche Bürger eines westlichen Landes die ewige Behauptung nun aufgegeben hätte, dass die Handlungen der Heiligen Krieger – die wiederholt ihre Ziele, Intentionen und Motive ausdrücklich benannt haben – keinen Sinn ergeben würden. […] Die Politiker werden es sagen, wie sehr es auch den Fakten und dem gesunden Menschenverstand widerspricht, um so viele Stimmen wie möglich für den nächsten Wahlzyklus zu gewinnen.

Die Analysten und Journalisten werden es sagen, um zu vermeiden, für etwas angegriffen zu werden, was die Massen als ‚politisch inkorrekt‘ ansehen. Die vom Glauben abgefallenen ‚Imame‘ des Westens werden am selben alten Klischee festhalten, um die Gegenreaktion der ungläubigen Gesellschaften zu vermeiden, die sie als ihre Heimat gewählt haben. Das heißt, dass die Leute es weiterhin behaupten werden, obwohl sie wissen, dass es idiotisch ist, weil sie sich vor den Konsequenzen fürchten, vom Drehbuch abzuweichen.

Es gibt zweifellos Ausnahmen unter den Ungläubigen. Menschen, die unverrückbar daran festhalten, dass der Dschihad und die Gesetze der Scharia – wie alles andere, das die ‚Der Islam ist eine friedliche Religion‘-Meute zum Tabu erklärt hat – tatsächlich islamisch sind, aber sie sind tendenziell Menschen mit viel geringerer Glaubwürdigkeit, die als Teil des gesellschaftlichen Randes hingestellt werden, also werden ihre Stimmen abgetan und ein großer Teil der ignoranten Massen glaubt weiterhin das falsche Narrativ. Aus diesem Grund ist es nun wichtig für uns geworden, dem Westen in unmissverständlichen Worten zu erklären – schon wieder einmal – warum wir Euch hassen und warum wir Euch bekämpfen.

„Wir hassen Euch in erster Linie, weil Ihr Ungläubige seid“

1. Wir hassen Euch in erster Linie, weil Ihr Ungläubige seid; Ihr lehnt die Einzigkeit Allahs ab – ob es Euch klar ist oder nicht – indem Ihr ihm Partner für die Anbetung an die Seite stellt, Ihr lästert ihn und behauptet, Er habe einen Sohn, Ihr fabriziert Lügen über Seinen Propheten und Botschafter und Ihr labt Euch an allerlei teuflischen Praktiken. […] Wie Euer Unglaube außerdem der Hauptgrund ist, warum wir Euch hassen, so ist Euer Unglaube der Hauptgrund, warum wir Euch bekämpfen, da uns befohlen wurde, die Ungläubigen zu bekämpfen, bis sie sich der Autorität des Islams unterwerfen, indem sie entweder Muslime werden oder die Kopfsteuer bezahlen – für diejenigen, denen diese Option gewährt wird – und in Demut unter der Herrschaft der Muslime leben.

Selbst wenn Ihr also aufhören würdet, uns zu bekämpfen, würden wir allenfalls unsere Angriffe auf Euch zeitweilig unterbrechen – falls wir das für notwendig erachten –, um uns auf unmittelbarere Bedrohungen zu fokussieren, bevor wir unsere Feldzüge gegen Euch fortsetzen. […] Letztlich könnt Ihr unseren Krieg gegen Euch nicht endgültig beenden. Ihr könntet ihn allenfalls für eine Weile verzögern. „Und bekämpfe sie, bis es kein Heidentum mehr gibt und bis jede Religion die von Allah ist.“ (Sure al-Baqara, 193).

2. Wir hassen Euch, weil Eure säkularen, liberalen Gesellschaften eben jene Dinge erlauben, die Allah verboten hat, während sie viele der Dinge verbieten, die er erlaubte, was Euch alles nicht kümmert, weil Euer christlicher Unglaube und Euer Heidentum Staat und Religion voneinander trennen […].

3. Was die kleine atheistische Minderheit angeht: Wir hassen Euch und bekriegen Euch, weil Ihr nicht an die Existenz unseres Herrn und Schöpfers glaubt. […]

4. Wir hassen Euch für Eure Verbrechen gegen den Islam und bekriegen Euch, um Euch für Eure Vergehen gegen unsere Religion zu bestrafen. So lange Eure Bürger sich über unseren Glauben lustig machen, die Propheten Allahs beleidigen – darunter Noah, Abraham, Moses, Jesus und Mohammed – den Koran verbrennen und offen die Gesetze der Scharia anfeinden, werden wir Vergeltung üben – nicht mit Slogans und Plakaten, sondern mit Kugeln und Messern.

