Als ich Sub-Warden im New College in Oxford war, stimmte ich beim Abendessen zufrieden das „Benedictus benedicat“ an, mit so ziemlich derselben Begründung wie der großartige, verstorbene Philosoph Sir Alfred Ayer: „Ich werde keine Lügen aussprechen, aber ich habe nichts dagegen, inhaltsleere Phrasen von mir zu geben.“ Vor ein paar Jahren war ich hocherfreut darüber, in die Kapelle des King’s College eingeladen worden zu sein - vom damaligen Leiter, ein guter Freund von mir und ebenfalls Atheist. Mit Freude stimmte ich in diesem atemberaubend schönen Gebäude in die Weihnachtslieder ein, und ich wäre gerne dazu bereit, die Lesung in der Kapelle meines eigenen Colleges zu halten, für den unwahrscheinlichen Fall, dass man mich dazu auffordern würde.

Ich vermute, dass der Großteil des sogenannten „Kriegs gegen Weihnachten“ (eine in Amerika beliebte Phrase) nicht von Atheisten betrieben wird, sondern von rivalisierenden Religionen – genauer gesagt, nicht so sehr von den rivalisierenden Religionen selbst, sondern von einem übertriebenen „Respekt“ für sie, den sie womöglich gar nicht eingefordert haben. Historisch betrachtet war es sicherlich der Respekt für rivalisierende Religionen, der dazu geführt hat, dass in Amerika „Weihnachten“ durch „Festtage“ ersetzt wurde, etwa beim Wünschen „froher Festtage“, dem Verschicken von „Festtagskarten“, den Anhäufen von „Festtagsgeschenken“ unter dem „Festtagsbaum“, dem Füllen der „Festtagsstrümpfe“ oder beim unglückseligen „Festtagstruthahn“, und sogar (obwohl ich mich da irren könnte) beim „Vater Festtage“, der mit dem Rentier mit der roten Nase durch den Himmel bimmelt. Ich habe die Vermutung, dass Rudolph, Santa Claus, und das ekelerregende Jingle Bells gezielt ersonnen wurden, um den christlichen Glauben herunter zu spielen und sich so den nicht-christlichen religiösen Befindlichkeiten anzubiedern. Nun, gebt mir jederzeit ein echtes Weihnachtslied. Ich bin ein kulturell christlicher Atheist und lebe in einem kulturell christlichen Land, das – wie der Rest von Westeuropa und sogar Amerika – Jahrzehnt für Jahrzehnt atheistischer wird.

Ich kann nicht behaupten, dass mir die „Kommerzialisierung von Weihnachten“ gefällt, aber fromme Christen hassen sie noch mehr. Würde man all die teuren Geschenke, geschenkt von Leuten, die es sich nicht leisten können, und in Empfang genommen von Leuten, die sie gar nicht haben wollen, zusammenzählen und… Aber Sie kennen den Rest, und wer will schon ein Geizhals oder ein Spielverderber sein? Der Gedanke der Güte, des Wohlwollens, der Großzügigkeit, ist bewundernswert, wenn auch mitunter fehlgeleitet. Und, ob es uns gefällt oder nicht, für die meisten Menschen in diesem Land hat Weihnachten aufgehört, die Gedenkfeier für die Geburt von Jesus zu sein. Falls es ihn überhaupt gegeben hat, gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, dass er im Dezember geboren wurde (keinen anderen als den, damit das Fest praktischerweise mit der heidnischen Sonnwendfeier zusammenfällt), er wurde nicht in Betlehem geboren, und mit Sicherheit wurde er nicht von einer Jungfrau geboren (die beiden letzten Erdichtungen wurden explizit erfunden, um Prophezeiungen des Alten Testaments zu erfüllen, die letzte ist eine Fehlübersetzung aus dem Hebräischen ins Griechische).

Es ist verlockend, am 25. Dezember den Geburtstag von Sir Isaac Newton zu feiern, der jedoch, obwohl er eines der größten Genies war, das die Welt je gesehen hat, nicht so ein netter Mann war wie (zumindest die fiktive Gestalt) Jesus.

Frohe Weihnachten!