Richards Twitter Ecke (110)

Mehr als 31.000 Tweets, über 2,9 Millionen Follower. Richard Dawkins nutzt Twitter mit viel Elan.

Richards Twitter Ecke (110)

Hier präsentieren wir regelmäßig einige seiner interessanten, und auch teilweise provokanten, Tweets, da nicht alle seine Twitter Aktivitäten verfolgen. Die deutsche Übersetzung liefern wir gleich dazu.

In 2015, Rachel Dolezal, a white chapter president of NAACP, was vilified for identifying as Black. Some men choose to identify as women, and some women choose to identify as men. You will be vilified if you deny that they literally are what they identify as.

Discuss.

Im Jahr 2015 wurde Rachel Dolezal, eine Ortsverband-Vorsitzende der NAACP*, diffamiert, weil sie sich als Schwarze identifizierte. Einige Männer identifizieren sich selbst als Frauen, und einige Frauen identifizieren sich selbst als Männer. Sie werden diffamiert, wenn Sie verneinen, dass sie wortwörtlich das sind, als was sie sich identifizieren.

Diskutiert.

(* National Association for the Advancement of Colored People)

— Richard Dawkins (@RichardDawkins), 10. April 2021

Er hat zu diesem Tweet dann einen direkten Kommentar geschrieben.

Ich habe nicht die Absicht, Transmenschen zu verunglimpfen. Ich sehe, dass meine akademische „Diskussions“-Frage als solche missverstanden wurde, und ich bedaure dies. Es war auch nicht meine Absicht, mich in irgendeiner Weise mit republikanischen Bigotten in den USA zu verbünden, die dieses Thema jetzt ausnutzen.

Richard Dawkins stellt eine Frage zur Diskussion, die ob des Themas hohe Wellen geschlagen hat. Wie ist diese akademische Frage zu verstehen?

Eine weiße Person hat eine Hautfarbe, die durch die Gene (Phänotyp) bestimmt wird. Bezeichnet sich eine weiße Person als „schwarz“, ändert dies nichts an der Tatsache, dass es sich biologisch betrachtet um eine weiße Person handelt.

Männer und Frauen sind durch ihre Gene biologisch männlich und weiblich (Ganzkörper XY bzw. XX-Modell). Transfrauen sind Männer, die sich selbst als Frauen identifizieren. Transmänner, sind Frauen, die sich selbst als Männer identifizieren. Dies ändert nichts an der Tatsache, dass es sich um biologische Männer bzw. Frauen handelt.

Im ersten Fall ist die Weiße, die sich als Schwarze bezeichnet hat, angegriffen worden. Im zweiten Fall werden diejenigen, die darauf hinweisen, dass Transmenschen biologische Männer und Frauen bleiben, angegriffen.

Die Kommentare und Reaktionen zeigen, dass diese Frage durchaus Wert war, gestellt zu werden. Es lässt sich dabei grob in zwei Gruppen einteilen: Die es im obigen erläuterten Sinne verstehen oder für die das biologische Geschlecht von Transpersonen identisch mit dem Geschlecht ist, dem sich diese zuweisen.

Bei Transfrauen handelt es sich z. B. um Männer, bei welchen das Gehirn des männlichen Fötus durch einen ausbleibenden Testosteronanstieg nicht vermännlicht wurde. Diese Männer fühlen sich daher im falschen Körper.

Diese Transfrauen werden von der zweite Gruppe als biologische Frauen betrachtet, die sich nicht von Frauen unterscheiden. Der Hinweis von Dawkins, dass jemand, der dies verneint, angegriffen wird, ist auf den sozialen Netzwerken Realität. Tatsächlich ist es bei Twitter & Co. in den Gemeinschaftsrichtlinien verankert. Daher können Verstöße dagegen bis hin zur Löschung des Benutzerkontos führen (Misgendering).

Dies und auch Gesetze in diversen Ländern haben Auswirkungen. So dürfen Transfrauen am Frauensport teilnehmen, wo sie häufig die Wettbewerbe gewinnen, weil sie aufgrund der Tatsache, dass es sich um biologische Männer handelt, Vorteile haben. Auch werden Transfrauen in Frauengefängnissen untergebracht zu werden, was zu einer Bedrohung der weiblichen Insassen führen kann.

La Vie En Gender

Wenn das Ergebnis bereits feststeht, filtert man alles gemäß der eigenen Agenda. Es gibt dabei keine Ergebnisoffenheit, die der wissenschaftlichen Methodik inhärent ist. Viele Kommentare zu Dawkins‘ Tweet offenbaren dieses „religiöse“ Verhalten. Dem Thema „gendergerechte Sprache" oder Gesetzen wie das kanadische Bill C-16 dürfte sein Kommentar vom 11. April zugeordnet werden können.

„Bestehende Wörter ändern ihre Bedeutung durch allmähliche Evolution. Oder eine Neudefinition oder Verfeinerung wird vorgeschlagen & freiwillig angenommen. Gut.

Nicht in Ordnung ist es, wenn ein Wort mit einem seit langem etablierten allgemeinen Sprachgebrauch herrisch umdefiniert wird & die Annahme der neuen Bedeutung per Gesetz oder sozialem Mobbing erzwungen wird."

Die Diskussion zu diesen Themen wird dabei häufig von den Rändern bestimmt. Dies führt zu einem ideologischen Graben, wobei nur eine Position als die richtige festgelegt wird. Eine falsche Dichotomie, die auch bei anderen Themen beobachtet werden kann. Den Betroffenen ist damit nicht gedient, da das wichtige Anliegen, die Diskriminierung von Transmenschen, ins Abseits gerät und von den Rändern für deren Zwecke missbraucht wird.

Richard Dawkins wird nun der „Transphobie“ geziehen. Ein Totschlagargument, mit der eine Diskussion von vornherein unterbunden werden soll. Die American Humanist Association (AHA) hat ihm den „Humanist of the Year Award” entzogen, der ihm 1996 verliehen wurde. Begründet wurde es damit, dass er Transmenschen als „betrügerisch“ bezeichnet und Schwarze „angegriffen“ hat, deren Identität man annehmen könne, wenn es einem praktisch erscheint.

Richard Dawkins hat in seinem nachfolgenden Kommentar deutlich gemacht, dass es nicht seine Absicht war, Transmenschen zu schaden. Die Empöralisten interessiert es indes nicht. Am Ende stellt sich die Frage: Wenn schon Liberale wie Richard Dawkins als transphob abgestempelt werden, wie soll man dann die tatsächlichen Trans-Hasser erkennen?

Hier geht's zum Originalartikel...

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