5. Wir hassen Euch für Eure Verbrechen gegen die Muslime. Eure Drohnen und Kampfflugzeuge bombardieren, töten und verstümmeln unsere Leute überall auf der Welt und Eure Martionetten in den besetzten Ländern der Muslime unterdrücken, foltern und führen Krieg gegen jeden, der zum wahren Glauben aufruft. […]

„Wir hassen Euch, weil Eure säkularen, liberalen Gesellschaften eben jene Dinge erlauben, die Allah verboten hat.“

6. Wir hassen Euch, weil Ihr in unsere Länder einmarschiert und wir bekämpfen Euch, um Euch zurückzudrängen und hinauszujagen. […]

Es ist wichtig, dass Ihr dabei Folgendes versteht: Einige mögen zwar argumentieren, dass Eure Außenpolitik alles ist, was unseren Hass anfacht, aber dieser spezifische Grund für unseren Hass auf Euch ist zweitrangig und darum steht er auch am Ende unserer obigen Liste. Tatsächlich würden wir Euch weiterhin hassen, selbst wenn Ihr aufhören würdet, uns zu bombardieren, uns einzusperren, uns zu foltern, uns anzufeinden und unsere Länder einzunehmen, weil unser Hauptgrund für den Hass gegen Euch nicht verschwinden wird, bis Ihr den Islam angenommen habt.

[…] Ihr könnt also weiterhin glauben, dass Euch diese ‚abscheulichen Terroristen‘ aufgrund Eurer Lattes und Eurer Timberlands hassen […] oder Ihr könnt die Realität akzeptieren und anerkennen, dass wir Euch auf alle Zeiten hassen werden, bis Ihr den Islam angenommen habt […].“

Die Dschihadisten lassen also keine Zweifel daran aufkommen, warum sie tun, was sie tun. Ist Ihnen übrigens schon einmal jemand begegnet, der sich wirklich in Yoga vertieft hat? Der einfach besessen davon war, als wäre Yoga die Antwort auf all seine Probleme? Der all den Feinheiten von Yoga auf den Grund gegangen ist? Der sich wirklich Gedanken über seine Chakren gemacht hat, seine Energiezentren im Körper. Der viel Zeit damit verbracht hat, seine Ernährung anzupassen, nur reine Nahrung zu essen, weil sein Körper nun dieses Werkzeug für die spirituelle Verwirklichung ist, der richtig kalibriert werden muss.

„Davon abgesehen kann er nun all die Frauen haben, die er früher nicht einmal in der Kneipe ansprechen konnte.“

Stellen Sie sich also diesen Grad an Vernarrtheit vor. Einen Menschen, der einfach ein totaler Yoga-Nerd ist. Und nun entdeckt er einen anderen Aspekt von Yoga, der genauso wahr ist. Zusätzlich zu all der Reinheit, der Raffinesse, einfach der Kostbarkeit des ganzen Unterfangens erfährt er, dass er Bösewichter umnieten darf. Er ist nicht irgendein Schlappschwanz in einem Turnanzug. Er ist ein Yoga-Assassine. Das ist ein Aspekt der Attraktivität des Dschihadismus.

Davon abgesehen kann er nun all die Frauen haben, die er früher nicht einmal in der Kneipe ansprechen konnte, weil es ihm an Selbstvertrauen mangelte oder weil er fürchtete, abgelehnt zu werden. Einige kann er zu seinen wortwörtlichen Sexsklavinnen machen. Und er bildet sich nun ein, ein Philosoph, ein Wissenschaftler und ein Prophet zugleich zu sein. Denn Gott hat ihm einfach die Wahrheit über den Kosmos gegeben. Er ist Genies überlegen, ohne irgendeine echte Errungenschaft vollbringen zu müssen.

Der religiöse Glaube, der dem Dschihad zugrunde liegt, ist nicht auf die US-amerikanische Außenpolitik zurückzuführen. Jemand sollte Noam Chomsky fragen, ob wir zu viele Bomben auf Finnland geworfen haben oder warum einige ursprünglich christliche Finnen zum Islam übergetreten sind und sich dem Islamischen Staat angeschlossen haben. Und nicht jeder Glaube liegt dem Dschihad zugrunde, sondern nur einer.

Dabiq Magazin Nr. 15.

Übersetzt und gekürzt von Andreas Müller

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